Früher war ja vieles schwerer, aber auch stilvoller. Wegweiser beim Wandern zum Beispiel. Statt der Angabe zur Entfernung gab es nur die Richtung, der zu folgen ist. Dafür ein hübsches Bild, es verleiht eine Ahnung, warum es sich lohnt, diese Richtung einzuschlagen. Berliner, die es ins Brandenburgische zur Erholung treibt, das ist nicht neu. Damit sie auch in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts ihr Ziel fanden, sollten Verkehrssäulen als touristische Wegweiser helfen. Und auch für den Brandenburger, die Berlin besuchen wollten, zeigte eine Säule, welche touristischen Höhepunkte in Berlin-Spandau auf sie warteten.

Keramikkacheln stellten Sehenswürdigkeiten der Region dar

Diese Säulen waren hübsch dekoriert und machten Lust auf einen Ausflug. Ein wenig an Litfaßsäulen erinnert zumindest die Berliner Säule und tatsächlich informiert sie nicht nur über Richtungen, auf den 18 bunten Keramikkacheln werden touristische Ziele farbenfroh vorgestellt.
Diese Säule stand einst an der Heerstraße Ecke Pichelsdorfer Straße und damit nahe der Berliner Stadtgrenze. Sie war knapp vier Meter hoch und obenauf trug sie eine Kugel, die auch als „Erdkugel“ bezeichnet wurde. Sie war mit 18 Bildkacheln verkleidet, mit Motiven, wie einem Baum für den Spandauer Stadtwald, den Juliusturm für Spandau oder einen auf einem Krug sitzenden Finken für Finkenkrug. Den Auftrag zur Fertigung erhielt die Veltener Firma „Ofenfabrik und Keramische Werkstätte A. Schmidt – Lehmann und Co“.

Säule im Zweiten Weltkrieg beschädigt und abgerissen

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Säule beschädigt und 1958 abgerissen. Der Förderverein Wilhelmstadt und Pichelsdorf setzt sich seit geraumer Zeit für den Wiederaufbau der Säule ein und sammelt Spenden für das Projekt. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) stimmte laut dem Verein bereits im Juni 2017 für den Wiederaufbau der Säule. 15 Jahre Forschung hat der Verein bereits investiert, nun wurden einige der bereits reproduzierten Kacheln der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Kacheln werden derzeit von Felix Reinhard Mields hergestellt.

Kleine Säule bei Alt-Brieselang seit November 2020 saniert

Im Förderverein ist auch Karl-Heinz Graffenberger, Heimatforscher aus Pausin (Schönwalde-Glien), aktiv. Er wurde auf die Verkehrssäule an der Landstraße 201 aufmerksam, die man ruhig als die kleine Schwester der Berliner Säule bezeichnen kann. Seit im Jahr 2008 die Verkehrsführung an der Kreuzung nach Pausin, gleich hinter dem Alten Brieselang, geändert worden war, stand sie etwas abseits, grau und unscheinbar.
Die Straße führt von Berlin-Spandau kommend nach Falkensee zum Ortsteil Finkenkrug und von hier hinaus ins Havelland. Wer weiter will, den führt die Straße nach Nauen und in die Glien-Dörfer, die zu Schönwalde gehören. Pausin gehört dazu und auch Perwenitz. Für Graffenberger war der Entschluss rasch gefasst, die 1937 errichtete Säule zu restaurieren. Vier Jahre später erstrahlte die 2,4 Meter hohe Betonsäule in frischem Glanz. Im November 2020 wurde die Säule der Öffentlichkeit vorgestellt.

Historische Kacheln nur teilweise wiedergefunden

Nun soll auch die große Berliner Schwester wieder glänzen. Anders als bei der havelländischen Säule blieb von ihr nicht viel übrig. Die Säule wurde abgetragen, Kugel und einige Kacheln sollten in der Spandauer Zitadelle aufbewahrt werden. Weitere Kacheln wollte man in Velten einlagern. Während die Kacheln teilweise wiedergefunden wurden, bleibt die Kugel, die mit einem 70-Zentimeter-Durchmesser nicht gerade klein ist, verschwunden.

60.000 Euro für Wiederherstellung der Verkehrssäule

Zur Vorstellung der ersten Kacheln baute der Verein ein kleines Model der Säule an ihren ursprünglichen Platz am Park vor dem Grimnitzsee. Park und Säule waren ursprünglich als Gesamtkonzept erdacht worden. Der Verein möchte diese ursprüngliche Planung wieder an den Ort zurückholen. Rund 60.000 Euro wird die Wiederherstellung der Keramik-Verkehrssäule kosten. Etwa die Hälfte des Betrages hat der Verein bereits einnehmen können.
Die touristischen Säulen in Berlin und Brandenburg sollten einst zur Werbung für das Gebiet an mehreren Orten aufgestellt werden. Tatsächlich blieb es bei den beiden Säulen, die kleine Schwester im Havelland weist bereits den Weg, die große Schwester harrt noch ihrer Wiederbelebung.