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Kanne Kaffee mit dem Jubilar

Kulturförderer Werner Bader empfängt erneut seine Geburtstagsgäste an der Fontane-Büste neben dem Görner Herrenhaus.
Kulturförderer Werner Bader empfängt erneut seine Geburtstagsgäste an der Fontane-Büste neben dem Görner Herrenhaus. © Foto: Wernitz
Rene Wernitz / 02.03.2012, 16:00 Uhr - Aktualisiert 02.03.2012, 19:46
Görne (MZV) Es gibt Menschen, die reden gern ohne viel zu sagen. Und es gibt Menschen die viel reden, weil sie viel erlebt haben und ihr Wissen weitergeben möchten. Werner Bader, Jahrgang 1922, gehört zu jenen Zeitgenossen, in deren Gegenwart es nie langweilig wird. Aus einer zunächst verabredeten Tasse Kaffee mit ihm kann schnell eine Kanne werden.

Ist der Gesprächsfaden geknüpft, vergeht die Zeit mit Werner Bader wie im Fluge. Ob Kindheitserinnerungen, Erlebnisse als Kampfbomberpilot im Zweiten Weltkrieg, Geschichten aus der Nachkriegszeit, aus dem Berufsleben als Rundfunkjournalist oder als märkischer Kulturförderer: Werner Bader ist ein wandelndes Geschichtsbuch, nur ist seine Art Geschichte zu erzählen, viel lebendiger, persönlicher und dadurch umso einprägsamer.

Gleich drei Mal ging Werner Bader als Pilot zu Boden. Drei Abstürze überstand er praktisch ohne Folgeschäden. Als Bader am 10. Februar 1944 in einer JU 88 flog, hat seine Mutter das Unglück aus der Ferne wohl geahnt. Um 11.22 Uhr schlug die Maschine auf. Als der Sohn zur Genesung nach Hause durfte, erzählte ihm die Mutter, dass am 10. Februar um 11.22 das Bild auf dem Küchenschrank umgefallen sei, „da dachte ich, es ist etwas schreckliches passiert...“

Nach dem Krieg erlebte Bader als Jungjournalist, wie sich die Umstände im Osten Deutschlands dramatisch änderten. Später arbeitete er 20 Jahre lang als Programmchef der Deutschen Welle und bereiste sämtliche Kontinente. Mehrmals stand er auf dem Zuckerhut in Rio de Janeiro, was inzwischen jeder wissen dürfte, der mit Werner Bader ausführlicher sprach.

So weit kam er im Berufsleben herum. Doch sollte ausgerechnet sein Haidemühl bei Spremberg ein unerreichbarer Ort bleiben. Ein Resultat des Kalten Krieges der Ideologien. Heute erinnern Bader nur noch ein paar Ziegelsteine ans Elternhaus. Denn das originale Haidemühl wurde zum 1. Januar 2006 aufgelöst und danach wegen der Braunkohle unter den Häusern abgebaggert. Die Gemeinde wich dem Tagebau Welzow-Süd und wurde als Ortsteil Sprembergs neu gegründet. Die Menschen siedelten um - der Preis für den Stromhunger der Gesellschaft.

Dort, wo der Jubilar heute lebt, dreht sich ein einsames Windrat. Aus dem Örtchen Dickte, das zur Gemeinde Kleßen-Görne gehört, stammte Baders Frau. In den 90er Jahren wurde das Ehepaar im Ortsteil Görne heimisch. Ein Glück für das Havelland. Denn es vergeht kaum ein Tag, an dem der Vorsitzende des Kulturfördervereins Mark Brandenburg sich nicht für die Region stark macht.

Er sprüht weiter vor Ideen. Die Fontane-Büste in Görne, die Leserast genannte Bibliothek im dortigen Grafenstall sowie der Birnengarten neben dem Schloss in Ribbeck stehen für in die Tat umgesetzte Einfälle. Nun arbeitet der Kulturförderer an einer Märkischen Dichterstraße, an der auch relevante Orte des Havellandes liegen sollen. Als Endpunkt der Straße soll der Grafenstall dienen. Dort feiert Werner Bader am Sonntag, 4. März, seinen 90. Geburtstag. Natürlich wird er sein Projekt in den Mittelpunkt stellen. Niemand geht, ohne den Gastgeber zur Dichterstraße gehört zu haben. Sonst wäre Bader nicht Bader! Von Christin Schmidt und René Wernitz)

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