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Geduldige Kunst aus dem Ofen

Zurückhaltend verziert: Porzellan wird bei 960 Grad vorgebrannt, dann verziert, glasiert und bei 1300 Grad fertig gebrannt
Zurückhaltend verziert: Porzellan wird bei 960 Grad vorgebrannt, dann verziert, glasiert und bei 1300 Grad fertig gebrannt © Foto: Heike Hahn
Heike Hahn / 04.07.2014, 06:17 Uhr
Gieshof-Zelliner Loose/Letschin (MOZ) Am Sonnabend wird die Keramik- und Porzellankünstlerin Isabel Widera in der Letschiner Heimatstube eine Ausstellung eröffnen. Es geht um eine Rückschau auf 33 Jahre, die sie in Gieshof gelebt und gearbeitet hat.

Geduld und Ruhe scheinen zwei Eigenschaften zu sein, die der Kunst rund um Keramik und Porzellan innewohnen. Schon deshalb ist dieses Handwerk bei Isabel Widera gut aufgehoben. Erst einmal ist sie eine Frau, die sich selbst zurücknimmt und sehr überlegt vorgeht. Zum anderen hat sie sich einen Ort für ihre Kunst ausgesucht, der ruhiger kaum sein könnte. Irgendwo in der Zelliner Loose, auf einem versteckten, abgelegenen Hof. "1980 bin ich ins Oderbruch gezogen", erinnert sich Isabel Widera. Sie ist ihrem Lehrmeister nachgefolgt, der sich aufs Land zurückgezogen hatte. Und eigentlich wollte sie auch nur kurz bleiben, vielleicht eine Wohnung mieten. "Aber mit Wohnungen sieht es hier ja schlecht aus, deshalb dann das Haus mit Scheune", erzählt die Künstlerin. Da bot es sich schließlich an, eine eigene Werkstatt aufzubauen - nämlich genau zwei Jahre später.

Einzelne Stücke von damals wird Isabel Widera nun auch in der Heimatstube in Letschin ausstellen. "Das sind welche, die ich auch nicht mehr verkaufen würde", sagt sie. Das hängt auch mit der besonderen Weise zusammen, wie die Gefäße geschaffen wurden. "Ganz zu Beginn wurde noch direkt im offenen Feuer gebrannt", so die Künstlerin. Ohne Glasur wurden die modellierten Tonstücke ins hinein gestellt, bei 1280 Grad Celsius geht das Material in die Schmelze. Dann wirft man Salz in den Ofen, das Chlor entweicht, das Natrium geht mit dem Quarz im Ton eine Verbindung ein. Es bildet sich eine Glasur. "So entsteht Keramik, die zwei Gesichter hat", sagt Isabel Widera und dreht ein damals gefertigtes Stück in ihren Händen. Es ist auf der einen Seite rauer, man ahnt die Salzkörner, die dort auf die Oberfläche fielen. Auf der anderen Seite des Gefäßes ist es ebener und heller. Die Produktion dieser so genannten "Anflugglasur" ist aufwendig, 18 Stunden muss ununterbrochen der Ofen geheizt werden, um ihn auf die richtige Temperatur zu bringen. In den modernen Brennöfen ist Salzbrand kaum möglich, die Spiralen würden kaputt gehen. "Außerdem bildet sich durch das Salz Kruste, irgendwann sähe es aus wie in einer Tropfsteinhöhle."

Seit sieben Jahren fertigt Isabel Widera nur noch Porzellan-Gefäße und Lampen. Das Faszinierende daran sei das durchscheinende Material, außerdem kommen die verzierten Einzelstücke gut bei den Kunden an. Doch auch dabei braucht man Geduld. "Man muss Porzellan sehr vorsichtig brennen, bis zu 13 Stunden bei 1300 Grad", so Widera.

"Isabel Widera - 33 Jahre Leben und Arbeiten in Gieshof", Ausstellungseröffnung am Sonnabend, 14 Uhr im Letschiner Birkenweg 1. zu sehen bis zum 7. Septembers

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