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Görne und die Bredows

1905 erschienene Ansichtskarte vom Schloss zu Görne.
1905 erschienene Ansichtskarte vom Schloss zu Görne. © Foto: Sammlung Wittstock
Irene Krieger / 08.11.2015, 08:56 Uhr
Görne (MOZ) Gräfin Gertrud von Bredow ist nun eine Fremde im Gutshaus. Niemand hatte im Oktober dieses Jahres auf ihr Klingeln hin geöffnet. Ihr Gatte Wilkin hatte die Immobilie einst geerbt, aber nie in Besitz genommen. Sie gehört jetzt anderen.

Das auch Schloss genannte Gutshaus rückte durch den Tod des umtriebigen Kulturförderers Werner Bader, der in dem kleinen Görne bei Kleßen die Leserast betrieb, wo jeder in 13.000 Büchern schmökern konnte, wieder in das Blickfeld. Bader hatte den Kulturförderverein Mark Brandenburg gegründet, in dem auch Gräfin Gertrud von Bredow Mitglied ist.

Im 19. Jahrhundert erbte der zweite Sohn von Friedrich Ludwig Wilhelm von Bredow, nämlich Friedrich Gebhard Heinrich Ludwig von Bredow (1789-1864), das Gut Görne mit den Vorwerken Lochow und Dickte. Er hatte an den Freiheitskriegen 1813 und unter anderem an der Schlacht bei Großgörschen teilgenommen. Der älteste seiner Söhne, Otto Friedrich Ludwig Karl Ferdinand August von Bredow (1824-1894), trat später das Erbe seines Vaters an. Er hatte eine Tochter und drei Söhne. Einer der Söhne war Wilkin Friedrich Otto von Bredow (geboren 1855 in Görne). Dessen Sohn Sigismund Friedrich Wilkin Otto von Bredow (1890-1970) war der Vater der Schriftstellerin Ilse Gräfin von Bredow (1922-2014) und ihrer Schwester Freifrau Josepha von Zedlitz, 1920 geborene von Bredow. Diese kehrte nach der Wende in das Görner Vorwerk Lochow zurück.

Wilkin Friedrich Anatol Graf von Bredow (1918-1988) auf Görne, Sohn des Sigismund Friedrich Wilhelm Otto Graf von Bredow, heiratete Gertrud Käthe Schwarzloh aus Neumünster.

Nach 1947 nahm die Sowjetmacht das Schloss mit 60 Hektar Land in Besitz, und 1949 wurde es "Eigentum des Volkes" in der DDR. So stand es auch im Bestandsblatt des Grundbuchs. Während der DDR-Zeit beherbergte das Gutshaus eine Kita, eine Schule, einen Konsum sowie einige Wohnungen.

Wilkin von Bredow und seine Gattin besuchten Görne während der DDR-Zeit, aber 1988 starb Wilkin. Seine Gattin, Gräfin Gertrud von Bredow, die in Neumünster lebt, besuchte nach der Wende das Schloss Görne und musste feststellen, dass sich der Bürgermeister aus DDR-Zeiten in das Grundbuch hatte eintragen lassen. Er gestattete der Gräfin, sich zwei Zimmer im Gutshaus einzurichten, was sie auch tat. Einen vom Besitzer angestrengten Mietkostenprozess, der dann Geld sehen wollte, hat Gräfin Gertrud von Bredow gewonnen. Der nächste Besitzer, der ein "Begegnungszentrum" errichten wollte, hatte die Fassade des Objekts restaurieren und einen Flügel zum darin Wohnen einrichten lassen. Auch er verklagte sie auf Mietzahlung. Diesen Prozess verlor die Gräfin, obwohl sie dem Gericht ihre Ansprüche darlegen konnte. Aber im Grundbuch war das Bestandsblatt "Eigentum des Volkes" verschwunden.

Wie Gräfin Gertrud von Bredow berichtet, soll die Lage in der Folge eskaliert sein. Der Besitzer habe einiges unternommen, um sie zu vertreiben. So soll er unter anderem die Wohnung unter Wasser gesetzt haben, mit fatalen Folgen für das Mobilar. Schweren Herzens habe die Gräfin ihre Einrichtung entsorgen müssen. Als der Besitzer seinen Verpflichtungen gegenüber der Bank nicht nachkommen konnte, versteigerte die Bank das Haus. Die Erinnerung an die Bredows in Görne schwindet zusehends.

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