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Das mysteriöse Sterben der Bäume

Gestorben: Diese neugepflanzte Rosskastanie in der Freudenberger Straße in Brunow hat einen seltenen Erreger, das sogenannte "Kastanienbluten". Der Baum muss gefällt und verbrannt werden, der Erreger tötet ihn und Dutzende weitere Bäume in Brunow.
Gestorben: Diese neugepflanzte Rosskastanie in der Freudenberger Straße in Brunow hat einen seltenen Erreger, das sogenannte "Kastanienbluten". Der Baum muss gefällt und verbrannt werden, der Erreger tötet ihn und Dutzende weitere Bäume in Brunow. © Foto: Cornelia Hendrich
Cornelia Hendrich / 12.11.2014, 07:37 Uhr
Brunow (MOZ) Warum wachsen einige der neugepflanzten Bäume nicht richtig an? Auf diese harmlose Frage erhielten die Gemeindevertreter in Heckelberg-Brunow eine bestürzende Antwort von einem Baumgutachter.

Eigentlich hatten die Gemeindevertreter den Baumgutachter des Amtes nur eingeladen, weil sie den Eindruck hatten, einige der neuen Bäume würden nicht richtig anwachsen. Zudem wollten sie wissen, ob Bäume, die herausgenommen werden, auch ersetzt werden.

Doch Steffen Fahl, Baumgutachter des Amtes Falkenberg-Höhe, hatte genau gearbeitet und erschreckende Erkenntnisse. Er listete genau auf, welche Bäume es in Heckelberg und Brunow gibt und wie gesund diese seien.

Die Walnüsse in Brunow würden zum Beispiel einen guten Eindruck machen, sagte er. Die Linden seien in beiden Dörfern in einem akzeptablen Zustand. Auch den drei Süßkirschen gehe es gut, zwei gibt es am Brunower Spielplatz, eine in der Freudenberger Straße. Ebenso seien die Winterlinden überall in gutem Wuchs.

Die Esskastanien in Gratze hätten große Ausfälle nach der Pflanzung. Nur 13 von 30 Bäumen hätten dort überlebt. Grund sind hier aber wahrscheinlich die schlechten Bodenverhältnisse.

Das eigentliche Problem jedoch sind die Rosskastanien, genauer die rotblühenden Rosskastanien. Von den 32 Rosskastanien in Brunow konnte der Baumgutachter gerade einmal noch vier "vitale" Bäume ausmachen. "Das heißt jedoch auch nicht, dass sie gesund sind", sagt er. Von den rotblühenden Rosskastanien am Friedhof ist nur noch einer lebendig, alle anderen seien "degeneriert".

Die Bäume wurden von einem Bakterienerreger befallen, sagt Steffen Fahl. Dieser ist selten, sei über die Niederlande nach Norddeutschland und Westdeutschland gekommen. Sein Name: Pseudomonas syringae pv. aesculi, auch "Kastanienbluten" genannt. In der hiesigen Gegend gebe es den Erreger eigentlich nicht, so Fahl. So haben ihn die Rosskastanien im nahen Leuenberg zum Beispiel nicht. Der Erreger verursacht eine Art Frostschaden an den Bäumen, weil er eisbildend ist. Junge Bäume werden durch den Erreger getötet, ältere, stärkere Bäume überleben zum Teil den Befall.

Die Bäume in Brunow jedoch seien neugepflanzt und seien verloren. Der Baumgutachter hat sich seine Analyse von einer Expertin vom Pflanzenschutzamt in Frankfurt/Oder bestätigen lassen, die sich die Bäume angesehen hat. Er empfiehlt, alle Bäume herauszunehmen und sie zu verbrennen. Am besten komplett mit Wurzel, damit verhindert werde, dass sich der Erreger weiter ausbreitet. Er drückt es drastisch aus: "Sie sind nur noch eine Bakterienschleuder für andere Bäume." Betroffen sind wohl rund 40 Kastanien.

Besonders schlimm ist dieser Befund der Experten für die Gemeinde, weil sie die Kastanie im Wappen führt. Ein goldenes Kastanienblatt ziert das Wappen von Heckelberg-Brunow, im Wappen des Dorfes Brunow sind sogar zwei der Kastanienblätter.

Wer hat den Erreger eingeschleppt?, fragen die Gemeindevertreter. Kann die Firma, die die Bäume gepflanzt hat, dafür haftbar gemacht werden?

Nach der Abnahme der Bäume, erklärt Steffen Fahl, gebe es eine zweijährige Frist, in denen Mängel bei den Pflanzfirmen noch angezeigt werden können. Diese Frist sei verstrichen, die meisten der Bäume seien 2008 gepflanzt worden. Die Bäume seien von drei Firmen gepflanzt worden, sodass man keiner Firma eindeutig die Schuld geben könne, sagt er. Auch sei es nicht ohne Weiteres möglich, die Krankheit zu erkennen, bevor der Baum halbtot ist. "Zum Zeitpunkt der Abnahme 2010 war das für mich und keinen anderen erkennbar." Die Firmen hätten oft noch einen Pflegeauftrag, währenddessen sie Schäden melden müssen. Auch dies haben sie getan. "Es hat hier keiner eindeutig Schuld oder etwas falsch gemacht oder nicht genug kontrolliert", sagt er auf die bohrenden Fragen der Gemeindevertreter.

"Wenn vorgeschlagen wird, die Bäume kurzfristig zu fällen, sollten wir das tun", sagt Wolfgang Düvier. "Aber was wollen wir nachpflanzen?", fragt der Bürgermeister Heiko Liebig, und erinnert daran, dass man sich für die Rosskastanie entschieden habe, weil sie der Wappenbaum ist.

"Das wird teuer für die Gemeinde", sagt Gemeindevertreter Eberhard Alberti. Eine Neupflanzung mit 40 kleinen Esskastanien würden etwa 1200 Euro kosten. Von Ahorn wird abgeraten, die seien in Leuenberg nicht gut angewachsen, erzählt einer. Das Preiswerteste seien Linden, fasst der Bürgermeister Heiko Liebig zusammen und bittet Bernhard Janßen von der Amtsverwaltung, mit den Firmen über einen Kompromiss zu verhandeln. Immerhin stehe die Gemeinde nun mit 40 abgestorbenen Bäumen in Brunow da, sagt der Bürgermeister, vielleicht könne man die Firmen überzeugen, preisgünstige Linden als Ersatz zu pflanzen.

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