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Marcus Bielke-Genschorek aus Radekow steckt seine Abfindung in der Kauf eines Ebers und einer Sau und hat inzwischen 48 Ferkel

Bauer im Glück mit Sattelschweinen

Im Schweineglück: Marcus Bielke-Genschorek krault Agnes. Sie hat vor Kurzem 13 Ferkel geworfen. Auch die Sau Fanny hat vor wenigen Tagen Nachwuchs bekommen, 13 gesunde Sattelschweinchen. - Die 13 ist die Glückszahl auf dem Hof in Radekow.
Im Schweineglück: Marcus Bielke-Genschorek krault Agnes. Sie hat vor Kurzem 13 Ferkel geworfen. Auch die Sau Fanny hat vor wenigen Tagen Nachwuchs bekommen, 13 gesunde Sattelschweinchen. - Die 13 ist die Glückszahl auf dem Hof in Radekow. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Eva-Martina Weyer / 16.08.2014, 04:45 Uhr - Aktualisiert 17.08.2014, 12:44
Radekow (MOZ) Mit einer kleinen Schweinezucht unter freiem Himmel will Marcus Bielke-Genschorek sein Glück machen. Seit Januar züchtet der Jungbauer aus Radekow in der Nähe von Tantow Sattelschweine. Reich will er damit nicht werden, aber sein Auskommen haben.

Agnes, Scheila, Saphira und Drolla liegen faul in der Sonne. Sie und Zuchteber Valton genießen auf dem Hof von Marcus Bielke ein schweinisches Dasein. Modderlöcher zum Suhlen, eine Wiese zum Schnüffeln, genug Bäume für den Schatten - die Schweine von Marcus Bielke leben das ganze Jahr draußen und damit wie im siebenten Himmel.

Marcus Bielke ist 29 Jahre jung und seit Januar Bauer und Unternehmer. Seine Firma heißt Uckerschwein. In seiner Zucht widmet er sich den Sattelschweinen, einer robusten Freilandrasse. Der Ladenausleger direkt an der Dorfstraße von Radekow weist darauf hin. Niemand vermutet, dass sich im Hinterland der Straße ein Schweineparadies befindet.

Den Tieren mit der rosafarbenen Bauchbinde, die wie ein Sattel aussieht, fallen derzeit reife Äpfel und Birnen vor den Rüssel. Die knorrigen Bäume stehen direkt neben dem Futtertrog. Darin richtet Marcus Bielke Mais- und Grassilage an, Schrot, Rüben und Kartoffeln. Das Futter holt er von seinen eigenen Flächen. Seine Tiere sind das ganze Jahr draußen, haben aber einen Unterstand aus Strohballen.

"Sie pflügen alles um", lacht Marcus Bielke. Gerade hat er sich einen Bauwagen gezimmert. Der schützt ihn vor Wind, Wetter und Sonne. Hier sitzt er manchmal und beobachtet seine Schweine. "Sie wühlen in der Erde und suchen nach Würmern und Wurzeln. Die Nase ist besonders empfindlich bei Schweinen. Sie müssen einfach wühlen", schwärmt er.

Sattelschweine sind verfressen und trotz zufrieden grunzender Pausen sehr aktiv. Dadurch haben sie einen geringeren Fettansatz. So steht es im Buche. Tatsächlich: Agnes, Drolla und die anderen laufen gern auf der Wiese mit den Apfelbäumen umher.

Marcus Bielke stammt aus Tantow Vorwerk. Er war einmal Bauleiter von Solaranlagen. Dabei kam er in ganz Deutschland herum, hat viel Tierhaltung gesehen und sich sein Teil gedacht. "Da war viel Lärm und Enge. Das merkt man später an der Fleischqualität", ist er überzeugt.

Noch vor einem Jahr hat der 29-Jährige beim Solarzulieferer Haticon in Pinnow gearbeitet. Dann gab es Entlassungen in großem Stil. "Meine Abfindung habe ich in die Schweine gesteckt", blickt Marcus Bielke zurück, und es klingt ein bisschen Herzklopfen über diese Entscheidung mit. Das erste Jahr als Bauer ist schwer, doch er sagt: "Ich habe es einfach gewagt und bin positiv gestimmt."

Im Januar hat er sich einen Eber und eine Sau angeschafft. Mitten im Dorf. Das ist nicht überall im Ort auf Gegenliebe gestoßen. Marcus Bielke weiß das. Schweine stinken manchmal. "Aber einige Leute, die sich beschweren, fahren in den Supermarkt und kaufen die Wurst für 66 Cent", sagt der Jungbauer. "Das kann ich nicht verstehen." Dennoch versucht er die Sattelschweinzucht aus dem Dorf herauszuziehen. Fünf Kilometer weiter weg gehört ihm eine Wiese, dorthin hat er seine Ferkel ausgelagert.

"Alle meine Schweine haben noch Ringelschwänze, ich kupiere sie nicht", sagt der Bauer stolz. Das muss er auch nicht, denn seine Schweine haben Platz und müssen sich die Schwänze nicht gegenseitig abbeißen.

Inzwischen leben fünf Säue auf dem Hof. Eber Valton hält seinen Harem zusammen und hat inzwischen 48 Nachkommen gezeugt. Wer will, kann den Hof von Uckerschwein besuchen. In große Betriebe kommt kaum ein Fremder rein. Bei Uckerschwein kann jeder sehen, wie Marcus Bielke seine Tiere hält, wo und wie er das Futter anbaut.

Der Jungbauer hat sich bewusst gegen einen Öko-Betrieb entschieden. "So ein Öko-Zertifikat verlangt, dass ich meinen Acker zwei Jahre lang ökologisch behandele. In diesen zwei Jahren hätte ich meine Tiere mit gekauftem Futter versorgen müssen. Das wollte und konnte ich nicht", sagt er. Millionär wolle er nicht werden. Aber seine Partnerin, die viel mithelfe, und die vier Kinder sollen schon davon leben können. Sein Arbeitstag und auch der Sonntag beginnen früh bei einem Kontrollgang mit den Hunden bei Agnes und Co.

Gerade baut Marcus Bielke die Vermarktung von Uckerschwein auf. Das ist schwer in der Uckermark und nur wenig leichter in Berlin. "In großen Betrieben dauert es sechs Monate, bis Ferkel schlachtreif sind", sagt Marcus Bielke. Er will, dass seine Schweine ihren Geburtstag erleben. "Dann haben sie lockeres, muskulös gewachsenes Fleisch", schwärmt er. Interessenten können sogar zu Paten dieser Glücksschweine werden und - sie später aufessen. Dies ist schließlich das Ziel der Firma Uckerschwein.

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