Deutlich weniger Gewinn
Geschäftsführer Jörg Mocek nimmt es gelassen, obwohl sein Gang an diesem Abend schwierig ist. Jede neue Tarifrunde kostet Geld. Und drinnen muss er seinen Gesellschaftern – den Landräten von Uckermark und Barnim – auch noch reinen Wein einschenken und die Jahresziele des größten kommunalen Klinikverbunds im Nordosten Brandenburgs nach unten korrigieren. Der mögliche Gewinn von maximal zwei Millionen Euro liegt deutlich unter den Erwartungen. Aber nicht, weil die Krankenhäuser schlecht gewirtschaftet haben, sondern weil die Bundespolitik massive Strukturveränderungen in der deutschen Kliniklandschaft veranlasst. Es werde eine Ausdünnung der Krankenhausstandorte geben, so Mocek. Von den bisher 2000 Häusern würden möglicherweise nur noch 800 nötig sein für eine optimale medizinische Versorgung.
Die Mechanismen zur Neustrukturierung wirken schon. Erreicht eine Abteilung beispielsweise nicht die vom Gesetzgeber geforderten Vorgaben, wird die gesamte Leistung nicht bezahlt. Weil die Sache schon rückwirkend läuft, haben die Krankenhäuser den Schwarzen Peter.
Doch der GLG-Geschäftsführer weiß, dass im Nordosten Brandenburgs schon kaum noch eine Ausdünnung erfolgen kann. Also gibt er das Ziel für 2020 aus: Alle elf Unternehmen sollen eine schwarze Null erwirtschaften. Die Werner-Forßmann-GmbH und der Ambulante Pflegedienst erreichen das nicht. Trotz aller Investitionen in Technik und durch 148 zusätzliche Mitarbeiter sei es nicht gelungen, zusätzliche Ergebnisse über eine Leistungssteigerung zu erreichen. Also müsse man Reserven für die Zukunft heben. Der strategische Ansatz lautet: In diesem Jahr sollen die Einzelunternehmen die Eigeninitiative ergreifen und strukturelle Veränderungen herbeiführen, um mehr wirtschaftliche Stabilität zu gewinnen. Sollte das nicht gelingen, werde die Geschäftsführung ab 2021 selbst die notwendigen Maßnahmen anschieben. Alle elf Unternehmen sollen 2023 noch am Markt wirken. Wer es bis dahin geschafft hat, bleibt erhalten – so die Logik im innerdeutschen Wettbewerb.
Diese Botschaft richtet Jörg Mocek nicht nur an die Aufsichtsratschefs, sondern auch an die Gewerkschaften. Denn öffentliche Häuser hätten grundsätzlich 20 bis 25 Prozent mehr Personal für die gleiche Leistung zur Verfügung als private Häuser. Dafür würden dort eben hochqualifizierte Kräfte meist höher bezahlt. Während die Privaten gerade ihre Gewinne halbieren, kämen öffentliche Kliniken in negative Zahlen. Dennoch will der Konzernchef keine Tarifanpassungen ablehnen, zumal die Kassen diese auch in Aussicht stellen.
Buh-Rufe der Mitarbeiter
Im Foyer des alten Mielke-Schlosses hören die Mitarbeiter der Wolletzklinik aufmerksam zu. Sie wollen mehr Lohn für gute Arbeit und wissen, dass sie gebraucht werden. Buh-Rufe ertönen, als der Barnimer Landrat Daniel Kurth in seiner Aufsichtsratschef-Rede einen Fachkräfte-Notstand im Unternehmen negiert. Dabei kommt er selbst gerade auch medizinischer Behandlung, trägt heftige Blessuren im Gesicht und an der Stirn. "Das ist nicht das Ergebnis einer Auseinandersetzung um eine Standortentscheidung", witzelt Kurth. Stattdessen habe der Spalthammer beim Holzmachen kurzzeitig gegen ihn gewonnen.