Die Aussicht aus dem Gerichtssaal über den Straussee ist wirklich schön, doch die in ihm sitzen, werden keinen Blick dafür haben, sagte Polier Dirk Sawatzky sinngemäß in seinem Richtspruch. In der Tat wird die Stahl-Glas-Fassade des Verbindungsbaus zwischen dem historischen Fachwerkbau des Amtsgerichts in der Klosterstraße 13 und dem benachbarten Baukörper der Häuser 1 und 2 des früheren Landratsamtes einen freien Blick auf den See ermöglichen. Am Freitag versammelten sich zahlreiche Vertreter der Brandenburgischen Justiz, so die Präsidenten des Oberlandesgerichts Wolfgang Farke und des Landgerichts Frankfurt (Oder) Dirk Ehlert, der Leiter des Schutzbereichs der Polizei Olaf Berlin, Landrat Gernot Schmidt (SPD) und zahlreiche Vertreter der Kommunalpolitik, der Wirtschaft und Rechtsanwälte, um an dem Stahlbeton-Rohbau Richtfest zu feiern.
Die Genehmigung der 8,5-Millionen-Euro-Investition bekannt zu geben, war dem Initiator des Baus, Gerhard Hohmann, ausgerechnet bei seiner Verabschiedung auf den Tag genau sechs Jahre zuvor vergönnt. Zum Richtfest war der Ruheständler aus der Nähe von Köln angereist. Die letzten zehn Jahre seiner Berufslaufbahn habe er in Brandenburg verbracht, von 1995 bis 2002 als Direktor des Strausberger Amtsgerichts: "Ich finde das natürlich erst einmal für die Mitarbeiter und Richter wichtig, dass bald die ganze Behörde an einem Ort arbeiten kann. Genau so bedeutsam ist für mich aber auch die Ausstrahlung des Gebäudes auf die Menschen, die in der Hoffnung auf gerechte Behandlung hierher kommen. Nicht, dass sie in Ehrfurcht erstarren sollen, sondern dass das Haus die Würde der Justiz ausstrahlt und damit die Menschen Vertrauen zu ihr gewinnen lässt", sagte Hohmann der MOZ.
Michael Tschauder, Regionalleiter Baumanagement Süd-Ost des Brandenburgischen Landesamtes für Liegenschaften und Bauen, nannte die Zahl von 2800 Quadratmetern Nutzfläche, die im Sommer mit dem dann ganz fertigen zweiten Bauabschnitt zu übergeben seien. Gravierende Bauverzögerungen beim ersten Abschnitt, dem Ausbau der Teile der früheren Kreisverwaltung für die Justiz, lastete er nicht nur den zahlreichen historischen Fundstücken und erheblich größeren Baumängeln der alten Substanz an, sondern ging auch selbstkritisch mit der eigenen Behörde ins Gericht. Acht Firmen seien derzeit mit der Bauausführung betraut, weitere Firmen werden hinzukommen. Derzeit laufen die Ausschreibungen für die letzten Bauleistungen.
Für Justizministerin Beate Blechinger ist die Investition der gute Beweis dafür, dass das Land sich seine Justiz etwas kosten lasse. Sie verwies noch einmal auf die intensiven archäologischen und anthropologischen Untersuchungen besonders der Bodendenkmäler. So wurden 700 Gebeine früherer Dominikanermönche, die zwischen Mitte des 13. und Mitte des 16. Jahrhunderts an diesem Platz beigesetzt worden waren, geborgen. Grabbeigaben wie Sicheln, Schlüssel und Messer deuteten auf religiöses Denken bezüglich des Weges in den Himmel: "Es gibt eine Menge spannender, wenn auch vorläufiger Erkenntnisse zur Strausberger Stadtgeschichte, sogar Hinweise auf die mittelalterliche Burganlage, die noch vor dem Klosterbau 1252 bis 1256 existiert haben könnte." So bringe der Bau sogar Beiträge zur mittelalterlichen Landesgeschichte Brandenburgs.
Frank Schuberth, der Direktor des Strausberger Amtsgerichts, freut sich auf die Zeit, in der die Eilfußmärsche von der Klosterstraße in die Große Straße und Schulstraße vorüber sind. Vor allem aber dankte er neben den Bauleuten seinen Mitarbeitern für ihre Geduld für die Belastungen des Bauens und ihr Engagement beim reibungslosen Umzug in die neuen Räume des ersten Bauabschnitts. Der alte Backsteinbau Klosterstraße 13 wird noch für die Mitarbeiter des Grundbuchamtes umgebaut.