Hinter dem Pinnower Bahnhof liegt ein altes Industriegelände. Die meisten Gebäude stehen leer. Früher befand sich hier eines der geheimsten Rüstungsunternehmen der DDR. Die Geschichte als Waffenschmiede reicht zurück in die Zeit des Faschismus. Am 4. November 1938 stellte das Heereskommando an die Reichsstelle Raumordnung Berlin einen Bauantrag für eine Munitionsanstalt. Die Wahl fiel auf den Wald des alten Rittergutes im uckermärkischen Pinnow. Das 200 Hektar große Areal hatte man 1890 an die Klosterkammer Hannover verkauft. Sie wurde durch Tausch Staatsbesitz. In den Folgejahren entstanden Straßen, Lagerhäuser, Bunker und Fabrikanlagen. Rund 1000 Beschäftigte, ab 1943 auch sowjetische Kriegsgefangene, arbeiteten in der Muna (Munitionsanstalt). Ab 1940 trug die Rüstungsfabrik die offizielle Bezeichnung Heeres-Munitionsanstalt Pinnow. Als kriegswichtiges Objekt war die Anlage auch Ziel mehrerer Luftangriffe. So warfen am 7. Mai 1944 Flugzeuge mehrere Brandbomben in den Wald um die Anlage.
Nach Kriegsende wurden die Bunker- und Fabrikanlagen gesprengt. In den Gebäuden fanden Flüchtlinge Asyl. Etwa 22 000 Menschen aus den deutschen Ostgebieten und heimkehrende Soldaten waren von 1945 bis 1947 hier untergebracht. Viele litten an Hunger und Krankheiten. Für die Toten richtete man eigens einen kleinen Friedhof auf dem Gelände ein. Laut Kirchenbuch sind dort 31 Gräber belegt. Sein Standort ist heute nicht mehr bekannt. Weitere Teile des Areals wurden unter Neusiedlern aufgeteilt. Auch ein Kinderferienlager wurde bis 1947 hier eingerichtet. Doch dann übernahm wieder das Militär das Objekt. Zeitweise erfolgte hier die Ausbildung der kasernierten Volkspolizei, dann übernahm die NVA die alte Munitionsanstalt. Ab 1952 erhielten die Kampfpiloten der Luftstreitkräfte der NVA hier ihre Grundausbildung, bevor sie in der Sowjetunion auf den Flugzeugen geschult wurden. Neben Ausbildungs- und Trainingsgebäuden entstanden Wohngebäude für das Personal, darunter die bekannten Holzhäuser von Pinnow.
1956 wurde unter strengster Geheimhaltung das Lehr- und Ausbildungsregiment (LAR) 12 gegründet. Die Soldaten und Offiziere trainierte man im Umgang mit der neuen Raketentechnik wie Flugabwehrraketen. Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Wir waren die letzten Flakartilleristen in Geltow. Dann urplötzlich im Frühjar 1962, von einen Tag auf den anderen, hieß es Sachen packen, aufsitzen, und ab Richtung Norden. Wir landeten in Pinnow, einem kleinen Dorf zwischen Angermünde und Schwedt. Eine Kaserne mit massiven Baracken im lichten Mischwald, im Lehr -und Ausbildungsregiment 12.“
Noch im gleich Jahr entstand aus dem Armeeausbildungsobjekt ein Rüstungsbetrieb. Unter der Bezeichnung „Reparaturwerk für Spezialbewaffnung“ (RWS) wurden Funk-, Radar- und Fernmeldetechnik gewartet und repariert. Aber auch Flugabwehrraketen, Wasserbombenwerfer und und Panzerlenkwaffen kamen zur Durchsicht. Ab 1986 produzierte man in Pinnow  Panzerabwehrraketen in Lizenz.
Mit einer Umstrukturierung der DDR-Rüstungsunternehmen 1965 erhielt der Betrieb den Namen „Instandsetzungswerk Pinnow“ (IWP) und gehörte zum Kombinat VEB Spezialtechnik Dresden. Rund 1600 Mitarbeiter zählte die Einrichtung bis zur Wende. Das Areal war in vier Zonen unterteilt, die nur mit einem besonderen Zonenpass betreten werden konnten. Extra gesichert durch Signaldrahtzaun war die Zone 4 (Schmiermittel- und Treibstofflager). Für die Sicherheit sorgte eine spezielle Wacheinheit der NVA.
Nach der Wende erfolgte das Aus für den Rüstungsbetrieb. Doch wieder fand sich hier militärische Hardware. Aber nicht zur Reparatur, sondern zur Entsorgung. Die Firma Buck und nach deren Insolvenz 1998 das Unternehmen Nammo demontieren Raketen, Panzer und entsorgten Streumunition. Aber auch andere Industriezweige, Organisationen und Einrichtungen hatten und haben sich auf dem Gelände (heute INPAR Pinnow) angesiedelt, das 2004 an die Gemeinde ging. Fertigwohncontainerbau, Türen- und Fensterproduktion, Sozialstation und vieles mehr. Mit der Schließung der Nammo 2018 ist das Kapital Waffen in Pinnow endgültig Geschichte. Aber ein kleines Museum erinnert dort noch heute an die Zeit der geheimen Rüstungsschmiede.