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Max Baganz sammelt alles zur Geschichte von Streichwitz und erstellt eine Ortschronik

Vergessene Schätze digitalisiert

In seine Studien vertieft: Max Baganz hat es sich hinter dem Haus seiner Familie im Garten bequem gemacht und durchblättert einige Bücher nach Informationen über sein Heimatdorf Streichwitz.
In seine Studien vertieft: Max Baganz hat es sich hinter dem Haus seiner Familie im Garten bequem gemacht und durchblättert einige Bücher nach Informationen über sein Heimatdorf Streichwitz. © Foto: MOZ/Caroline Reul
Caroline Reul / 18.08.2015, 05:04 Uhr
Streichwitz (MOZ) Vor einiger Zeit hat Max Baganz seine Liebe zur Regionalgeschichte entdeckt. Seitdem sammelt er alles, was er zu seinem Heimatdorf Streichwitz finden kann. Sein großes Ziel ist es, irgendwann in der Zukunft eine Ortschronik zu veröffentlichen.

Bis vor wenigen Jahren hatte Max Baganz kein Interesse daran, wie sich sein Heimatdorf Streichwitz und die Region, in der er aufgewachsen ist, über die Jahrhunderte entwickelt haben. "Dann hatte ich das Glück, eine Reise nach Indonesien unternehmen zu können", erzählt der 19-Jährige. Da habe bei ihm ein Umdenken stattgefunden, er habe seine Heimat schätzen gelernt.

Besonders die Dorfkultur, die es beispielsweise in Wellmitz gibt, wo er zwei Jahre bei der Jugendfastnacht mitgewirkt hat, hat ihn beeindruckt. In Streichwitz sei diese nicht so ausgeprägt, was seiner Meinung nach daran liegt, dass es viele Zuzügler gibt und viele alteingesessene Familien den Ort nach dem 2. Weltkrieg verlassen haben.

So hat er begonnen, sich nach seiner Identität zu fragen. "Zu sagen, ich bin Deutscher, finde ich schwierig", sagt der Absolvent des Rahn-Gymnasiums. "Wir sind hier in der Niederlausitz, das machen sich viele nicht bewusst", beschreibt er seinen Eindruck. Der Dialekt ist fast verloren, wie Flurnamen und historische Hofnamen entstanden sind nahezu vergessen.

Max Baganz will dagegen ankämpfen. Bereits Ende 2013 ist in ihm der Wunsch aufgekommen, die Streichwitzer Geschichte zu rekonstruieren. "2014 hat das Projekt dann Fahrt aufgenommen", erzählt er. Er hat Zugang zum Gemeindehaus bekommen, in dem noch einige Unterlagen eingelagert sind, unter anderen die Schulchronik des Ortes, die von 1873 bis 1926 und von 1927 bis 1932 reicht. "Ich habe begonnen, die Handschriften zu digitalisieren", erzählt er vom bisherigen Hauptwerk seiner Arbeit. Beim Durchsehen der Dokumente sei ihm aber aufgefallen, dass viel auch verschüttet gegangen ist, viele Bilder und Schriften vielleicht sogar noch existieren, aber mit den Familien in die umliegenden Dörfer und Städte gezogen und vergessen worden sind.

"So habe ich viele weitere Fragen entwickelt, die mich immer weiter treiben", erklärt Max Baganz. Um Zugriff auf andere Bestände zu haben, hat er mittlerweile auch Kontakt zu Heimatverbänden und -vereinen aufgenommen. In besonders regem Kontakt steht er mit dem Heimatforscher Klaus-Dieter Ganslweit aus Henzendorf. Außerdem kennt er die einschlägigen Werke zur Heimatgeschichte, viele von ihnen hat er bereits zu Hause. Während er von seinem Projekt erzählt, verweist er immer wieder auf die ein oder andere Publikation und holt sie hervor. Schnell entsteht so ein großer Bücherstapel auf dem großen Esstisch. Die "Niederlausitzer Studien" sind darunter, ebenso wie "Werte unserer Heimat - Eisenhüttenstadt und seine Umgebung".

Sein großer Wunsch und sein Ziel ist es, eine Ortschronik zu schreiben. "Die soll tief in die Geschichte hineingehen", plant er. Bis 2020 will er sie fertig haben. Dass die Arbeit aufwendig wird, das ist ihm bewusst. "Viele hilfreiche Unterlagen befinden sich auch in Potsdam", weiß er. Da er im Herbst ein Studium der Ethnologie mit dem Schwerpunkt Arabische Welt oder der Sorabistik in Leipzig beginnen will, wird der Hobbyforscher seine Zeit demnächst aufteilen müssen. "Vielleicht ist es auch möglich, einen Arbeitskreis einzurichten", überlegt er schon. Um bei seiner Arbeit von den Erfahrungen älterer Regionalforscher profitieren zu können, wird er bald Mitglied in der Niederlausitzer Gesellschaft für Geschichte und Landeskunde werden.

Dass er nach dem Studium wieder nach Streichwitz zurückkehrt, steht für ihn außer Frage. "Unser Blick richtet sich immer nach außen, aber man kann hier genauso glücklich werden", findet er. "Es gibt so viele ungehobene Schätze. Ich will sie alle finden", sagt Max Baganz.

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