"Im Ziel gab es bei allen Beteiligten, den Sportlerinnen, Trainern und natürlich auch den angereisten Eltern, einen unglaublich emotionalen Ausbruch - alle lagen sich in den Armen. Mit der Bronzemedaille hätte ich nie gerechnet - noch vor wenigen Jahren fuhren wir zu Landesmeisterschaften als Saisonhöhepunkt", erinnert sich Vater Jens Thieme an die entscheidenden Sekunden auf der Weltcup-Strecke im westlichen Portugal.
Nach insgesamt sechs Trainingslager-Wochen in Kienbaum und Duisburg war die Schwedterin Clara Thieme zusammen mit Katinka Hofmann, Carola Schmidt (beide Karlsruhe) und Julia Hergert (Magdeburg) als frisch zusammengestelltes Team zur WM geflogen. "Carola war als 1998 Geborene die Älteste, Clara und Julia sind noch im ersten Juniorenjahr, Katinka kann sogar noch in der Jugend starten - scherzhaft bekam die Besatzung den Namen Baby-Vierer", erzählt Jens Thieme.
Bei überwiegend schönem Wetter, aber reichlich Windproblemen auf der sehr frei liegenden Strecke belegte das deutsche Quartett im Vorlauf hinter Russland Rang 2. Nur die drei Vorlaufsieger (neben Russland waren dies Ungarn und Dänemark) qualifizierten sich direkt für das A-Finale. "Und diese drei Boote waren mit ihren Zeiten der übri-gen Konkurrenz auch so deutlich überlegen, dass die Experten von einem Dreikampf um die Medaillen ausgingen. Auch die deutschen Trainer sahen spätestens nach einer nicht so guten Zeit im Halbfinale (trotz Sieg!) Rang 6 als realistische Abschlussplatzierung ihrer Mädels an.
Genau auf diesem Platz lag Claras Boot dann auch 150 m vor dem Ziel, die Gegner waren ziemlich enteilt. Doch dann entwickelten die Deutschen eine Wahnsinns-Endgeschwindigkeit, überspurteten noch drei Boote und überquerten tatsächlich als Dritte die gedachte Ziellinie. Sensationell! Überragend! Bronze!
Clara Thieme war zudem als deutsche Ranglisten-Beste für den Einer über 200 m nominiert worden und absolvierte als Dritte einen sehr soliden Vorlauf. Tragisch verlief das Halbfinale: Nur vier Stunden nach dem emotionalen Höhepunkt mit der Vierer-Bronzemedaille musste sie wieder ran - Platz 4 und damit das Erreichen des B-Finals war das Ziel, das sie jedoch um eine Zehntelsekunde verfehlte. In neuer persönlicher Bestzeit zeigte sie sich aber fürs C-Finale trotzdem hochmotiviert und gewann es -mit ihrer Zeit wäre sie im A-Finale Vierte geworden ...
Zwei weitere Schwedter Kanuten starteten in U-23-Konkurrenzen dieser WM - Anton Regorius verpasste dabei im Canadier-Vierer um 0,8 Sekunden die Bronzemedaille. Nach Platz 5 im Vorlauf und einem zweiten Rang im Halbfinale waren die Boote aus der Ukraine, Weißrussland und Russland im Finale über 500 Meter etwas schneller als das deut-sche Boot. Fabien Dittrich kämpf-te auf der 1000-m-Strecke im Canadier-Einer. Trotz einer guten Zeit von 4:05,17 min reichte es im Vorlauf nur zu Platz 4, im anschließenden Halbfinale wurde er Sechster und kam schließlich als Achter im B-Finale ins Ziel.