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Stör mit Rückenummer 9351

Rene Wernitz / 02.05.2014, 15:35 Uhr - Aktualisiert 02.05.2014, 20:27
Bahnitz (rez) Die Havel bei Bahnitz könnte in einigen Jahrzehnten Laichgebiet kapitaler Störe werden. Denn wie beim Lachs kehrt die Fischart zur Fortpflanzung an den Ort der Geburt zurück. Am Mittwoch setzte das federführende Bundesamt für Naturschutz seine 2012 begonnene Besatzaktion in der Havel fort. Zum vierten Mal wurden Wissenschaftler und Politiker am Bahnitzer Wehr zu Geburtshelfern.

Der erste der etwas über 20 Zentimeter großen Jungfische, der ins Wasser gelassen wurde, hat einen Paten aus dem brandenburgischen Landtag. Der Abgeordnete Dieter Dombrowski (CDU), der in Bahnitz wohnt und Vorsitzender des dortigen Kulturvereins ist, hatte sich noch schnell mit seinem Schützling fürs Patenalbum fotografieren lassen, ehe er "seinen" Stör stromabwärts schickte. Dabei stand der Westhavelländer mit Dr. Jörn Gessner vom Berliner Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) auf dem Steg. Der Wissenschaftler ist Leiter des Besatzprojekts.

Die kleinen Störe schwammen etwa ein Jahr lang in IGB-Becken. Es gibt Herbstbesatze, in denen die Fische nur bis zu zehn Zentimeter groß sind, sowie Frühlingsbesatze mit mehr als 20 Zentimeter großen Exemplaren. Rund 250 schwammen am Mittwoch ins Abenteuer Freiheit, das für die meisten tödlich enden wird. Denn es dauert lange, bis die kleinen Störe für die Mäuler von Raubfischen zu groß werden. Eine positive Schätzung geht von zwei bis drei ausgewachsenen Tieren aus, die in zehn bis 15 Jahren nach Bahnitz zurück kehren werden. Dann sind sie aber etwa 1,50 m lang. Ältere Prachtexemplare bringen es auf drei Meter und mehr. Allerdings muss für die dann stromaufwärts schwimmenden Störe erst die Durchgängigkeit der Havel gewährleistet werden, was noch nicht der Fall ist, wofür aber die EG-Wasserrahmenrichtlinie bis 2027 sorgen wird.

Die Bahnitzer Jungfische haben Dank ihrer noch geringen Körpergröße keine Probleme auf ihrem derzeitigen Lebenskurs in Richtung Salzwasser. Die ersten ein bis zwei Jahre verbringen Störe in Flüssen, danach zieht es sie in küstennahe Gebiete. Die Havelstöre treffen in der Nordsee auf Artgenossen, die in Elbe und Mulde ausgesetzt wurden. Sie ernähren sich von Kleintieren am Grund des Meeres, später werden sie in rund 30 Meter Tiefe leben. Gehen sie irgendwo ins Netz oder an den Haken, bekommen sie eine zweite Chance, gegebenenfalls sogar eine dritte und vierte. Denn der Stör ist streng geschützt und nummeriert. Auch die Havelstöre tragen ein kleines gelbes Etikett mit Nummer an ihrer Rückenflosse.

Laut Dr. Gessner mehren sich Fangmeldungen an das Institut. Allein aus Dänemark gab es in diesem Jahr schon zwölf. Paten wie Dieter Dombrowski, dessen Stör die Rückennummer 9351 trägt, werden darüber per E-Mail informiert. Durch Aktionen wie diese wächst nicht nur die Population, sondern auch das Interesse der Öffentlichkeit.

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