• Die Corona-Impfquote in Deutschland liegt aktuell bei 64,7 Prozent. Um einen zuverlässigen Schutz der Bevölkerung zu garantieren, müssen mindestens 70 Prozent geimpft werden
  • Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler bereiten heute, am 6. Oktober auf den Herbst vor
  • Im Fokus soll das Thema Impfung stehen: Sowohl gegen Corona als auch gegen die Grippe
  • Ärzte befürchten eine Grippewelle durch nachgeholte Infektionen
Der befürchtete Anstieg an Corona- und Grippe-Infektionen im Herbst und Winter rückt an diesem Mittwoch in Berlin in den Blick. Dazu treten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, am Vormittag gemeinsam vor die Öffentlichkeit. Im Zentrum soll das Thema Impfen stehen.

Corona im Herbst: Lockerungen führen zu mehr Infektionen

Das RKI hatte in seinem jüngsten Wochenbericht eine Zunahme bei den Corona-Zahlen vorhergesagt. Als Gründe nannte das RKI, dass es noch immer eine große Zahl ungeimpfter Menschen gebe und Kontakte in Innenräumen im Herbst zunähmen. Zudem fürchten Ärzte eine Grippewelle. Derzeit gibt es bereits eine Häufung an Atemwegsinfekten bei Minderjährigen. Ärzte berichten davon, dass nun Infekte nachgeholt würden, die es wegen des teilweisen Lockdowns im vergangenen Winter und Frühjahr nicht gegeben habe.
In der Hochphase der Corona-Pandemie waren Spahn und Institutschef Wieler teils im Wochenrhythmus miteinander aufgetreten. Mit dabei ist dieses Mal der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens. Die Stiko hatte im September eine Empfehlung herausgegeben, nach der Impfungen gegen Corona und Grippe an einem Termin erfolgen können. Geraten wird zu einem Zeitpunkt ab Oktober.

Corona Freedom Day: Lauterbach warnt vor Ende der Maskenpflicht

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte in der „Augsburger Allgemeinen“ (Mittwoch) vor weiteren Lockerungen der Maskenpflicht. „Wir müssen darauf achten, dass wir nicht durch einen Freedom Day oder ein vorschnelles Ende der Maskenpflicht eine große, kombinierte Infektionswelle bekommen“, sagte er. „Wenn Corona, die Influenza und die gewöhnlichen Erkältungen gemeinsam massenhaft auftreten, könnte es zur Überlastung von Krankenhäusern und Intensivstationen kommen. Das gilt es zu verhindern.“
Der Präsident des Landkreistages, Reinhard Sager (CDU), forderte dagegen eine schrittweise Lockerung der Corona-Maßnahmen. „Bund und Länder sollten einen Ausstiegspfad verabreden, der uns aus den pandemiebedingten Einschränkungen herausführt“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch). „Das muss offen diskutiert werden, ansonsten nimmt die Unzufriedenheit mit politischen Entscheidungen zu Corona weiter zu.“
Er meinte: „Wir sind optimistisch, dass wir langsam, aber sicher aus der Pandemie herauswachsen werden. Dieses Signal sollte auch die Politik aussenden.“ Dazu sei es notwendig, die Impfquote weiter zu steigern. „Sollte es große Impflücken bei bestimmten Berufsgruppen wie Erziehern, Lehrerinnen und Pflegekräften geben, muss über eine Impfpflicht für diese Tätigkeiten nachgedacht werden“, sagte er.

Grippe Impfung 2021: Wer sollte sich gegen Influenza impfen lassen?

Auf seiner Webseite beantwortet das RKI die wichtigsten Fragen zur Grippe-Impfung. Zum Beispiel wird erklärt, für wen die Influenza-Impfung besonders wichtig ist:
  • für alle Personen über 60
  • für alle Schwangeren ab dem 4. Schwangerschaftsmonat
  • für Personen mit erhöhter Gefährdung, z.B. weil sie chronische Erkrankungen haben
  • Personen, die mit oben genannten Risikogruppen zusammenleben oder -arbeiten (z-B. Pflegende)
Zudem schreibt das RKI, dass die Grippe-Impfung zwar nicht für alle empfohlen wird, aber dennoch jede und jeder mit einer solchen Immunisierung einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Gesundheitsversorgung leisten kann – ganz besonders im Hinblick auf die Corona-Pandemie.

Wann sollte ich mich gegen Grippe impfen lassen?

Da die Grippe-Wellen meistens in der kälteren Jahreszeit anfangen, empfiehlt das RKI, dass sich Personen zwischen Oktober und Mitte Dezember impfen lassen. Impfungen sind zu einem späteren Zeitpunkt aber auch noch sinnvoll – ganz genau könne man nämlich nicht sagen, wann eine Grippe-Welle vorbei sein wird.