Genau 73 Personen der rechtsextremen Szene stuft der Verfassungsschutz als gewaltbereit ein. Das ist nach dem Kreis Spree-Neiße die zweithöchste Zahl in ganz Brandenburg. Zum Vergleich: Im Barnim sollen es nur 18 und in Märkisch-Oderland 29 sein. Bei der Gesamtzahl der Rechtsextremen hält die Uckermark mit 160 Frauen, Männern und Jugendlichen sogar den Spitzenwert im Land.
Die Zahlen sind höchst überraschend, ging man doch seitens der Polizei und der Kommunen bisher stets davon aus, hier in der Region keine so straff organisierte Szene vorzufinden wie beispielsweise in Oberhavel oder Mecklenburg-Vorpommern. Das wird durch den Verfassungsschutzbericht 2016 zum Teil sogar bestätigt. So hat sich erst im Jahr 2017 ein eigener Kreisverband der NPD gegründet. Bis dato gehörte die Uckermark mit zum Kreisverband Barnim. Ihre öffentlichen Auftritte vor allem gegen die Aufnahme von Asylbewerbern blieben meist schlecht besucht, wurden teilweise sogar abgesagt. Der Verfassungsschutz spricht von einem "Zerwürfnis innerhalb des Kreisverbandes". Die NPD - mit zwei Mandatsträgern im Kreistag vertreten - habe weder in den eigenen Reihen noch durch freie Kräfte Unterstützung.
Woher aber kommt der überproportionale Anteil von Rechtsextremisten im Landkreis? Offenbar im Aufbau befindlich ist die Organisation "Der dritte Weg", die nach Einschätzung der Verfassungsschützer einen strikten neonationalsozialistischen Rechtsextremismus mit völkischen, fremdenfeindlichen und antidemokratischen Positionen vertritt. Der Gebietsverband Mitte setze sich aus den Bundesländern Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen zusammen. Als Gebietsverbandsleiter wird Matthias Fischer genannt, ursprünglich Templiner und jetzt Angermünder. Seit seinem Umzug von Bayern treibe er den Aufbau der Strukturen im Land voran. Vom sogenannten Stützpunkt Uckermark aus organisiere die Kleinpartei wenig besuchte fremdenfeindliche Versammlungen, Heldengedenkfeiern und Flugblattaktionen.
In Schwedt treten seit einigen Jahren die sogenannten Freien Kräfte in Erscheinung. Auch sie befassen sich mit Heldengedenktagen und haben zum Todestag von Rudolf Hess ein Plakat aufgehängt.
Die rechtsextreme Szene findet sich verstärkt über Internetplattformen, eigene Webseiten und vor allem über ihre Hassmusik zusammen. Damit soll nicht nur nationalsozialistisches Gedankengut transportiert, sondern vor allem der Einstieg von Jugendlichen erreicht werden. In der Uckermark sind solche Gruppen wie Jungvolk aktiv. Als rechtsextremistische Vertriebs- und Tonträgerproduktion nennt der Verfassungsschutz den Fylgien-Versand in Templin, gleichzeitig Liedermacher.
Unabhängig von den Organisationsformen nimmt die Zahl der Gewaltdelikte und politisch motivierter rechter Straftaten zu. Ein großer Teil richtet sich besonders gegen Ausländer und da vor allem gegen Asylbewerber. Mehrere Fälle ereigneten sich vor dem Flüchtlingsheim in Schwedt, wo blutende Schweinefüße an Fußballtore gebunden wurden. Der angebliche Reichsbürger empfing die Polizei mit dem Hitlergruß. Außerdem gab es einen Angriff mit einer Silvesterrakete, persönliche und verbale Attacken gegen Ausländer. In Prenzlau sind jugendliche Asylbewerber mehrfach mit Flaschen beworfen worden.
Gegenüber der wachsenden Zahl gewaltbereiter Rechter nimmt sich die linksextreme Szene in der Uckermark gering aus. So soll es nur eine autonome Gruppierung in Prenzlau geben.