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Ursprünge der Gabower Siedlung reichen bis mittlere Bronzezeit zurück / Oderlandmuseum beherbergt 3000 Jahre alte Lanzenspitzen

Spektakuläre Münzfunde aus dem Mittelalter

Historisch: Typen der Jacza-Brakteaten, wie sie bei Gabow gefunden wurden.
Historisch: Typen der Jacza-Brakteaten, wie sie bei Gabow gefunden wurden. © Foto: Reinhard Schmook
Reinhard Schmook / 29.05.2013, 07:55 Uhr
Gabow (MOZ) Den 675. Jahrestag hat die Gemeinde Gabow groß gefeiert. Doch wir können sicher sein, dass es den Ort zuvor schon längere Zeit gegeben hat. Seine Bewohner waren damals slawische Fischer. Ihr Dorf am Fuße der Granitkoppe entwickelte sich bis zum ausgehenden Mittelalter zu einem typischen Sackgassendorf in Rundlingsform, die man noch heute gut erkennen kann.

Bereits in prähistorischer Zeit lebten auf dem Areal des heutigen Dorfes Menschen. Neben einigen älteren Grabfunden mitten im Dorf, die vorwiegend aus der mittleren Bronzezeit bis zur jüngeren Vorrömischen Eisenzeit (1200 v. Chr. bis 300 v. Chr.) stammen, kam 1933 ein ziemlich spektakulärer Fund zum Vorschein. In jenem Jahr pflügte ein Bauer auf dem Hohen Holz eine fein ziselierte bronzene Lanzenspitze aus, die der damalige Bodendenkmalpfleger des Bad Freienwalde Museums, Dr. Gustav Fiddicke, sicherstellte und in die jüngere Bronzezeit datierte (1000 bis 800 v. Chr.). Bis 1935 gesellten sich zu diesem Einzelstück noch zehn weitere Spitzen sowie ein bronzener Armring. Da einige der Lanzenspitzen beschädigt sind, wird vermutet, dass es sich bei diesem Hortfund um das Materialdepot eines Bronzeschmieds handelte. Derjenige, der seinen Schatz einst hier vergrub, hütete sein Geheimnis bis zum Tod, sodass etwa 2800 Jahre vergehen mussten, ehe die Fundstücke zufällig wieder ans Tageslicht kamen. Im Oderlandmuseum sind noch neun dieser Lanzenspitzen erhalten.

In der prähistorischen Wissenschaft erlangte das Dorf durch einen noch bedeutenderen Fund eine gewisse Berühmtheit. Im Jahre 1841 wurden bei Gabow, wohl an der alten Handelsstraße, die über den Rücken der Neuenhagener Insel nach Nordosten führte, etliche Silberhohlmünzen (Brakteaten) gefunden, von denen mehrere die Namensbezeichnung IAKZA bzw. IACZO trugen. Diese Münzfunde sind bis heute für die numismatische Forschung außerordentlich bedeutsam. Insgesamt gibt es bisher sieben Münztypen, die sich auf einen Münzherrn namens Jacza beziehen. Zwei davon wurden zusammen mit einer Reihe anderer Münzen aus dem Mittelalter unmittelbar bei Gabow entdeckt, wie gesagt im Jahre 1841 und noch einmal 1863.

Die Identität dieses Fürsten namens Jacza von Köpenick ist nicht geklärt. Möglicherweise handelte es sich um einen polnischen Fürsten, der um 1153 die Brandenburg bei der heutigen Stadt gleichen Namens eroberte und 1157 durch den askanischen Markgrafen Albrecht den Bären von dort wieder vertrieben wurde. Geblieben war ihm danach nur ein Teil seines Fürstentums mit dem Mittelpunkt Köpenick. Die genannten Münzen bezeugen seine Existenz, und zwar besser noch als die spärlich überlieferten Urkunden aus jener Zeit. Von den zehn bisher bekannten Münzfunden mit Jacza-Brakteaten stammen allein fünf aus der Region Freienwalde, meist von der Neuenhagener Insel. Begleitmünzen waren Brakteaten des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg und des Markgrafen Otto I. von Brandenburg, die 1150 bis 1185 geprägt wurden.

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