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Zu Besuch beim Steak

Auf tuchfühlung: Der Rinderstall war eine Station bei dem Besuch in Kuhhorst. Aber nicht überall hat die artgerechte Haltung einen so hohen Stellenwert wie auf Hof, der seit 2011 nach Demeter-Standard produziert.
Auf tuchfühlung: Der Rinderstall war eine Station bei dem Besuch in Kuhhorst. Aber nicht überall hat die artgerechte Haltung einen so hohen Stellenwert wie auf Hof, der seit 2011 nach Demeter-Standard produziert. © Foto: MZV
Siegmar Trenkler / 28.08.2015, 22:00 Uhr
Kuhhorst (RA) Das Volksbegehren gegen Massentierhaltung hat bislang schon einige Tausend Unterstützer gefunden. Doch nicht jeder, der viele Tiere hält, missachtet die artgerechte Haltung. Das zeigte der Besuch von Berliner und Brandenburger Grünen auf dem Ökohof Kuhhorst am Freitag.

550 Gänse, 450 Enten sowie Milchkühe und Sattelschweine werden auf dem Hof gehalten. Die Kuhhorster bauen auf einer Fläche von mehr als 300 Hektar Obst, Gemüse und Getreide an und setzen dabei zum großen Teil auf die Integration behinderter Menschen. Die Tiere in Kuhhorst erhalten Futter, das zu 99 Prozent selbst angebaut wurde, zugekauft wird nur Mineralfutter. Das Getreide wird vor Ort gemahlen, viele Produkte selbst hergestellt oder in der Region weiterverarbeitet. "Nach Möglichkeit geben wir unsere Waren daher auch gar nicht an Großhändler ab. Ein großer Teile des Getreides, das wir ernten wird beispielsweise in Bäckereien in der Region verarbeitet", so Betriebsleiter Hannes-Peter Dietrich. Insgesamt hat der Ökohof also Vorzeigecharakter, und das ist der Grund dafür, dass sich für Freitag Abgeordnete der Grünen angekündigt hatten.

Mit dabei war neben dem Brandenburger Landesvorsitzenden Clemens Rostock auch Jens-Martin Rode, Kampagnenleiter des Volksbegehrens gegen Massentierhaltung. Beide legen Wert darauf, dass sich das Volksbegehren nicht gegen Landwirte richtet, sondern gegen Megaställe. Die Bündnisgrünen sehen vor allem aufgrund der Haltungsbedingungen in solchen Anlagen die Gesundheit von Konsumenten gefährdet - etwa durch den starken Einsatz von Antibiotika und daraus resultierende, multiresistente Keime. Aber auch auf die hohe Nitratbelastung von Grundwasser durch die Überdüngung von Böden weist Rostock hin.

Dass sich auch Berliner an dem Ausflug beteiligten, liegt daran, dass Verbraucher aus der Bundeshauptstadt ebenfalls ein Interesse an gesunden Produkten haben, wie Claudia Hämmerling sagt. Sie hat gemeinsam mit ihren Berliner Fraktionskollegen einen Antrag eingebracht, der eine Änderung des Staatsvertrags zwischen Berlin und Brandenburg zur Förderung der artgerechten Haltung von Tieren vorsieht sowie eine Aufklärungskampagne zu den Risiken und Nebenwirkungen der Massentierhaltung. "Wenn auf Fleisch Hinweise enthalten sind, die besagen, dass es unbedingt vollständig gegart werden muss und anschließend alle Gerätschaften gereinigt werden müssen, weil sonst gesundheitliche Gefahren bestehen, ist das nicht mehr vertretbar", sagt sie. "Die Massentierhaltung ist schlecht für alle Verbraucher", resümiert sie.

Mit dem nur für das Land Brandenburg geltende Volksbegehren sollen die Voraussetzungen gelegt werden, um die artgerechte Haltung zu fördern. Das bedeutet für Kampagnenleiter Rode und seine Mitstreiter in den kommenden beiden Monaten viel Arbeit. "Bisher war ja Ferienzeit. Dafür sind wir mit dem Ergebnis bis jetzt schon recht zufrieden", sagt er. Etwa 13000 Unterschriften seien es bisher, die vor allem online gesammelt wurden. Ab September und Oktober geht es nun jeden Tag hinaus ins Land, um für Unterstützung zu werben. Denn benötigt werden insgesamt 80000 Unterschriften, und das Procedere ist nicht ganz einfach. Zum einen können Unterstützer sich in den Bürgerämtern einschreiben. Das ist erforderlich, weil die Menschen dort mit vollem Namen und Adresse registriert werden müssen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, das per Post zu erledigen - ähnlich der Briefwahl. Zudem wird der Omnibus für direkte Demokratie demnächst durch das Land touren und an wichtigen Punkten Station machen.

Mitmachen kann jeder, der bis zum 16. Januar 2016 16 Jahre alt ist. Unterlagen können im Netz angefordert werden unter www.volksbegehren-massentierhaltung.de.

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