Vor kaum einer Branche macht die Digitalisierung Halt. Jetzt geht es der guten alten Blei-Säure-Batterie an den Kragen. Neue Lithium-Ionen-Alternativen mit LED-Ladeanzeige, App und Datenspeicherung drängen auf den Markt.
Herrlicher Sonnenschein – Motorradwetter. Doch beim ersten Start in die neue Freiluftsaison versagt die Maschine. Die Batterie ist runter. Schon ist der Tag versaut. Doch technische Neuentwicklungen wie die Lithium-Batterien versprechen Abhilfe. Mit ihrer minimalen Selbstentladungsrate, einer dreimal kürzeren Ladezeit als herkömmliche Batterien und einer wesentlich längeren Lebensdauer erobern sie nicht nur die Welt der neuen Elektro-Autos, sondern auch Arbeitsmaschinen, Motorräder, Boote und Wohnwagen.
Wie schnell solche technischen Neuerungen auf den Markt drängen und welche Folgen das für traditionelle Handwerksbetriebe hat, merkt die Firma Zippel in Frauenhagen. Ursprünglich als Frauenhagener Akkumulatorenwerk zur Aufarbeitung und zum Bau von Hartgummi-Batterien gegründet, musste sich das Unternehmen schon mehrfach auf Neuentwicklungen und Marktveränderungen einstellen, um weiterleben zu können. Jetzt drängt die nächste technische Generation auf den Markt. „Anfangs haben wir das kritisch gesehen“, sagt Firmenchef Jörg Zippel. „Aber die Vorteile liegen auf der Hand. Und in der Branche reagieren die Leute begeistert.“ Lithium-Ionen-Batterien sind leistungsfähiger, leichter, wasserdicht, weder brennbar noch explosiv, können in allen Stellungen verbaut werden. „Ein völlig neues Metier. Der klassische Säure-Heber ist Geschichte“, so Zippel.
Alle Mitarbeiter mussten zur Schulung, denn die Nachfrage steigt. Die Firma will von Anfang an mitmischen, auch wenn der Chef weiß, dass mit der längeren Lebensdauer dauerhaft weniger Batterien ausgetauscht werden müssen. Doch technische Neuerungen lassen sich selten aufhalten. Die smarten Akkus liefern den Ladestand einzelner Zellen direkt aufs Handy. Der Biker blickt aufs Display und weiß schon beim Frühstück, ob die Maschine anspringt. Die elektronische Überwachung läuft über einen Mikroprozessor. In Pkws beginnt der Wechsel zur 48-Volt-Spannung. Aufgrund vieler Stromverbraucher wie Navigationsgeräte, Kameras, Bordinstrumente, Sicherheitseinrichtungen und Telefone gehört die stabile Stromversorgung zur Grundanforderung der automobilen Welt.
„Wir bieten die Dienstleistung an, konkurrieren durch unseren Service auch mit dem Internet“, sagt Jörg Zippel. „Für uns hier auf dem Lande ist es natürlich interessant, dabei zu sein.“ Und wer hätte schon vor ein paar Jahren daran gedacht, einen direkten Draht zu seiner Motorradbatterie zu finden?