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Viele Fragen bleiben offen

Bürgerinteresse. Bis auf den letzten Platz besetzt war am Donnerstagabend der Versammlungsraum im Gemeindezentrum Freudenberg. Einige mussten stehen. Die Bürger waren vor allem gekommen, um von den weiteren Plänen zum geplanten Asylbewerberheim auf dem Ex
Bürgerinteresse. Bis auf den letzten Platz besetzt war am Donnerstagabend der Versammlungsraum im Gemeindezentrum Freudenberg. Einige mussten stehen. Die Bürger waren vor allem gekommen, um von den weiteren Plänen zum geplanten Asylbewerberheim auf dem Ex © Foto: Heike Stachowiak
Heike Stachowiak / 07.11.2015, 04:22 Uhr
Freudenberg (MOZ) Kein anderes Thema brennt den Freudenbergern wohl so auf den Nägeln wie das mögliche Flüchtlingsheim auf dem einstigen NVA-Gelände. Das wurde am Donnerstagabend zur Gemeindevertretersitzung erneut deutlich. Bis auf den letzten Platz war der Versammlungsraum im Freudenberger Gemeindezentrum besetzt.

Die meisten der Freudenberger und Beiersdorfer waren gekommen, um den aktuellen Stand der Planungen für das im Gespräch befindliche Flüchtlingsheim zu erfahren. Im Sommer hatte Vize-Landrat Lutz Amsel angekündigt, bis zu 400 Flüchtlinge in Gebäuden auf dem Gelände der Gewerbeförderungs AG Freudenberg unterbringen zu wollen. Mit der "mede-group" Berlin hatte sich ein Betreiber und Investor gefunden. Die Gebäude sollten für eine menschenwürdige Unterbringung der Schutzsuchenden umgebaut, die Wasserver- und Abwasserentsorgung geregelt sowie Infrastrukturmaßnahmen angeschoben werden.

Das 240-Seelen-Dorf hatte schon im Juni gegen die Höhe der Flüchtlingszahl protestiert. Daran hat sich auch fünf Monate später nichts geändert. Im Gegenteil. Der Unmut in der Bevölkerung ist gewachsen. Vor allem wegen der Politik aus Berlin. "Wie wir als Gemeinde mit dem Problem allein gelassen werden, das ist einfach eine Frechheit. Ich hoffe, das wirkt sich bei der nächsten Wahl aus", nahm Mario Bernhard kein Blatt vor den Mund. Die Regierung sei unfähig. Sie wisse gar nicht, wie viele Asylsuchende im Land seien und woher sie kämen, warf er den Bundespolitikern vor.

Dass eine humanitäre Hilfe nötig sei, stellte Thomas Claus überhaupt nicht in Frage. Es gebe in der Gemeinde 18 freie Wohnungen, die man für die Unterbringung von 18 syrischen Familien anbieten könne. Er sei sich sicher, dass sich genügend Menschen finden würden, die sich um die Integration dieser Familien kümmern würden. "Aber wir haben ein Problem damit, dass 500 Asylsuchende kommen, also doppelt so viele wie Einwohner", brachte es Thomas Claus auf den Punkt und sprach damit vielen aus dem Herzen.

Holger Horneffer, Amtsdirektor von Falkenberg-Höhe, konnte den Bürgern und Gemeindevertretern von Beiersdorf-Freudenberg am Donnerstag zwar ihre Ängste nicht nehmen und ihre Wut nicht beschwichtigen. Zumindest aber konnte er ihnen sagen, dass mit einer Belegung in den Gebäuden auf dem Gelände der Gewerbeförderung aktuell nicht zu rechnen sei. Freudenberg stehe zurzeit nicht auf der Liste der Unterbringungsmöglichkeiten, so der Verwaltungschef.

Die Aktivitäten in Richtung Aufnahmelager für Asylbewerber laufen aber ungeachtet dessen weiter. Dafür sprechen die drei Bauanträge, die dem Landkreis vorliegen. Darin wird die Umnutzung von drei Gebäuden mit jeweils 137 Plätzen auf dem früheren NVA-Gelände in eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber beantragt. Am Donnerstag hatte die Gemeindevertretung die Anträge auf dem Tisch vor. Die ließen jedoch Fragen offen. So sind die Anträge von einer Freudenberg AG mit Sitz am Kurfürstendamm 207 bis 208 in Berlin eingereicht worden. Dort sitzt auch die "mede-group". Deren Vertreter, Mehmet Dertop, hatte im Juni in der Einwohnerversammlung in Beiersdorf von den Asylbewerberheim-Plänen der "mede-group" gesprochen. Unterschrieben wurden die Anträge, so Amtsdirektor Holger Horneffer, aber von der Gewerbeförderungs AG mit Sitz in der Weinbergstraße in Freudenberg. Das müsse der Landkreis prüfen.

Zudem seien die Bauanträge unvollständig. Es gibt weder ein Brandschutzkonzept, noch konnte Sascha Pohlan von der Gewerbeförderungs AG am Donnerstag bestätigen, dass eine Genehmigung zur Entnahme von Wasser in den Größenordnungen, die für eine solche Aufnahmeunterkunft nötig sind, beantragt worden sei. Auch die Wasserentsorgung sei nicht geregelt, so Horneffer. Zudem stünden die Bauanträge dem Bebauungsplanentwurf der Gemeinde zur Entwicklung des Gewerbegebietes entgegen. Darin wird nämlich von einem Abriss der drei betreffenden Gebäude ausgegangen. Außerdem gebe es hinsichtlich der vorhandenen Bauart Falschaussagen in den Anträgen, wie Freudenbergs Ortsvorsteher Ronald Buchholz anmerkte. Und die Mindestanforderungen an Asylbewerberunterkünfte seien nicht vollständig berücksichtigt worden, betonte Heidi Berger, Architektin aus Freudenberg, nach eingehender Prüfung der Unterlagen.

Das erwecke sowohl für Gemeindevertreterin Petra Dahms (AfD) als auch für Anika Scharf als Bürgerin der Gemeinde den Eindruck, dass über die Bauanträge die Genehmigung für ein Asylbewerberheim erschlichen werden soll und das auf Kosten der Gemeinde.

Vorerst ist die Kuh vom Eis. Die Gemeindevertretung hat am Donnerstag das gemeindliche Einvernehmen für die drei Bauanträge einstimmig versagt. Da die Gemeinde bis zum 23. Dezember Zeit hat, sich in dem Verfahren zu beteiligen, soll die schriftliche Begründung bis zur nächsten Gemeindevertretersitzung erarbeitet und noch einmal vorgelegt werden. Dazu bittet Petra Dahms um Zuarbeit aus der Bevölkerung.

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