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Kampf gegen die Traubenkirsche

Problematisch: Die Amerikanische Traubenkirsche behindert das Wachstum einheimischer Pflanzen.
Problematisch: Die Amerikanische Traubenkirsche behindert das Wachstum einheimischer Pflanzen. © Foto: MZV
MZV / 30.09.2014, 22:48 Uhr
Neuglienicke (zig) An aufgeregte Bürger ist Holger Gonsior längst gewöhnt. Als Revierförster für den Landesbetrieb Forst muss er das auch. Denn es kommt immer mal wieder vor, dass Menschen nicht verstehen, dass der Wald nicht immer nur sich selbst überlassen bleiben kann. So wie vor einigen Wochen in seinem Revier in Neuglienicke, wo der 141 Jahre alte Kiefernbestand rings um das ehemalige Forstdorf ausgedünnt wurde.

Die Aufregung der Anwohner hat sich längst gelegt. "Wir haben einfach alte Kiefern geschlagen, um der verstärkten Holzentwertung entgegen zu wirken", begründet Gonsior das Vorgehen. Pilze und Fäule sorgen sonst langfristig dafür, dass das Holz im Wald nichts mehr wert ist. Außerdem gehe es darum, eine größere Vielfalt an Baumarten zu erreichen. Gleichzeitig wird dabei versucht, die Ausbreitung der Amerikanischen Traubenkirsche einzudämmen. Denn die vor etwa 100 Jahren eingeführte Baumart gedeiht in Brandenburg eher als Strauchform und ist damit als Nutzholz weniger zu gebrauchen. Dabei stiehlt die Pflanze aber heimischen Pflanzen das Licht und breitet sich zudem mit Hilfe von Vögeln sehr schnell aus.

Dort, wo die Holzerntemaschinen vor einigen Wochen die Bäume herausgeholt haben, zeugen nur noch Schneisen und das abgeschnittenen Kronenmaterial von dem Eingriff. Letzteres verrottet und bietet jungen Pflanzen zudem Schutz vor dem Verbiss durch Tiere.

Die Gebiete werden nun zwei bis drei Jahre ruhen gelassen. Was sich dann wieder angesiedelt hat, wird belassen, der Rest mit 20 bis 30 Zentimeter hohen Bäumen aus Landesbaumschulen aufgeforstet. An schattigeren Stellen können das etwa Rotbuchen oder Douglasien sein, an lichtdurchfluteteren Bereichen eher Birken und Ahorn. Langfristig ist das Ziel, die Kiefern-Monokultur durch einen Kiefern-Buchen-Eichen-Mischwald zu ersetzen.

Etwas mehr als 20 Prozent der Bäume auf dem 4,4 Hektor großen Areal wurden daher gefällt. Heraus kamen 240 Festmeter Holz - die forstwirtschaftliche Entsprechung von Kubikmetern. Diese 240 Festmeter werden nun verkauft. Dabei gibt es vor allem drei Standardabnehmer: Krummes und morsches Holz endet für gewöhnlich als Holzhackschnitzel. Die besseren Stücke - vor allem das Langholz - geht an Abnehmer in Baruth und Wismar, wo es zu Dachlatten und Kanthölzern weiter verarbeitet wird. Der größte Teil aber wird in Heiligengrabe zu Platten verarbeitet. Die richtig guten Stücke - von denen es diesmal in Neuglienicke keine gab - werden einmal pro Jahr bei der Wertholzversteigerung angeboten und dienen beispielsweise als Ausgangsstoff für Möbel.

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Flora B. 12.10.2014 - 13:25:24

Unwissenheit lässt grüßen!

Also.. erstmal soviel: es ist immer sehr leicht, die Schuld bei anderen zu suchen. Ist ja nicht so, dass dieser Mann einfach nur seine Arbeit macht, nein! Die Bürger fühlen sich belästigt, weil sich tatsächlich jemand wagt, den Wald um ihr Grundstück herum anzufassen! Dass dieser aber nicht ihnen gehört, sondern dem Land, das ist ja erst mal egal. Das erste, was machen muss, ist die Zeitung informieren. Das ist der Knaller! Leute, ihr könnt doch nicht einfach irgendwelche Behauptungen in die Welt setzen! "An aufgeregte Bürger ist Holger Gonsior längst gewöhnt" zeigt nicht, dass es den Landesforst nicht interessiert, sonder einfach nur, dass eben diese "aufgeregten Bürger" einfach gar keine Ahnung haben. Nett ist auch, dass Sie einen Revierförster als "Holzklopper" bezeichnen. Wenn ich mich nicht irre, war das früher einmal ein Begriff für einen Forstarbeiter, oder? Bitte das nächste mal richtig informieren! Und einen Duden benutzen wäre auch nicht schlecht. Mit freundlichen Grüßen Flora

Richard W. 12.10.2014 - 13:04:56

Zeig mir dein Kommentar und ich sag dir was du weißt

Sehr geehrter Herr Erwin A. , Sie sollten als ehemaliger Waldarbeiter einmal überlegen was sie da eigentlich geschrieben haben, es ist schon traurig, dass sie als dieser nicht einmal die verschiedenen Aufgabenfelder der Förster auseinander halten können! Da Herr Gonsior ein Revierförster des Landeswaldes ist und kein Hoheitsförster, liegt es nicht in seinem Fachbereich hoheitlichen Aufgaben nach zu gehen, sondern den Wald nach Landesvorgaben zu bewirtschaften und zu pflegen. Da sie in diesem Bereich anscheinend überhaupt keine Fachkompetenzen besitzen sollten sie ihre naive und beschränkte Meinung lieber für sich behalten und die studierten Förster ihrer Arbeit nachgehen lassen. Diese Arbeit unterliegt schließlich Auflagen, an die sich strengstens gehalten werden muss. Mit freundlichen Grüßen Richard W.    

Lena-Maria Lechner 01.10.2014 - 20:39:35

Kopfschüttel, Ihr Holzlopper

Vielleicht sollte dieser Holzklopper, nachdem er die letzte verdammte Kiefer fällen ließ, die Vögel fangen, die ihm die Forst voll kacken. Und die Pilze ausgraben, die nur Fäule bringen. Einfach nur Kopfschüttel, Ihr Holzklopper PS: Danke Erwin, für Deinen Mut.

Erwin A. 01.10.2014 - 20:22:31

Zeig mir Dein Revier, und ich sag Dir wer Du bist

Zunächst sollte Herr Holger Gonsior ein Revierleiter (ein Holzklopper) sein, aber kein "Revierförster". Letzterer nimmt hoheitliche Aufgaben war. Was er oder der Mitarbeiter der MOZ mit "Kampf gegen die Traubenkirsche" verstehen, wird hier leider nicht erklärt. Ebenso nicht die wahren Ursachen der Ausbreitung im Revier. "An aufgeregte Bürger ist Holger Gonsior längst gewöhnt.", heißt nicht anderes, als das Hinweise ignoriert werden. ", dass Menschen nicht verstehen, dass der Wald nicht immer nur sich selbst überlassen bleiben kann.", setzt dem noch die Krone auf. "141 Jahre alte Kiefernbestand" sind Altkiefernbestände mit besonderer ökologischer Funktion. "Die Amerikanische Traubenkirsche behindert das Wachstum einheimischer Pflanzen.", aber sie wird weiter wachsen, denn der Revierleiter selbst wird sie nicht dezimieren, hat keine Strategie und eine Arbeitsgruppe hat er auch nicht! "Pilze und Fäule sorgen sonst langfristig dafür, dass das Holz im Wald nichts mehr wert ist.", eine Mähr, die beweist, welches Unwissen derartige Landesbedienstete haben und öffentlich verbreiten. "Außerdem gehe es darum, eine größere Vielfalt an Baumarten zu erreichen.", die standörtlich dort nichts zu suchen haben! "Dort, wo die Holzerntemaschinen vor einigen Wochen die Bäume herausgeholt haben, zeugen nur noch Schneisen und das abgeschnittenen Kronenmaterial von dem Eingriff.", falsch, denn es ist ein irreparabler "Eingriff". Und dort, wo Harvester und Forwarder waren, herrscht eine ökologische Katastrophe über mehrere Jahre. "Letzteres verrottet und bietet jungen Pflanzen zudem Schutz vor dem Verbiss durch Tiere.", das Wild will ich sehen, das sich durch am Boden liegende Äste und Zweige abhälten lässt, die Forstfläche zu betreten! "Was sich dann wieder angesiedelt hat, wird belassen,", heißt licht- und stickstoff liebende Pflanzen, die konkurrenzschwache Pflanzen und Pilze unterdrücken. "der Rest mit 20 bis 30 Zentimeter hohen Bäumen aus Landesbaumschulen aufgeforstet.", wozu? Die Natur beobachten und nur standortgerechte Unterstützung leisten, wäre viel einfacher und kosten- wie personalminimal. Aber da muss der gute Mann ja mit Biologen, Ökologen, Mykolgen und Ornithologen reden ... "An schattigeren Stellen können das etwa Rotbuchen oder Douglasien sein, an lichtdurchfluteteren Bereichen eher Birken und Ahorn. Langfristig ist das Ziel, die Kiefern-Monokultur durch einen Kiefern-Buchen-Eichen-Mischwald zu ersetzen.", der keine Pflanzengesellschaft (Wald) ist, sondern wieder nur eine künstliche Forstfläche! Was für ein Unsinn. Fazit: Ein Revierleiter entscheidet ohne Wissen über den Standort ganz allein über Werden und Vergehen eines Ökosystems. Bürger, die dies merken, werden elegant zurecht gewiesen. Der Grünrock wird somit NICHT zu einer akzeptierten Arbeit kommen. Und wie habe ich neulich bei einem Vortrag in Eberswalde gehört und verstanden: "Zeig mir Dein Revier, und ich sag Dir wer Du bist" Ich bin Forstarbeiter i.R. und schäme mich über die politisierte und fachlich inakzeptable Vorgehensweise des Landesbetriebes Forst Brandenburg.

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