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Gemeinde begehrt ihr 700-jähriges Bestehen / Auftakt der Feierlichkeiten am 14. April / Zwei Tage später erscheint Festschrift

300 Jahre prägten die Hohndorfs Falkenhagen

Medizinische Versorgung: Um die war es nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst schlecht bestellt in Falkenhagen. Mit der Inbetriebnahme des Landambulatoriums 1954 veränderte sich das grundlegend. Bis heute ist das Haus Anlaufpunkt für viele Bürger
Medizinische Versorgung: Um die war es nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst schlecht bestellt in Falkenhagen. Mit der Inbetriebnahme des Landambulatoriums 1954 veränderte sich das grundlegend. Bis heute ist das Haus Anlaufpunkt für viele Bürger © Foto: harry kressner
Harry Kreßner / 25.02.2013, 20:28 Uhr
Falkenhagen (MOZ) Die Gemeinde Falkenhagen feiert in diesem Jahr ihr 700-jähriges Bestehen.Im Jahrbuch des Kreises ist diesem Jubiläum ein eigenes Kapitel gewidmet. Am 14. April findet die Auftaktveranstaltung für die Festlichkeiten statt.

Vor 700 Jahren diente die Falkenhagener Burg auf der Insel zwischen Schwarzem See und Burgsee der Sicherung der Heeres- und Handelsroute von Posen über Lebus und Falkenhagen nach Magdeburg. Entlang dieser Route war Falkenhagen zu jener Zeit eines von drei Verwaltungssitzen im Osten Brandenburgs. Der älteste urkundliche Beleg mit namentlicher Erwähnung von Falkenhagen geht auf den letzten askanischen Markgrafen Woldemar zurück. Er befahl im Jahr 1313 "... den Lehnsleuten, Bürgern und Bauern in den Districten Sternberg, Lebus und Falkenhagen ein Vehmgericht zu errichten ..." (Riedel) Die Siedlungsgeschichte geht jedoch bis in die Steinzeit zurück, wie durch archäologische Funde belegt ist.

In das von Germanen dünn besiedelte Gebiet zwischen Oder und Elbe drangen im achten bis neunten Jahrhundert slawische Stämme aus dem Osten ein. In diese Zeit ist die Entstehung von Falkenhagen einzuordnen. Die Ausstattung mit 100 Hufen verweist auf eine schlesische Gründung. Mitte des 13. Jahrhunderts begann der Bau der größten Feldsteinkirche als Basilika in Ostbrandenburg, wie bei Ausgrabungen im Zuge einer umfassenden Rekonstruktion der Feldsteinkirche in den Jahren 1997/1999 bekräftigt wurde.Mit der Bevölkerungszunahme entstanden trotz der ständigen Machtkämpfe bis zum 14. Jahrhundert im Bistum Lebus links und rechts der Oder acht Sedes mit 166 Pfarreien, darunter Sedes II Falkenhagen mit 26 Kirchgemeinden im Jahr 1405.

Ein Amt der markgräflichen Vogtei Lebus bestand von 1250 bis 1354. Der letzte Vogt war Erich von Wulkow, er unterzeichnete 1321 eine Verkaufsurkunde der Schmerlmühle als Zeuge. Dessen Sohn, Johann Hermann von Wulkow, erhielt "Haus und Stadt" Falkenhagen als ritterliches Lehn auf Lebzeiten. Nach den Rittern von Wulkow wechselten die Lehnherren Falkenhagens mit Marktrecht mehrfach, bis ab 1465 das Geschlecht derer von Hohndorf für nahezu 300 Jahre Falkenhagen besaß.

Der Sitz der Lehnsherren befand sich im "Schloss" auf der Burginsel bis 1472. Aus Patrimonial-Gerichtsakten von 1745 geht hervor, dass Georg Abraham von Hohndorf ein Vorwerk außerhalb des Ortes im Felde nach Heinersdorf als "Regen Mantel" verzeichnen ließ. Weitere Vorwerke legte er an: 1751 "Helenen Ruh", benannt nach seiner Gemahlin Elisabeth Helena, und 1756 "Georgenthal" am Rande der Feldmark Falkenhagen Richtung Madlitz. Mit der Anlage der Vorwerke sollten die entfernt vom Gut liegenden, schwer zu bestellenden, oft vernachlässigten Äcker produktiver bewirtschaftet werden.

Auf Anordnung Friedrich II. aus dem Jahr 1756 wurden mit königlichem Nachdruck ausländische Kolonistenfamilien auf den Vorwerken Georgenthal, Helenenruh und Regenmantel angesetzt. Da dies zur Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756 - 1763) geschah, war die Kolonisierung zunächst nicht von Dauer. Königliche Etablissementspläne von 1776/77 und 1778/79 veranlassten Legationsrat Andreas von Jungk, erneut Kolonisten anzusiedeln, Georgenthal erhielt den Status einer Kolonistensiedlung.

Legationsrat von Jungk hatte 1774 das Rittergut von den verschuldeten derer von Hohndorf gekauft. Er begann am östlichen Steilufer über dem Schwarzen See ein Herrenhaus zu errichten, konnte es jedoch nicht vollenden. Das oblag nach seinem Tod 1789 seinem Schwiegersohn, Franz Alexander von Kleist. 1805 erwarb Freiherr von Eckardstein das Rittergut mit Herrenhaus. Nach dem Tod des Freiherren ließ seine Witwe, Wilhelmine Freifrau von Eckhardstein, das Herrenhaus ab 1854 in ein Schloss im englischen Tudorstil umbauen. Als Übergangsquartier ließ sie sich 1848/1850 das Schweizerhaus im Stil der damaligen Mode errichten. Unvollendet, ohne Innenausbau, verkaufte sie das Schloss 1862 mit dem Rittergut und Schweizerhaus an Hugo Schulz auf Petershagen. Dessen Sohn, Dr. Walter Schulz-Falkenhagen, ließ das Schloss ausbauen und bewohnte es bis zu seinem Tod. Nach einem "Zwangsverkauf" von 3176 ha des Junkerlandes durch die Schulzschen Erben an die Wehrmacht wurde das Schloss 1939 abgetragen.

Mit dem Abbruchgesteinsschutt soll die Ortsverbindungsstraße nach Döbberin, "der so genannte schwarze Weg", befestigt worden sein. Es entstand eine geheime Entwicklungs- und Produktionsstätte für das stark brandfördernde, materialzerstörende Kampfmittel Chlortrifluorid. Der Zweck des Werkes und der Produktion blieben der Öffentlichkeit unbekannt. Im Oktober 1945 beschlagnahmte die SMAD den Fabrikbunker sowie die Anlagen und Gebäude. Mit Zustimmung der Landesregierung Brandenburg erfolgte im Juli 1948 die Enteignung des Rüstungsbetriebes. Eine Garnison der Sowjetarmee nutzte das innere Werksgelände für unterschiedliche Zwecke. Im Laufe der Zeit wurde es zum geheimen ABC-Waffen sicheren Führungspunkt des Oberbefehlshabers der Sowjetunion ausgebaut.

Erst nach der Wiedervereinigung und dem Abzug der sowjetischen Truppen 1992 wurden Unterlagen über den faschistischen Rüstungsbetrieb "Seewerk" und über die sowjetische Garnison zugänglich. Bis 1948 stieg die Zahl der Einwohner in der durch Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe geprägten Gemeinde durch Aufnahme von Vertriebenen aus Gebieten östlich der Oder von etwa 700 Einwohner (1935) auf nahezu 1100. Sie wohnten auf engstem Raum. Die medizinische Betreuung war völlig unzureichend. Der Schulbetrieb wurde in provisorischen, überfüllten Räumen vorwiegend mit Junglehrern wieder aufgenommen.

Die Bodenreform ermöglichte einem Teil der Vertriebenen und landlosen ansässigen Einwohnern zu siedeln und Siedlerhäuser zu bauen. Durch Kriegseinwirkung zerstörter Wohnraum wurde instand gesetzt. Handwerker erhielten Bauland, es entstand eine Handwerkersiedlung.

In den 50er Jahren ließ die Gemeinde in der Bahnhofstraße sechs Häuser mit je vier Wohnungen errichten. Später entstanden weitere Eigenheimsiedlungen auf der früheren Schlossgärtnerei und am Burgsee. 1950 öffnete ein Kindergarten. Eine Kinderkrippe ergänzte ab 1961 die Vorschulkinderbetreuung im ehemaligen Rentamt des Junkergutes. Durch die Inbetriebnahme eines Landambulatorium 1954 und des Kreisfeierabendheimes 1958 entstand ein Zentrum der sozialen und medizinischen Betreuung für Falkenhagen und die benachbarten Gemeinden.

* Unser Autor Harry Kreßner ist Ortschronist von Falkenhagen, hat maßgeblich die Festschrift mitgestaltet, die am 16. April vorgestellt wird.

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