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Blumberger erzielen Kompromiss zwischen Bewahren von Tradition und Neubau der Ortsdurchfahrt

Alte Straße lässt Tassen klirren

Kopfsteinpflaster in Blumberg: Ein Kompromiss macht es jetzt möglich, dass die Straße saniert wird. An dieser Kreuzung sollen die Arbeiten beginnen.
Kopfsteinpflaster in Blumberg: Ein Kompromiss macht es jetzt möglich, dass die Straße saniert wird. An dieser Kreuzung sollen die Arbeiten beginnen. © Foto: MOZ
Eva-Martina Weyer / 13.07.2014, 06:45 Uhr
Blumberg (MOZ) Bei den Blumbergern klirren die Tassen im Schrank. Die Kreisstraße, die nach Casekow führt ist aus Kopfsteinpflaster. Viele Einwohner wollen eine Asphaltpiste. Eine Adelsfamilie hätte gern das alte Pflaster saniert. Ein Kompromiss hilft jetzt allen.

In Scharen sind die Blumberger am Donnerstagabend zur Einwohnerversammlung geströmt. Sie wollten wissen, ob es endlich mit dem Straßenbau los geht. Seit 15 Jahren kämpfen sie um die Sanierung der Ortsdurchfahrt, die dort die Kreisstraße 7308 ist. Das Geschirr klappert im Schrank, wenn Lkw der Firma Lichtgitter oder Traktoren und Erntemaschinen vorbeidonnern. Auch die Stoßdämpfer von Pkw haben einiges auszuhalten.

Der schlechte Straßenzustand war Dauerthema in den Sitzungen des Ortsbeirates und der Gemeindevertretung. "Unsere Hoffnungen haben sich immer wieder zerschlagen", fasste Bürgermeisterin Donata Oppelt zusammen.

Unverhofft hat der Kreistag im Juni eine außerplanmäßige Auszahlung von 165 000 Euro für den Straßenausbau in Blumberg bewilligt. Das Land stellt Fördermittel von 73 000 Euro bereit, vom Landkreis kommen 92 000 Euro. Eigentlich dachte man in Prenzlau, das Dorf freue sich darüber. Doch die Gemütslage war unterschiedlich.

Die in Blumberg wirtschaftende Adelsfamilie von der Osten wollte lieber das Kopfsteinpflaster sanieren. "Es prägt das Ortsbild und Touristen staunen darüber", sagt Henning von der Osten. "In vielen Gemeinden wird heutzutage um Kopfsteinpflaster gekämpft. Außerdem wirkt es Rasern entgegen."

Sein Großvater habe das Blumberger Kopfsteinpflaster einst verlegen lassen. Es harmoniere mit vielen Grundstücksmauern im Ort, die ebenfalls aus Granit gefügt sind.

Diese Argumente ziehen bei den meisten Blumbergern nicht. Sie wollen eine leise Asphaltstraße. Und nur Asphalt wird gefördert. Wenn jedoch in der Kreisverwaltung die Botschaft ankommt, die Bürger sind sich uneins, dann würde die Straße wohl nicht saniert werden. "Es besteht die Gefahr, dass die nächsten zehn Jahre nicht gebaut wird", befürchtete Ortsvorsteher Peter Preuß. Die Gemeindevertretung und der Gartzer Amtsdirektor hatten deshalb zu dieser Einwohnerversammlung eingeladen.

"Wir brauchen ein klares Votum der Bevölkerung, mit dem wir uns in unserem weiteren Arbeiten sicher fühlen können", erläuterte Amtsdirektor Frank Gotzmann. Er hatte die Bauverantwortliche der Kreisverwaltung und den Bauplaner vom Schwedter Ingenieurbüro IPSC in die Versammlung geholt.

Petra Schwanke von der Kreisverwaltung stellte klar: "Dass wir zusätzliche Fördermittel kriegen, hat im Frühjahr keiner geahnt. Jedoch muss das Geld noch 2014 ausgegeben werden. Unser Ziel ist, dass wir im Oktober mit der Sanierung von 350 Metern beginnen. Die Zeit drängt. Wir müssen Baurecht schaffen. Naturschutz- und Abwasserfragen müssen geklärt werden."

Fred Hoppe von der Firma IPSC versicherte, dass alle Grundstücke bei der Sanierung mit eingebunden werden. "Jede Zufahrt ist Bestandteil der Baumaßnahme. Das Angleichen der Höhen gehört dazu." Er rechnet damit, dass zu Weihnachten alles fertig sein könnte.

Dies klang den Blumbergern wie Musik in den Ohren. Alle Anwesenden im voll besetzten Klubraum stimmten für den Straßenbau. Henning von der Osten räumte ein: "Wir wollen keine Bauverhinderer sein und unterstützen die Asphaltierung, wenn auch schweren Herzens."

Bauplaner und Gemeinde hatten zuvor einen Kompromiss gefunden. Demnach wird das Kopfsteinpflaster rund um die Kirche bewahrt. Beim Anbinden der Zufahrten zum Gut und zum Schloss der Familie von der Osten soll das Kopfsteinpflaster erhalten bleiben. Es wird keine Brüche in der Optik geben.

Petra Schwanke dankte den Bürgern für die sachliche Diskussion. "Ich werde der Kreisverwaltung die Entscheidung mitteilen, sodass die Straße noch in diesem Jahr gebaut wird."

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