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Fehlender Aufwind zwingt zwei Segelflieger aus Braunschweig zum Flug-Abbruch über Streichwitz

Landung auf dem Kartoffelacker

In der Abendsonne: Zwischen jungen Kartoffelpflanzen haben Ingmar Hartung (l) und Arne Pasemann ihr Segelflugzeug geparkt.
In der Abendsonne: Zwischen jungen Kartoffelpflanzen haben Ingmar Hartung (l) und Arne Pasemann ihr Segelflugzeug geparkt. © Foto: MOZ/Frank Groneberg
Frank Groneberg / 30.05.2012, 18:35 Uhr
Streichwitz (MOZ) Ein Segelflugzeug ist am Dienstagnachmittag nahe Streichwitz auf einem Kartoffelacker gelandet. Die beiden Insassen wollten eigentlich nach Cottbus fliegen.

Einen Besuch in der Oder-Spree-Region haben sich Ingmar Hartung und Arne Pasemann durchaus etwas anders vorgestellt. Am Dienstagnachmittag landeten die beiden Braunschweiger bei schönstem Sonnenschein mit ihrem Segelflugzeug mitten auf einem Kartoffelacker, nur wenige Hundert Meter südlich von Streichwitz. Minuten zuvor haben sie Eisenhüttenstadt überflogen und wollten eigentlich bis Cottbus weiterschweben - aber dann ging plötzlich nichts mehr. Immerhin: Ihr Flugzeug haben sie sauber direkt in eine Traktorspur gelenkt und sanft aufsetzen lassen, von einer Beschädigung ist am Abend nichts zu sehen. Und auch die Kartoffelpflänzchen haben die Landung gut überstanden.

Eine Außenlandung, um genau zu sein. Denn um eine solche handelt es sich, wenn Segelflugzeuge irgendwo landen müssen, weil sie sich nicht mehr in der Luft halten können. "Von einer Notlandung sprechen nur Laien", erklärt Ingmar Hartung. Er ist mit seinen 25 Jahren schon ein erfahrener Flieger - eine Außenlandung musste er aber jetzt zum ersten Mal machen. Für seinen Begleiter Arne Pasemann, 19 Jahre alt, agiert er am Dienstag als Fluglehrer. Beide gehören zu einer Gruppe junger Segelflieger, die derzeit im nordwestbrandenburgischen Pritzwalk Urlaub machen und von dort aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern aus der Luft erkunden. Ihr "fliegerisches Zuhause" ist die Akademische Fliegergruppe in Braunschweig.

"Wir sind um 11.45 Uhr gestartet zu einem Flug um den Berliner Raum herum", erzählt Arne Pasemann. Von Pritzwalk aus ging es zuerst in Richtung Osten nach Schwedt und dann weiter nach Süden, Ziel sollte am Nachmittag Cottbus sein. "Doch schon südlich von Schwedt wurde der Aufwind schwächer, gab es immer weniger Wolken", sagt Ingmar Hartung und erklärt: "Für das Segelfliegen brauchen wir warme Luft, die vom Boden aufsteigt und uns trägt." Dieser Aufwind wird Thermik genannt.

Das Fliegerpaar versuchte dann sein Glück erst etwas näher an Berlin, wich danach wieder nach Osten aus, flog auch mehrere Minuten über Polen. Dabei überquerte es in 1200 Meter Höhe auch den Verkehrslandeplatz Pohlitz. "An eine Landung dort dachten wir nicht, denn die Thermik wurde wieder besser und über Eisenhüttenstadt sogar so gut, dass wir Hoffnung bekamen, doch noch bis Cottbus zu kommen", schildert der 25-Jährige. Doch über Streichwitz war die Thermik dann plötzlich endgültig weg - ausgerechnet über einem jener östlichen Orte, die auf ihrer Fliegerkarte nicht mal mehr verzeichnet sind.

Nach der Außenlandung hieß es für die Braunschweiger vor allem: warten. Gut sechs Stunden dauerte es, bis sie und ihr Flugzeug abgeholt und mit einem Transporter nach Pritzwalk zurückgebracht wurden. Zwischendurch machten Arne Pasemann und Ingmar Hartung einen Abstecher nach Neuzelle - um bei Sybille Bänisch leckere Pizza aus dem rollenden Holzbackofen zu essen und um sich im Klosterladen der Klosterbrauerei mit Bierspezialitäten einzudecken.

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