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Anklage steht, Angeklagter fehlt

Die Kirche in Keller war als Funkmast-Standort auserkoren worden. Aber es war wohl alles nur Betrug.
Die Kirche in Keller war als Funkmast-Standort auserkoren worden. Aber es war wohl alles nur Betrug. © Foto: MZV/Schönberg
Ingmar Höfgen / 13.03.2013, 18:41 Uhr
Keller (MZV) Als Gerhard N. 2010 in Keller und Lindow unterwegs war, gab er sich als jemand aus, der den Dörflern das versprach, was ihnen die Telekom vorenthielt: schnelles Internet. Jetzt ist der Mann untergetaucht - und das aus gutem Grund. Die deutschen Behörden wollen ihn festnehmen.

Staatsanwalt Gerhard Grübler bestätigte kürzlich auf Nachfrage, dass nach N. gefahndet werde. Unter anderem liegt eine Anklage der Neuruppiner Staatsanwaltschaft gegen ihn vor. Darin wird dem einstigen Templiner Unternehmer vorgeworfen, 88 Bürgern zwischen Januar 2010 und August 2010 schnelle Internetanschlüsse versprochen und dafür Vorkasse in Höhe von jeweils 99 Euro kassiert zu haben. Letztlich blieb die Leistung allerdings aus, auch eine Rückzahlung des Geldes erfolgte in diesen Fällen nicht.

Als Geschädigte werden neben zahlreichen Uckermärkern aus Templin und Prenzlau und den Kelleranern auch Einwohner aus Wolfsruh, Blumenow, Schulzendorf, Keller und Klosterfelde (Barnim) genannt, sagte Roger Schippers, Direktor des Amtsgerichts Prenzlau.

N. hatte 2010 versprochen, mittels Funk oder Standleitung ein Signal in den Ort zu bringen und dort in die Haushalte zu verteilen. In Keller sollte der Kirchturm die Funkzentrale bilden (RA berichtete). Aus Wirtschaftlichkeitsgründen sollten sich mindestens zehn Einwohner pro Ort für diese Lösung bereit finden und eine Anschlussgebühr von 99 Euro im Voraus bezahlen. Wer dies machte, schaute aber weiter auf sich langsam aufbauende Internetseiten.

Immer wieder gab N. als Ursache für ausbleibende Erfolge verschiedene technische Schwierigkeiten an - mal gab es keine ausreichend hohen Empfangspunkte, mal keine Genehmigung von der Kirchenbehörde, oder es hieß, dass Technik bestellt sei und bald ankomme. Wer kündigte, bekam kein Geld zurück.

Dem Eindruck, den einige seiner Kunden hatten, versuchte N. unter anderem mit einem Video entgegenzuwirken: Mithilfe einer Hebebühne wird dort eine Antenne an einem Schornstein in Dannenwalde befestigt. Eine Internetseite, auf der sich N. einst als Produzent von Filmen über die USA oder Afrika vorstellte, leitet aber inzwischen auf eine Seite für Penisverlängerungen weiter.

Der Vorwurf, die am Internet interessierten Landbewohner betrogen zu haben, steht aber nicht allein im Raum. In einer weiteren Anklage wird N. vorgeworfen, Technik im Internet zum Verkauf angeboten zu haben, ohne die bestellte und bezahlte Ware versandt zu haben.

Es sind nicht die einzigen Anklagen gegen N. Als im Oktober 2010 eine Verhandlung in Prenzlau anstand, erschien er nicht. Es ging damals um mutmaßlichen Sozialversicherungsbetrug sowie um Körperverletzung mit Beleidigung. Die Ladung sei damals noch in Dannenwalde, N.s früherer Meldeadresse, zugestellt worden, so das Amtsgericht Prenzlau. Im Mai 2011 sei dann ein Haftbefehl erlassen worden. Nachdem nun die neuen Anklagen nicht zugestellt werden konnten, wurde er im Januar zur Fahndung ausgeschrieben.

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