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Nur viele Schwalben machen einen Sommer

Haben Gefallen an Gefiederten gefunden: Thiemes in Strubensee.
Haben Gefallen an Gefiederten gefunden: Thiemes in Strubensee. © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schönberg / 17.04.2013, 18:25 Uhr
Strubensee (MZV) Wenn die Schwalben aus dem Winterquartier anrücken, haben sie es nicht immer leicht. Zubetonierte Flächen versperren den Weg zu Pfützen und Lehm. Moderner Fassadenputz lässt ihr Nistmaterial nicht haften. Und trocken gelegte Landstriche vertreiben ihre Hauptnahrung.

In Strubensee bei Peter und Ingrid Thieme lassen sie sich deshalb jeden Sommer in großer Zahl nieder. Zahllose Ringe von einstigen Schwalbennestern unter dem Dach zeugen noch davon. "Wir haben vorigen Sommer 13 besetzte Nester gehabt", erzählt die 70-jährige Hausherrin. "Und gebrütet wird ja zweimal im Jahr."

Der Ansturm der flinken Flieger liegt eben daran, dass Thiemes für ideale Bedingungen gesorgt haben. Der Hausputz ist rau gestaltet worden, als sie vor vier Jahrzehnten nach Strubensee kamen und ihr neues Domizil umbauten. Hinter dem Gehöft liegt zudem der Kleine Strubensee. Das Gelände um ihn herum ist etwas versumpft. Mückenschwärme noch und nöcher halten den Tisch für Insektenjäger reichhaltig gedeckt. Und das Gehöft ist sehr gepflegt, aber nichts ist zugepflastert oder zuasphaltiert: Ein Regenguss und die Schwalben können eifrig auf die Suche nach Nistmaterial gehen.

Der Thieme'sche Hof stemmt sich mit seinen idealen Brutbedingungen gegen den Trend. "Viele nageln extra Bretter unters Dach, damit die Schwalben dort nicht nisten", weiß Hans-Jürgen Gerndt. Der Rheinsberger ist beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) engagiert. Dieser Bund beobachtete in den vergangenen Jahrzehnten einen Schwund unter der Schwalben-Population. Klar, die Vögel machen auch viel Dreck. Ihre Nistplätze können Ansammlungen für Ungeziefer sein. Gerndt kann sich noch erinnern, wie zu DDR-Zeiten in der Kantine des Kernkraftwerks, wo er arbeitete, eine Schwalben in der Lampe brütete. "Die ist uns ganz schön auf die Pelle gerückt", sagt er und lacht. "Aber uns hat das damals gar nicht gestört." Heute wäre das allerdings nicht mehr möglich.

Die Schwalbe zeigt sich in solchen Situationen als Kulturfolger. Dort, wo der Mensch Landstriche verändert oder Behausungen errichtet, findet sie sich ihre geeignete Lebensnische. Doch ist das Segen und Fluch zugleich, wie Gerndt betont: "Wenn die Leute sie nicht dulden, ist es leicht, sie gezielt zu vertreiben", spricht er zum Beispiel die Bretter an, mit denen alte Nistplätze zugenagelt werden.

Ingrid Thieme macht der Dreck nichts aus. Unter dem Schatten des Hausbalken fallen die Nester optisch kaum ins Gewicht. "Und es fällt zwar viel runter", spricht sie die Hinterlassenschaften der Vögel an. Aber das ist eben das Ergebnis massenhaft vertilgten Ungeziefers. "Das nutzt uns doch viel mehr", sagt die Strubenseerin. "Und wenn was aufs Fensterbrett geht, wisch' ich es einfach weg." Schließlich habe sie auch viel Freude am Anblick der Luftakrobaten.

Mit einer solchen Einstellung rennen die Strubenseer bei Gerndt offenen Türen ein. Wer Schwalben mag, liebt es, "mit bewussten Augen die Welt wahrzunehmen und ihre Freude daran zu haben", sagt der Rheinsberger. Dass Thiemes das zeigen, war Grund genug dafür, dass Gerndt voriges Jahr mit der Nabu-Plakette "Schwalben willkommen" bei den Beiden in Strubensee vorbei kam (RA berichtete). Und das ist auch der Grund dafür, dass Thiemes sich in diesem Jahr nicht nur über die heranziehenden Schwalben freuen: "Wir haben hier ja alle möglichen Vogelarten", so Peter Thieme: Rotschwanz, Grasmücken, Rotkehlchen, Finken aller Art - sie alle finden auf dem oder am Hof ein geeignetes Zuhause.

Und die ersten Schwalben ließen mit Anbruch der ersten warmen Tage auch nicht lange auf sich warten: "Am Sonntag waren sie erstmals zu sehen", erzählt Peter Thieme und erkennt schmunzelnd einen besonderen zeitlichen Zusammenhang: "Pünktlich zum Beginn der Landesgartenschau".

Noch aber haben die Vögel nicht am Dach Platz genommen. Sie schwirren in der trockenwarmen Frühlingsluft hoch über dem Smee umher und "fressen sich erstmal satt", wie Peter Thieme sagt. Nach dem langen Flug aus dem Winterquartier haben sie es bitter nötig, ihre Mägen mit Mücken, Fliegen und anderen Beutetieren zu füllen. Immerhin liegen mehrere tausend Kilometer Flug hinter ihnen. Umso wichtiger ist es, wie sie hierzulande empfangen werden. Dass Strubensee ein Superquartier ist, zeigt die jährliche Wiederkehr: "Weniger als acht Paare hatten wir hier noch nie", sagt Ingrid Thieme.

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