Kartografieren, fotografieren, interviewen – im Juni hatten sich die Schüler des Neuen Gymnasiums auf Spurensuche begeben. Wie lebten die Leute hinter der Mauer? Was geschah im November ‘89? Wo trafen sich die Mitglieder des Konziliaren Gesprächskreises? Und was ist das überhaupt? Von welchem Wohnzimmer aus wurde der Aagaard-Fluchttunnel gegraben? Die Fragezeichen waren groß.
Am Donnerstag präsentierten mehr als 70 Schüler das Ergebnis ihrer Forschung im Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße: eine interaktive Karte mit Glienicker Beteiligung. Auf den sechs Dorf- und Stadtplänen sind Gebäude in ihren Funktionen vor und nach 1989 dargestellt, dazu historische Fotos und natürlich Zitate der Zeitzeugen, die am Tisch oder auch nur über den Gartenzaun hinweg befragt wurden.
Nicht alle sechs Orte, die an dem Projekt teilgenommen haben, fanden so deutliche Spuren wie die Gymnasiasten in Glienicke. Info-Stelen zum Mauerradweg, Ausgrabungen der Flucht-Tunnel, Sonderführungen im vergangenen Sommer – all das erleichterte die Arbeit der 14 Teilnehmer aus der Nordbahngemeinde.
Mit Karten und Fotoapparat ausgestattet, durchstreiften sie die Straßen der Gemeinde, holten sich Unterstützung von Ortschronist Joachim Kullmann, der in der ersten Reihe im Besucherzentrum Platz genommen hatte. Vor allem aber sprachen die Gymnasiasten mit den Glienickern – mit den alten und den neuen, die sich auf dem ehemaligen Maisfeld ein neues Zuhause aufbauten. „Besonders spannend fand ich die Geschichte der drei Fluchttunnel unseres Ortes. Die Leute begannen sozusagen im Wohnzimmer zu graben, um in den Westen zu kommen“, fasste Jasmin ihre Eindrücke zusammen. „Ich war total begeistert von dem Projekt und hatte wirklich viel Spaß.“