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Jäger aus Ost und West gedenken beim mittlerweile 20. Treff der Toten des Zweiten Weltkrieges

"Wenn ich hier bin, kommt alles hoch"

Doris Steinkraus / 04.11.2013, 07:40 Uhr
Wuhden (MOZ) Hans Kabel ist noch einmal ins Oderland gekommen. Der heute in Bad Segeberg Beheimatete gehört mittlerweile zu den wenigen noch lebenden Zeitzeugen, die im Frühjahr 1945 für Hitler im letzten Aufgebot den Krieg retten sollten. Doch sie erlebten nur Tod, Krankheit und sie ein Leben lang begleitende seelische Verletzungen. Mit zittriger Stimme versucht der 88-Jährige, am Gedenkstein in dem Podelziger Ortsteil eine Strophe des Liedes "Ich hat einen Kameraden" zu singen, begleitet von Posaunenbläser Olaf Gäbel. "Wenn ich hier bin, kommt alles wieder hoch", gesteht Hans Kabel, der viele Jahre mit den Angehörigen des einstigen Hamburger Regiments nach Seelow kam.

Dieses Mal haben ihn die Jäger eingeladen. Seit 20 Jahren treffen sich Jäger aus Podelzig, Schleswig-Holstein und dem Odenwald. Zu ihnen gehörte einst auch Wilhelm Obenauer, der 1945 bei Podelzig verwundet worden war. Er ließ aus dem Odenwald einen Stein auf den Anger bringen. Der erinnert heute an die Gefallenen und alle Toten des Krieges. "Es ist Tradition, dass wir nach unserer Jagd an diesem Stein einen Kranz niederlegen", sagt Reinhard Tietz. Einmal mehr ist sein Hof Treffpunkt, um die Jagd auszuwerten, sich am Feuer zu wärmen und sich auszutauschen.

Wilhelm Obenauer und Hans Kabel hatten sich einst durch diese Jagdverbindung kennengelernt. Beide einte neben der Jagdleidenschaft die Erinnerung an den Krieg und ihr Wunsch, dass so etwas nie mehr geschehen dürfe. Für seinen Freund hat sich Kabel noch einmal auf den Weg gemacht. Es werde das letzte Mal sein, ist er sich sicher. "Was wir hier erlebt haben, kann man nicht beschreiben", sagt er. Dennoch versuche er gerade, seinem jüngsten Sohn so viel wie möglich in den Block zu notieren. Der soll die Schilderungen als Mahnung und Erinnerung aufbewahren.

Die Verbindung der Jäger steht auch symbolisch für die Folgen des Krieges. Ein Land wurde geteilt und fand doch wieder zusammen. Unkompliziert und herzlich knüpften die Frauen und Männer aus Ost und West Kontakt, besuchen sich gegenseitig, leben die Wiedervereinigung und stellen sich der gemeinsamen Geschichte.

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