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Lichtenberger Kirchruine bekommt bald eine neue Kirchturmspitze / Wiederaufbau geht in das 14. Jahr

"Für uns das achte Weltwunder"

 Blitzableiter schon angebracht: Im Frühjahr soll ein Kran die hölzerne Spitze auf den Turm der Kirchruine setzen. Für Rosemarie Bär (v.l.), Erhard Herrmann und Ellen Thom ist es der vorläufige Höhepunkt des jahrelangen Wiederaufbaus
Blitzableiter schon angebracht: Im Frühjahr soll ein Kran die hölzerne Spitze auf den Turm der Kirchruine setzen. Für Rosemarie Bär (v.l.), Erhard Herrmann und Ellen Thom ist es der vorläufige Höhepunkt des jahrelangen Wiederaufbaus © Foto: moz/thomas gutke
Thomas Gutke / 20.01.2015, 19:24 Uhr
Lichtenberg (MOZ) Seit 2001 arbeiten die Lichtenberger in kleinen Schritten an ihrem großen Traum - den Wiederaufbau der Dorfkirche. Die nächste Etappe ist fast geschafft. Vor der teilsanierten Ruine liegt eine mächtige hölzerne Turmspitze. Ein Kran soll sie im Frühjahr an die richtige Stelle setzen.

Wieder und wieder versuchten sie es am 23. Dezember. Doch der Weg hinauf zur Kirche war einfach zu modrig. "Fast wäre der Kran gegen die Bäume gerutscht, da haben wir abgebrochen", erzählt der Lichtenberger Erhard Herrmann. In ein paar Monaten, bei besserem Wetter, soll ein zweiter Versuch unternommen werden, um die Spitze auf die Kirchruine zu heben. Auch eine Glocke soll dann im Kirchturm installiert werden.

"Es eilt nicht", findet Ellen Thom, die Ortsvorsteherin. "Man darf ruhig sehen, dass der Wiederaufbau seine Zeit braucht. Alles passiert Schritt für Schritt."

Wohl wahr. Im Mai 2001 berichtete der Stadtbote erstmals über Aktivitäten zur Belebung der Ruine. Mit einem Dorffest an der Kirche gaben die Lichtenberger den Anstoß für eine Sanierung der alten Gemäuer. In den Wochen zuvor hatten sie bereits Geröll und Schutt beseitigt, ebenso Unkraut und Sträucher. Große Bäume entfernte die Feuerwehr. Ellen Thom erzählt, Pfarrerin Katharina Falkenhagen habe damals gesagt, ihr Traum sei es, "dass die Kirche irgendwann zu neuem Leben erwacht".

Die Ursprünge des im Kern frühgotischen Sakralbaus mit Feldsteinen liegen im 13. Jahrhundert. Einen größeren Umbau gab es im 16. und 17. Jahrhundert. Bei einer Schlacht im Frühjahr 1945 wurde die Kirche dann durch Artilleriefeuer stark beschädigt. Noch heute sind Einschusslöcher zu sehen. Rosemarie Bär von der Kirchengemeinde, Jahrgang 1939 und seit 1948 in Lichtenberg, erzählt, auf einem Foto von ihrer Konfirmation sei im Hintergrund noch der Dachstuhl der Kirche zu sehen. "Nach und nach sind die Balken dann abgetragen worden. Die Leute haben das als Baumaterial oder Brennholz verwendet." Der Verfall der Kirche begann. Sie fiel, so Ellen Thom, in einen "Dornröschenschlaf".

Bis zum Frühjahr 2001. "Seitdem sind wir jedes Jahr ein Stück vorangekommen", erklärt Erhard Herrmann. Der Lichtenberger, 1946 geboren, begleitet das Projekt von Beginn an. Inzwischen hat die Kirche einen sanierten, befestigten Altarbereich. Das Mauerwerk wurde dort, wo nötig, ausgebessert und erneuert. Außerdem ist der Turm samt Empore über eine komfortable Holztreppe begehbar. Die Pläne für diese behutsame Rekonstruktion lieferte und liefert das Architekturbüro Albeshausen und Hänsel. Möglich gemacht haben die Fortschritte aber vor allem Geld- und Sachspenden sowie Arbeitseinsätze der Einwohner. Fördermittel der Kirche flossen ebenfalls in die Sanierung.

"Der ganze Ort steht hinter dem Aufbau", sagt die Ortsvorsteherin. "Ich höre oft Leute sagen: Wenn ihr mir etwas zum Geburtstag schenken wollt, dann spendet für die Kirchruine."

Das Bauwerk ist mittlerweile ein beliebter Veranstaltungsort, egal ob für kirchliche Anlässe, Dorffeste oder Hochzeiten. Vielfältig genutzt werden können auch die Räume im Kirchturm, etwa für Ausstellungen.

Das Kirchenschiff selbst soll kein Dach mehr bekommen, erklärt Ellen Thom. "Sonst würden wieder Berührungsängste entstehen. So bleibt die Kirche für alle Lichtenberger ein ganz besonderer Ort." Ein Ort, der bald eine hölzerne Turmspitze aufgesetzt bekommt. Rosemarie Bär, die sich wie viele andere Lichtenberger seit Jahren für den Wiederaufbau engagiert, fiebert dem Tag bereits entgegen. Sie sagt: "Das hat für mich eine ähnliche Bedeutung, wie die Glocken für Frankfurt". Und Ellen Thom ergänzt: "Für uns ist das beinahe wie das achte Weltwunder."

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