Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wuhdens Hufbeschlagschmied Ronny Schniegler kennt viele Sprüche rund um sein altes Handwerk

Am eigenen Glück geschmiedet

Nach oben offen für das Glück im neuen Jahr: Auch für dieses Foto mit dem glühenden Hufeisen-Rohling hatte sich Ronny Schniegler (35) vorsichtshalber ein zweites Eisen in den Gasofen gelegt.
Nach oben offen für das Glück im neuen Jahr: Auch für dieses Foto mit dem glühenden Hufeisen-Rohling hatte sich Ronny Schniegler (35) vorsichtshalber ein zweites Eisen in den Gasofen gelegt. © Foto: Johann Müller
Ulf Grieger / 30.12.2011, 20:04 Uhr - Aktualisiert 30.12.2011, 20:06
Wuhden (MOZ) Jeder ist seines Glückes Schmied. Schmiede das Eisen, so lange es heiß ist. Habe immer zwei Eisen im Feuer. - Unzählige Sprichworte ranken sich um den Beruf des Schmieds. Und mit dem Hufeisen als Glücksbringer hat es noch eine ganz besondere Bewandtnis. Das Glück von Hufbeschlagschmied Ronny Schniegler ist damit fest verbunden.

Ronny Schniegler lächelt wie einer, der sein Glück zu schätzen weiß. Grade hat er in Zepernick bei Bernau einige Reitpferde beschlagen. Heimgekehrt, freut er sich auf einen ruhigen Jahreswechsel mit Frau und den drei Kindern im beschaulichen Wuhden. „Ich wollte schon immer etwas mit Pferden machen“, erzählt der 35-Jährige. Das war der Hauptgrund dafür, dass er seinen ersten Beruf, den des Zimmermanns, an den Nagel gehängt hat. Nach der Lehre im Berliner Schmiedeteam von Volkmar Polaski und der Prüfung in Dortmund hatte er sich Mitte 2007 selbstständig gemacht. Auf dem Gehöft in Wuhden, das sich der in Podelzig Aufgewachsene für seine Familie ausgebaut hat, begann für ihn einstmals die Pferde-Liebhaberei. „Hier gab es den Pferdehändler Gabbert. Bei ihm haben wir einst mein erstes Pony gekauft. Es hieß Peggy“, erzählt er und lässt den Blick über den geräumigen Hof schweifen. Dort soll einmal seine Schmiedewerkstatt entstehen. Vorerst bereist er das gesamte Land zwischen Elbe, Havel und Oder, um Sport-, Therapie-, Western oder Rückepferde zu beschlagen. Auch Islandpferde hat er zu versorgen. Etwa alle acht Wochen brauchen die Tiere, je nach Beanspruchung, neue Eisen. So wundert es auch nicht, dass der Wuhdener für Januar bereits komplett ausgebucht ist. Zum Glück.

Als reisender Hufschmied kann er zwar mit der Romantik eines glühenden Koksfeuers nicht dienen. Aber sein mobiler Gasofen, in den er die Rohlinge legt, schafft es dafür in kurzer Zeit, das Metall auf die erforderlichen 800 bis 1000 Grad zu erhitzen. Leuchtet es rot, wird es auf dem Amboss, den er sich auf eine verschiebbare Bohle in Arbeitshöhe montiert hat, passgenau verformt, so dass das Pferd sein individuelles Eisen bekommt.

Von den vielen Spruchweisheiten um seine Handwerkskunst, die zu den ältesten der Menschheit gehört, kennt Ronny Schniegler etliche. Abergläubisch ist der deshalb aber nicht. „Ich bin evangelisch“, sagt er. Dass jeder allerdings sein Glück selbst in die Hand nehmen muss, davon ist er auch überzeugt. Und davon, dass es besser ist, immer gleich zwei Eisen im Feuer haben, ebenso. Er weiß auch um die Besonderheit des Hufeisens. „Es soll nur Glück bringen, wenn es gefunden wird. Und zwar nur dem Finder. Wenn das Eisen ganz und die Nägel vollzählig sind, ist das Glück am größten“, erzählt er. In der Literatur finden sich noch mehr Hinweise. So darf man nicht an Hufeisen vorbeifahren. Und um die Wirkung zu entfalten, muss man drei Mal drauf treten. Auch auf das richtige Anbringen des Eisens kommt es an.

In Wuhden weiß man inzwischen zwar, dass ein Hufschmied dort ansässig ist. Aber wohl erst mit der eigenen Schmiedewerkstatt wird Ronny Schniegler wohl so richtig in die Rolle hineinwachsen, die ein Dorfschmied traditionell hat. „Darauf freue ich mich schon“, sagt der junge Mann, der bislang auch noch ganz allein auf Reisen zu den Kunden ist.

Natürlich sind die Zeiten seit langem vorbei, da dem Schmied noch eine mit Furcht gemischte Ehrfurcht vor seiner vermeintlich mit Zauberei vollbrachten Leistung entgegen gebracht wurde. Seine Erzeugnisse wie Schwerter oder Schlüssel, waren mitunter magisch geweiht oder mit Zeichen verziert. Noch im Mittelalter gewährte die Schmiede dem Flüchtling Asyl, vergleichbar mit dem Kirchenasyl. Fähigkeiten wie das Besprechen, die Tierheilkunde und anderes wurde den Schmieden einst zugesprochen.

Heutzutage ist man im Dorf froh, jemanden in der Nähe zu haben, der schnell und fachkundig einen Rasenmäher oder Geräte reparieren kann. Auch darin kann eben das Glück bestehen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG