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Auf Abwegen

Donna mag Massagen: In den Genuss der physiotherapeutischen Behandlungen von Birgit Kopf aus Frankendorf kommen nicht nur ihre eigenen Pferde.
Donna mag Massagen: In den Genuss der physiotherapeutischen Behandlungen von Birgit Kopf aus Frankendorf kommen nicht nur ihre eigenen Pferde. © Foto: MZV/Melzer-Voigt
Judith Melzer-Voigt / 14.04.2015, 19:40 Uhr
Frankendorf (MZV) Tamme Hanken kennen viele Fernsehzuschauer: Der Baum von einem Mann ist Pferde-Physiotherapeut und geht mitunter recht rabiat zur Sache. Birgit Kopf ist da ganz anders, nicht nur von der Statur her. Sie setzt als Physiotherapeutin für Pferde auf Behutsamkeit.

Eigentlich kommt die 52-jährige Frankendorferin aus einer ganz anderen beruflichen Richtung: Sie ist gelernte Justizangestellte. Nach einigen Jahren in Wuppertal und Berlin, wo sie in einem Anwaltsbüro gearbeitet hat, zog sie der Liebe wegen aufs Land. Mit ihrem Mann, einem gebürtigen Ostprignitz-Ruppiner, wollte sie sich den Traum vom Hof samt Pferdekoppel erfüllen. Denn diese Tiere haben sie - bis auf eine kleine Auszeit - nie wirklich los gelassen.

"Ich habe angefangen mit einer Mädchenreiterei", erinnert sie sich. Als 13-, 14-jähriges Mädchen war sie leidenschaftliche Reiterin. Dann kam die erste Verliebtheit und die Tiere rückten erst einmal in den Hintergrund. Mit Ende 20 besann sich Birgit Kopf aber wieder auf ihr großes Hobby. Mittlerweile gehören vier Pferde fest zum Alltag auf dem Frankendorfer Hof nahe der Kirche: Birgit Kopf selbst besitzt Hengst Cody, ihr Mann hat Stute Donna und dazu kommen zwei Shetlandponys.

Ihren Beruf hat Birgit Kopf schon vor vielen Jahren an den Nagel gehängt. Als sie vor zwei Jahren einen Flyer von Claudia Jung aus Schönermark bei Gransee entdeckte, die eine Ausbildung zur Pferdephysiotherapeutin anbot, war sie sofort Feuer und Flamme. "Das hat mich gleich angesprochen", erinnert sich die 52-Jährige. Nach 17 Jahren, die sie meist auf dem Rücken der Pferde verbracht hat, sei es Zeit gewesen, etwas mehr über die Behandlung der Tiere zu erfahren.

Dazu kam, dass Birgit Kopf dem ganzheitlichen Verfahren, das Ausbilderin Claudia Jung anbot, aufgeschlossen gegenüber- stand. Sie selbst ist unter anderem Reiki-Meisterin. Bei dieser Art der Energieübertragung wird auf den Energiefluss im Körper gesetzt, der die Selbstheilungskräfte anregt. Bei Wirbel- oder Gelenkblockaden wird die Muskulatur beispielsweise durch Massagen entspannt, um danach Blockaden lösen zu können. Außerdem sind Kopfs Pferde selbst bereits in den Genuss einer Physiotherapie gekommen. Im direkten Umkreis von Frankendorf fanden sich aber keine Anbieter.

Wenn Birgit Kopf nun mit den Pferden arbeitet, sind - anders als beim Ostfriesen Tamma Hanken - kaum Bewegungen zu sehen. Sie fühlt, horcht auf den Pferdekörper und tastet sich vorsichtig an die Schmerzstelle heran. "Das geschieht sehr sanft, ich fühle mich praktisch in das Gewebe ein", erklärt Kopf. Muss sie zum Beispiel einen Wirbel bei einem Tier einrenken, kümmert sie sich zuerst um den verhärteten Muskel, den dieser verursacht hat. Erst wenn der Muskel entspannt ist, wird der Wirbel in Angriff genommen.

Im November 2014 hat Birgit Kopf ihre Ausbildung abgeschlossen. "Bei unseren Pferden habe ich meine Physiotherapie natürlich schon angewandt", sagt sie. "Sie sind quasi meine Schulpferde." Bisher hat sie ihr Erlerntes vor allem bei Tieren von Freunden beweisen können. Ein Fall erwies sich dabei als besonders schwierig. Ein Pferd von Freunden hatte einen Beckenschiefstand, den die Besitzer selbst noch gar nicht entdeckt hatten. Die Behandlung zog sich anschließend länger hin, denn es handelt sich um ein komplexes Problem. Die Reitweise, der Sattel - alle diese Faktoren mussten betrachtet und gegebenenfalls verändert werden. Nach etwas mehr als einem Dreivierteljahr hatte sich der Stand des Tieres deutlich verbessert.

Wichtig ist Birgit Kopf, dass Pferdebesitzer, die zu ihr kommen, immer zuvor bei einem Tierarzt waren. Wenn dieser ratlos ist, das Pferd aber noch immer lahmt, dann kann die 52-Jährige ihr ganzes Wissen zeigen. Manchmal reicht eine Behandlung, mal müssen es zwei oder drei sein. Ein Blick auf die Vorgeschichte des Tieres ist dabei wichtig. Es ist möglich, dass das Pferd Fehlhaltungen beispielsweise in Folge einer Operation oder eines Unfalls aufweist, erklärt Birgit Kopf. Ist das geklärt, kommt das Herantasten an die Reihe, das für die Arbeit der 52-Jährigen so essentiell ist. "Wenn ein Pferd rechts hinten lahmt, fange ich am Kopf an", sagt sie. Probleme mit den Schultern können sich über die Faszien, also das Spannungsnetz des Bindegewebes, das den gesamten Körper verbindet und durchdringt, auch schnell ausbreiten. Die Schmerzen treten dann an ganz anderer Stelle auf.

Wie beim Domino-Effekt muss sich Birgit Kopf dann heranfühlen. Sie sucht sich eine Stelle, an der das Pferd eine Berührung zulässt. Von dort aus arbeitet sie sich vor, löst Blockaden und sorgt so für mehr Beweglichkeit beim Tier. Einen Teil ihres Wissens will Kopf weitergeben: Sie bietet bereits jetzt Massagekurse für Pferdebesitzer an.

"Pferde sind sehr feinfühlig", weiß Birgit Kopf. Die Tiere würden sich sofort wehren, wenn sie sich irgendwie unwohl fühlen. Daher ist es wichtig, dass bei den Behandlungen immer auch der Besitzer vor Ort ist - als Ruhepol, aber auch als Informationsquelle für die Physiotherapeutin zur Vergangenheit des Tieres.

Nähere Informationen unter www.pferdeundmenschen.com.

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