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Spitze dank eines verrückten Ausbilders

Ein Teil des Dream-Teams: Ausbilder Volker Tabatt hat Pascal Rosenberg (links) erfolgreich durch die Lehre geführt. Benni Horn ist mittlerweile im dritten Ausbildungsjahr.
Ein Teil des Dream-Teams: Ausbilder Volker Tabatt hat Pascal Rosenberg (links) erfolgreich durch die Lehre geführt. Benni Horn ist mittlerweile im dritten Ausbildungsjahr. © Foto: MZV
Judith Melzer-Voigt / 20.08.2015, 18:46 Uhr
Strubensee (MZV) Immer sind alle beim ersten Mal durch die Prüfung gekommen: Das ist ein Fakt, auf den Ausbilder Volker Tabatt vom Haus Schönbirken des Vereins Tannenhof besonders stolz ist. Dass es dafür noch mehr Gründe gibt, zeigte sich am Donnerstag: Das Unternehmen wurde von der Industrie- und Handelskammer (IHK) als Top-Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet.

Die Gästeliste am Donnerstag war lang: IHK-Präsidentin Beate Fernengel war ebenso dabei wie Ronald Vieweg, Bereichsleiter Ostprignitz-Ruppin der Agentur für Arbeit Neuruppin, Lindows Amtsdirektor Danilo Lieske und Bürgermeisterin Heidrun Otto (CDU). CDU-Bundestagsabgeordneter Sebastian Steineke ließ es sich ebenso wenig nehmen vorbeizuschauen wie Strubensees Ortsvorsteher Tony Groche und Hans Schaefer, Geschäftsführer der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg. Etwas abseits von diesen Gästen standen die, um die es an diesem Tag eigentlich ging: Ausbilder Volker Tabatt und ein Teil seines Teams, bestehend aus Koch Pascal Rosenberg und Azubi Benni Horn.

Dass der Verein Tannenhof Berlin-Brandenburg stolz auf das Erreichte von Tabatt ist, machten der Vorstandsvorsitzende Dr. Bert Flemming und Geschäftsführer Horst Brömer klar. Ersterer erklärte, wie es dazu kam, dass der Tannenhof zum Ausbildungsbetrieb wurde. 1983 wurde der Verein als Drogenhilfe gegründet. Schon damals habe es den Gedanken gegeben, was mit den Menschen geschehen soll, wenn sie therapiert sind. Vor allem unter den Jüngeren waren viele, die keine Ausbildung und manchmal auch keinen Schulabschluss haben. Daher wurden Lehren im gärtnerischen Bereich oder im Büro angeboten. Köche - auf die sich die IHK-Auszeichnung konzentriert - kamen 2000 im Haus Schönbirken in Strubensee dazu.

Von Anfang an war Volker Tabatt dabei. Derzeit betreut er drei Auszubildende, in jedem Lehrjahr einen. Mit dabei ist auch wieder eine junge Frau, was in der Branche eher selten ist, so der Profi. 15 Lehrlinge hat er seit 2000 im Haus Schönbirken ausgebildet. Insgesamt ist er seit 30 Jahren in diesem Bereich tätig und vermittelt, was an seinem persönlichen Traumberuf so reizvoll ist. Im Haus Schönbirken musste er bisher nur einen Azubi entlassen. Ansonsten hat er alle bis zur Prüfung und darüber hinaus gebracht. Durchgefallen ist bei ihm noch niemand.

"Man muss einen verrückten Ausbilder haben und eine Crew, die hinter ihm steht", machte Tabatt am Donnerstag klar. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch mal über Grenzen hinaus zu denken. Es reiche nicht, nur den normalen "Versorgungsauftrag" wahrzunehmen. Dass er das auch praktiziert, hat Tabatt in der Vergangenheit schon mehrfach gezeigt: Immer wieder nehmen seine Lehrlinge an Wettkämpfen teil - und das oft auch sehr erfolgreich. Darüber hinaus ist der Kelleraner selbst immer auf Achse. Er ist unter anderem bei der IHK Juror im Prüfungswesen und im Landesverband der Köche Berlin-Brandenburg Jugendwart.

"Eine gute Ausbildung hat zur Folge, dass man später auch gute Köche hat", ist Volker Tabatt überzeugt. In der Branche sehe es momentan nicht so rosig aus: Die Arbeitszeiten und auch der Verdienst schrecken Bewerber eher ab. Früher konnte er sich aus 40 Bewerbern einen aussuchen. Heute bekommt jeder eine Chance, mal in den Betrieb hineinzuschnuppern und probehalber zu kochen. Selbst schwache Lehrlingen hätten sich bei ihm schon mal als "echter Mercedes" entpuppt. "Es funktioniert, man muss nur Ehrgeiz haben", so Tabatt. "Ich hoffe, dass ich hier noch eine Weile dynamisch und verrückt sein kann."

IHK-Präsidentin Beate Fernengel machte klar, dass das Nachwuchsproblem im Kochbereich durchaus bekannt ist. Der Mindestlohn sei schon der erste Schritt in die richtige Richtung. Und Nachwuchs könne in Zeiten des Fachkräftemangels auch von anderer Seite gewonnen werden: Am 7. September wird es einen Runden Tisch geben, an dem sich alle treffen, die sich mit der Flüchtlingsproblematik beschäftigen. Sie wollen ein Bündnis für Arbeit gründen. Und so schickt Volker Tabatt vielleicht eines Tages einen Azubi zu einem Wettbewerb, der eigentlich aus Syrien stammt.

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