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Biber-Straße bleibt gesperrt

Biberbauwerk: Seitdem ein Teil der Ringstraße wegen Einsturzgefahr gesperrt worden ist, baut der Biber ungestört seine Löcher. Rosemarie Daue steht an einem der tiefen Krater.
Biberbauwerk: Seitdem ein Teil der Ringstraße wegen Einsturzgefahr gesperrt worden ist, baut der Biber ungestört seine Löcher. Rosemarie Daue steht an einem der tiefen Krater. © Foto: MOZ
Mandy Timm / 29.09.2015, 19:20 Uhr
Zäckericker Loose (MOZ) Seit dem Frühjahr ist ein Teilstück der Ringstraße in Zäckericker Loose gesperrt. Der Grund dafür sind massive Biberschäden. Teilweise ist die Straße, 1998 als Zubringer für den Deichverteidigungsweg gebaut, so sehr unterhöhlt, dass sie einzustürzen droht.

Erst war es nur eine Stelle, ein größeres Loch zwischen Asphalt und Graben. Jetzt ziehen sich über mehrere hundert Meter etliche Krater entlang der Straße. Manche sind zwei, drei Meter tief. Rosemarie Daue muss die Stellen eigentlich nicht zeigen. Sie sind nicht zu übersehen. Der Biber ist im Graben entlang der Ringstraße bei Zäckericker Loose eingezogen und fällt nicht nur die Pappeln, die dort stehen, sondern, was für die Einwohner viel schwerer wiegt, er unterhöhlt die Straße - Stück für Stück.

Das Problem ist schon länger in der Gemeinde bekannt. Seit dem Frühjahr ist der Zubringer des Deichverteidigungsweges deshalb nun komplett gesperrt. Barnim-Oderbruchs Bauamtsleiter Helge Suhr veranlasste die Aufstellung der Barken. Anwohner und Erntehelfer müssen jetzt andere Wege finden. "Weil die Straße über weite Strecken unterhöhlt ist", erklärt Rosemarie Daue. Sie droht einzubrechen. Die armdicken Risse an den Asphalt-Kanten ziehen sich die gut ein kilometerlange Absperrung entlang.

"Das ist doch kein Zustand", findet Ortsvorsteherin Daue. Immerhin handele es sich bei dem Weg um einen Zubringer der Deichverteidigungsstraße. Aus diesem Grund zumindest ist die Ringstraße 1998, ein Jahr nach dem Jahrhundert-Hochwasser, angelegt worden. "Und deshalb muss sie immer befahrbar sein", steht für Rosemarie Daue fest.

Schon lange fordert sie, dass eine Lösung gefunden wird, wie in der Nähe des Oderdeiches mit dem Biber umgegangen wird. Und: Dass die Ringstraße repariert wird, dafür setzt sie sich ein. Aber nicht von der Gemeinde, in deren Haushalt ohnehin ein großes Loch klafft und die schon etliche Summen in die Ausbesserung der Schäden investiert hat. Zur Kasse gebeten soll vielmehr der Eigentümer der Straße, das Land Brandenburg.

Zweimal hat die Amtsverwaltung Barnim-Oderbruch diesbezüglich bereits an die Landesregierung geschrieben, teilte Bauamtsleiter Helge Suhr diese Woche mit. Der Adressat sei jeweils Ministerpräsident Dietmar Woidke gewesen. "Für uns ist nicht nachvollziehbar", so Helge Suhr, "wieso die Kommune für die Beseitigung von Schäden an der Infrastruktur des Landes aufkommen soll." Deshalb sei die Regierung zur Regulierung der entstanden Schäden an der Ringstraße aufgefordert worden. Darüber hinaus regte die Bauverwaltung einen Fonds für Naturschutz-Ausgleichsmaßnahmen an, unter die Biberschäden aus Sicht der Verwaltung fallen, da es sich um ein strenggeschütztes Tier handelt.

Auf den ersten Brief im Frühjahr reagierte die Landesregierung gar nicht. Nicht einmal eine Empfangsbestätigung ging in der Amtsverwaltung ein. Regierungssprecher Andreas Beese teilte nun mit, dass es sich um ein Büroversehen gehandelt habe, dass die Post unbeantwortet blieb. Das zweite Schreiben vor zwei Wochen sei nun zur Bearbeitung an das zuständige Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft weitergeleitet worden, informierte der Sprecher des Ministerpräsidenten. Dieser Hinweis sei der Amtsverwaltung Barnim-Oderbruch mit Schreiben vom 25. September auch mitgeteilt worden.

Bauamtsleiter Helge Suhr rechnet mit wenigstens 40 000 Euro, die die Sanierung des Teilstücks der Ringstraße kosten wird. "Die Schwarzdecke wird auf mehrere hundert Meter abgenommen werden müssen", schätzt er. Ein neuer grundhafter Ausbau sei aufgrund der massiven Schäden unabdingbar.

Für Rosemarie Daue steht fest, dass sie weiter den Finger in die Wunde legen wird. "Das geht doch nicht anders", sagt sie. "Den kleineren Kommunen wird schon jetzt eine Menge abverlangt, das ihre Haushalte enorm belastet. Warum sollen wir nun auch noch für Schäden aufkommen, für die wir nichts können?" Rosemarie Daue hat auch grundsätzlich nichts gegen den Biber. "Das sind ja wirklich possierliche Tiere", findet sie. "Aber", und das steht ebenfalls für sie fest: "Sie gehören einfach nicht hierher ins Oderbruch."

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