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Die Gemeinde Groß Pinnow hat mehrere Flüchtlingsfamilien aufgenommen / Für manche beginnt so etwas wie Alltag

"Alle sind gut zu uns"

Frühstückstisch im Wohnzimmer: Arun Barta ist mit seiner Familie aus Kabul über Pakistan nach Deutschland geflüchtet. Seine jüngste Tochter Ameira ist fünf Monate alt. Sie wurde im Krankenhaus Eisenhüttenstadt geboren.
Frühstückstisch im Wohnzimmer: Arun Barta ist mit seiner Familie aus Kabul über Pakistan nach Deutschland geflüchtet. Seine jüngste Tochter Ameira ist fünf Monate alt. Sie wurde im Krankenhaus Eisenhüttenstadt geboren. © Foto: Eva-Martina Weyer
Eva-Martina Weyer / 04.06.2015, 05:45 Uhr
Groß Pinnow (MOZ) Im Neubaublock von Groß Pinnow leben seit Februar vier Flüchtlingsfamilien. Sie kommen aus Afghanistan und dem Kosovo. Allmählich haben sie sich eingelebt in dem für sie fremden Dorf. Groß Pinnow hat als einzige Gemeinde im Amt Gartz gesagt: Wir nehmen Flüchtlinge auf.

Arun Barta hat ein Fahrrad geschenkt bekommen. Damit fährt er seine sechsjährige Tochter Angel zum Kindergarten ins Nachbardorf. Das sind fast fünf Kilometer und das Fahrrad hat keinen Kindersitz. Doch Angel strahlt. Sie ist gerne bei den Kindern.

Arun Barta ist dankbar: "Wir sind Hindus", sagt er auf Englisch. "Für uns ist es schrecklich, in Afghanistan zu leben. Unsere Kinder können nicht zur Schule gehen. Muslimische Ärzte lehnen die Behandlung von Hindufrauen ab. Taliban töten Hindus und Sikhs." Arun und seine Frau haben ihr Haus in Kabul verkaufen müssen und sind im November 2014 im Aufnahmelager Eisenhüttenstadt gestrandet.

Zu ihren wenigen Habseligkeiten kam damals als Geschenk ein rot-weißer Weihnachtsmann hinzu. Das Spielzeug steht auf dem Sims hinterm Frühstückstisch von Familie Barta. Sie hat vorerst ein Zuhause im Neubau von Groß Pinnow erhalten.

Im Wohnzimmer gibt es eine Schrankwand, eine Essecke und eine Sofagarnitur. "Alles Sozialamt", sagt Arun Barta. Das einzig Persönliche, aus Afghanistan Gerettete scheinen zwei bunt glitzernde Bilder von Hindugöttern zu sein. Aruns Frau hält die jüngste Tochter Ameira auf dem Arm. Die Kleine wurde im Krankenhaus Eisenhüttenstadt geboren. Für ihre Töchter erhoffen sich die Eltern einen Schulbesuch.

Allmählich gelingt der Familie so etwas wie Alltag. "Wir haben eine schöne Wohnung hier. Alle Familien im Haus sind gut zu uns. Wir fahren zum Arzt und mit dem Bus zum Einkaufen nach Schwedt oder Gartz", erzählt Arun Barta und seine Frau nickt.

Die Einwohner von Groß Pinnow haben sich auf die Flüchtlinge eingestellt. Es sind freundliche, zaghafte Versuche der Akzeptanz. Die fremden Familien wurden zum Dorffest in der Walpurgisnacht eingeladen. Jörg Stamm vom Dorfverein sagt: "Man kennt jetzt die Gesichter. Sie grüßen alle fleißig."

Luise-Lotte Schuster wohnt im Neubau von Groß Pinnow. "Ich kann den Flüchtlingen nachfühlen, wie ihnen zumute ist", erzählt sie. "Ich gehöre zu denen, die nach dem Krieg 1946 in Groß Pinnow gelandet sind." Die Seniorin hat ein Herz für Kinder. Deshalb hat sie der Flüchtlingsfamilie, die über ihr eingezogen ist, am Kindertag etwas zum Naschen gebracht. "Der Junge hat mir hinterher gewunken."

In der Grundschule Casekow lernen seit Ende April vier afghanische Kinder. "Sie sind ganz emsig und ehrgeizig", schätzt Schulleiterin Heike Michalak ein. "Die Familien bringen zum Ausdruck, dass sie sehr an einer guten Bildung ihrer Kinder interessiert sind." Zum Schulausflug nach Berlin anlässlich des Kindertages wurden auch die Flüchtlingskinder mitgenommen. Zwei Flüchtlingskinder werden im Sommer in die 1. Klasse eingeschult.

Groß Pinnows Bürgermeister Norbert Dittmann hat sich in Absprache mit den Gemeindevertretern schon im Oktober für die Aufnahme von Flüchtlingen eingesetzt. Im renovierten Neubaublock standen leere Wohnungen zur Verfügung. Dittmann erkundigt sich regelmäßig, wie es den Flüchtlingen geht. "Den Müll zu sortieren ist für Ausländer nicht leicht", lacht er. "Die erste Zeit war anstrengend. Jetzt hat sich das Meiste eingespielt." Eine Familie habe gerade den ablehnenden Asylbescheid erhalten, andere Flüchtlinge seien eben angekommen.

Im Hauseingang hängt ein Zettel für die Hausordnung. Da sind auch die neuen Bewohner genau eingetragen. Arun Barta möchte eigentlich keine Wünsche äußern. Aber wenn er einen Fernseher hätte, würde er damit Deutsch lernen. Er würde es den Nachrichtenleuten von den Lippen ablesen. Beim Abschied sagt seine Tochter Angel auf deutsch "tschüss" und verschenkt einen Schokoladenkeks.

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bodo 07.06.2015 - 11:09:45

ah ja..

das "zu Hause aufnehmen" 'Argument' hat noch gefehlt. Fantastisch ;)

Balkan 04.06.2015 - 15:08:12

@OJE

Du musst schon richtig lesen. Ich habe nichts gegen Kosovo oder sonst ein Land ! Es sind einfach Wirtschaftsflüchtlinge und mehr nicht ! Kannst doch wenn willst diese armen Menschen bei dir zu Hause ja aufnehmen. Was ich poste und wie oft das geht dich das geht dich einen Scheißdreck an. Du scheinst ein kleiner linker Hetzer zu sein ! Ab mit dir nach Groß Pinnow da wirst du gebraucht.

Zahn politisch ausgeschlagen 04.06.2015 - 13:34:47

wie jetzt

In Afghanistan haben die Deutschen Aufbauhilfe über Jahre hinweg geleistet. Und zum Dank kommen die Bürger nun zu uns? Verstehe das wer will. Den Politikern kann man kein Wort trauen.

OJE 04.06.2015 - 12:17:58

@balkan

jap..danke für deinen Beweis meiner Behauptung über deinen Gemütszustand. Zwischen den Zeilen lesen ist angesagt: "Im Neubaublock von Groß Pinnow leben seit Februar vier Flüchtlingsfamilien. Sie kommen aus Afghanistan und dem Kosovo." Also 2 Ethnische Gruppen.. die einen Afghanen vermutlich tatsächlich Kriegsflüchtlinge die anderen aus dem Kosovo, vermutlich Wirtschaftsflüchtlinge.. Beide Gruppen sind Flüchtlinge.. egal was der Führer oder andere Hetzer wie du es einer zu sein scheinst behaupten. Auf der Flucht ist auf der Flucht... frag Harrison Ford. Aber okay ich will dich mal nicht überfordern. Im Artikel geht es um eine Afghanische Familie.. beiläufig wird erwähnt, dass eine andere Familie eine Ablehnung erhalten hat. Da Wirtschaftsflüchtlinge tatsächlich kein Asyl bekommen, wird es wohl eine Familie aus dem von dir verhassten Kosovo getroffen haben. Weshalb dein erster Kommentar hier so sinnlos ist, wie bei jedem anderen Artikel, wo du meinst ihn posten zu müssen.

bodo 04.06.2015 - 11:22:41

@ balkan

bist du eigentlich in allem so gründlich und engagiert? sehr vorbildlich

Balkan 04.06.2015 - 10:17:25

@OJE

Eine Familie habe gerade den ablehnenden Asylbescheid erhalten, andere Flüchtlinge seien eben angekommen. Wo steht da das es sich um die Wirtschaftsflüchtlinge aus den Kosovo handelt ? Wenn dann lese du mal den Artikel richtig !

Frank 04.06.2015 - 10:17:06

abgelehnt und trotzdem noch da

was für ein Mummenschanz

oje 04.06.2015 - 10:02:31

@balkan

vielleicht lesen Sie auch mal einen Artikel?! Dann würden Sie unter Einsatz kleinster Denkbemühungen feststellen, dass Ihr Kommentar sinnlos war. Für Sie zur Übersetzung dessen was zwischen den Zeilen des Artikels steht: Die im Ort aufgenommen aus dem Kosovo haben zwischenzeitlich einen ablehnenden Asylbescheid erhalten.

Balkan 04.06.2015 - 07:58:08

Balkan

Was wollen die aus den Kosovo bei uns ? Das sind Wirtschaftsflüchtlinge !

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