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Schullandheim beherbergt Flüchtlinge

Schweinrich Schullandheim
Schweinrich Schullandheim © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schönberg / 04.11.2015, 18:25 Uhr - Aktualisiert 04.11.2015, 18:28
Schweinrich (MZV) Die bislang im Kreis angekommenen minderjährigen Flüchtlinge, die ohne Erwachsene Angehörige nach Deutschland gelangten, sind seit Montag im Schullandheim Schweinrich untergebracht. Das sagte Jugendamtsleiter Andreas Liedtke am Dienstagabend.

Es handelt sich um 15Jugendliche, die alle aus dem vom Terror der Taliban überzogenen Land Afghanistan kommen und zwischen 15 und 17Jahre alt sind. Sie waren bis vorige Woche in Bungalows in Luhme untergekommen (RA berichtete). Eigentlich waren es 16. Aber beim Umzug nach Schweinrich war einer der Jugendlichen abhanden gekommen. Er soll sich in Richtung Hamburg aufgemacht haben, so Liedtke beim Jugendhilfeausschuss.

Der Jugendamtschef betonte, dass die Jugendlichen sehr selbstständig sind. "Sie lassen sich auch nicht davon abhalten, selbst zu kochen", sagte er. Für alle gilt, dass sie der Schulpflicht nicht mehr unterliegen, da sie bereits einen Bildungsabschluss in Afghanistan oder im Iran gemacht haben.

Einige von ihnen werden Schwierigkeiten haben, ihren Abschluss anerkannt bekommen haben: wenn sie ihn im Iran gemacht haben. Das sagte die Integrationsbeauftragte des Kreises, Marlies Grunst. Im Nachbarland Afghanistans absolvierten sie ihren ersten Bildungsweg, weil ihnen das oft im eigenen Land verwehrt bleibt. Doch im Iran konnten sie sich nur unter falschem Namen an der Schule einschreiben. "Das habe ich aus persönlichen Gesprächen erfahren", sagte Grunst. Das Jugendamt kann in dem Fall aber ad hoc wohl keine Lösung bieten. "Das mit der Gültigkeit von Papieren ist grundsätzlich ein Problem", sagte Andreas Liedtke.

Offen ist auch, wie lange das Schullandheim die Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bleiben wird. Liedtke rechnet mit dem Frühjahr nächsten Jahres: "Ich kann aber nicht garantieren, dass wir bis dahin wieder raus sind."

Der Landkreis weiß erst seit wenigen Monaten, dass er Flüchtlinge unter 18Jahren aufnehmen muss, die ohne Vormund nach Deutschland kommen. Bislang galt, dass die Jugendämter der Kommunen zuständig sind, in denen diese Zielgruppe landet. Doch angesichts der hohen Zahl unbegleiteter Minderjähriger wären die Behörden überlastet, weswegen nach einer Formel, dem Königsteiner Schlüssel, jeder Landkreis sie aufzunehmen hat. Ostprignitz-Ruppin rechnet mit 80 bis 100Ankömmlingen.

In Schweinrich wäre die Unterbringung von maximal 26minderjährigen Asylbewerbern möglich. Solange sie dort sind, ruht dort der Bildungsbetrieb - auch der der Umweltbegegnungsstätte, die erst zu Beginn des Jahres dorthin gezogen ist, nachdem der Landkreis das Schulungsheim in Zippelsförde aufgegeben hat. Die Lehrer, die Landesbedienstete sind, werden aber nicht beschäftigungslos. Sie können die minderjährigen Flüchtlinge in der deutschen Sprache unterrichten. Diese sind auch "sehr wissbegierig und zeigen großes Interesse, deutsch zu lernen", so Liedtke weiter.

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