Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Eine junge Familie aus Herzsprung lebt seit Monaten im Ausnahmezustand / Ihr Baby erkrankte an einem seltenen Hirntumor

Finja will leben

Seltene Gemeinsamkeit: Julia und Stefan Aldinger mit ihren Kindern Finja (l.), Skadi und Malte im Garten
Seltene Gemeinsamkeit: Julia und Stefan Aldinger mit ihren Kindern Finja (l.), Skadi und Malte im Garten © Foto: MOZ/Daniela Windolff
Daniela Windolff / 12.09.2015, 08:06 Uhr
Herzsprung (MOZ) Julia und Stefan Aldinger durchleben einen Albtraum: Bei ihrer kleinen Tochter wurde ein seltener Hirntumor diagnostiziert. Die Eltern kämpfen um das Leben ihres Kindes und setzen ihre Hoffnung auf eine alternative Therapie. Doch die ist teuer.

Lachend stürmt Malte auf sein Schwesterchen zu, küsst es auf den Kopf und macht Faxen. Doch seine Mutter schickt den vierjährigen Blondschopf erst einmal zurück. Hände desinfizieren! Das ist Pflicht im Hause Aldinger. Gerade für Malte, der eben aus dem Kindergarten kommt. Jeder fremde Keim kann für Finja lebensgefährlich sein, erklärt Julia Aldinger ruhig. Die Sorge um Keime, Krankheit und Tod ist ihr Alltag geworden. Ihre kleine Zwillingstochter Finja leidet an einem äußerst seltenen und gefährlichen Hirntumor. Die Kleine hat in ihrem ersten Lebensjahr mehr Zeit im Krankenhaus verbracht, als Zuhause. Elf quälende Chemotherapien und zwei große Operationen, dazu Infektionen und drohende Sepsis haben den kleinen Körper geschwächt und die ganze Familie an die Grenzen ihrer Kraft gebracht, die sie dringend für ihre drei kleinen Kinder braucht.

Das zarte Familienglück, das sich mit der Geburt der Zwillinge Finja und Skadi vor einem Jahr ankündigte, ist zerbrechlich geworden. "Es war eine Spontangeburt, die Kinder waren gesund, ihr Bruder Malte freute sich auf die Geschwisterchen. Wir waren überglücklich, dass alles so gut verlaufen war", erzählt Julia Aldinger leise. Bei einer Vorsorgeuntersuchung der Zwillinge fiel auf, dass Finjas Kopfform anders aussah, als bei ihrer eineiigen Schwester. Der Schädel hatte eine leichte Beule, die Stirn wölbte sich.

Die Kinderärztin überwies sie noch am selben Abend in die Klinik nach Eberswalde, wo der Mutter die Schockdiagnose übermittelt wurde: "Nach dem ersten Ultraschall sprachen die Ärzte von einer großen Raumforderung. Ich fragte direkt, ob es ein Hirntumor sei, ohne mir dabei wirklich bewusst zu sein, was das bedeutet. Als die Antwort Ja lautete, tat sich der Boden unter meinen Füßen auf", erzählt Julia Aldinger mit mühsamer Beherrschung. Der Tumor füllte schon die Hälfte des kleinen Kopfes der damals fünf Monate alten Finja und gilt als extrem bösartig. Es folgen unbeschreibliche Ängste, quälende Therapien, Tage, Nächte, Wochen im Krankenhaus und immer wieder die Fragen, auf die es keine Antwort gibt: Warum gerade wir? Was wird noch kommen? Bleiben Schäden?

In der Zeit, die die Mutter mit ihrem kranken Kind in der Kinderkrebsklinik im Virchow-Klinikum Berlin verbringen muss, versuchen ihr Mann Stefan, die Großeltern und eine gute Freundin den Familienalltag so gut es geht aufrecht zu halten und für die anderen Kinder da zu sein. "Malte haben wir erzählt, dass Finja einen bösen Stein im Kopf hat. Er hat oft geweint, wenn ich ins Krankenhaus musste", berichtet Julia. Vater Stefan, der eine Haustechnikfirma betreibt, muss in dieser Zeit Aufträge ablehnen. Nach der Arbeit fährt er nach Berlin in die Klinik. Morgens steht er wieder im Job. Die Nerven liegen blank.

Inzwischen wurde Finja zweimal operiert. Der Tumor konnte bis auf einen kleinen Rest entfernt werden, der zu nah am Blutgefäß und am Sehnerv liegt. Finja ist wieder zu Hause. "Als sie mitten in der Nacht zum ersten Mal Mama und Papa sagte, brach ich in Tränen aus", erzählt Mutter Julia. Weitere Chemotherapien sollen folgen - in der Hoffnung, den Krebs zu besiegen. Doch die Nebenwirkungen sind extrem. Inzwischen stellte sich der Tumor als eine bisher völlig unbekannte Art heraus, von der noch niemand weiß, wie sie sich entwickelt..

Jetzt haben sich Aldingers eine zweite Meinung eingeholt und sind auf eine neue, alternative Therapie gestoßen, die Finjas Immunsystem stärken und die Folgen der Chemo lindern soll. Doch die begleitende homöopathische Therapie kostet 5000 Euro. Auch spezielle Hilfsmittel, die Finja benötigt, sind sehr teuer. Die Familie hofft deshalb auf Spenden, um ihrer kleinen Tochter die vielleicht lebensrettende Behandlung zu ermöglichen. Auf Facebook haben sie eine Seite für Finja geschaltet und ein Spendenkonto eingerichtet. Auch die Initiative Uckermark gegen Leukämie hat der Familie Unterstützung zugesagt.

"Unser einziger Wunsch ist, dass Finja gesund wird und wir wieder eine ganz normale Familie sein können", sagt Julia Aldinger. Dann wollen alle fünf gemeinsam eine Familienkur beantragen. Die Ostsee ist ihr Traumziel.

Spendenkonto: Julia Aldinger, Stichwort "Finja", IBAN: DE21170560601101126147. Wer eine Spendenquittung möchte oder der Familie anderweitig helfen will, wendet sich an den Verein Uckermark gegen Leukämie: Ines Baumgarten, Ackerstraße 4, 16303 Schwedt Telefon: 01737288055

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Kathrin 17.09.2015 - 13:52:14

lieber das Geld sparen

Es gibt sicher das eine oder andere zusätzlich unterstützende, aber Homöopathie gehört sicher nicht dazu. Zumeist inhaltsleere Zuckerkügelchen, die dann auch noch 5000- € kosten sollen sind nicht nur Scharlatanerie sondern auch Wucher. Es wäre interessant, wer mit solch unseriösen Angeboten die Eltern abzocken will.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG