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Agrarexperte aus dem Landtag entdeckt viele Gemeinsamkeiten beim Besuch der Fürstenwalder Agrarprodukte Buchholz

Auf einer grünen Wellenlänge

Besuch beim "normalen" Landwirtschaftsbetrieb: Benjamin Raschke (2.v.l.) ließ sich von Benjamin Meise (l.) dessen Hof und seine Arbeitsweise in Buchholz erläutern. Interessiert lauschten auch Inge Kurschat (M.) und Inge Pupke.
Besuch beim "normalen" Landwirtschaftsbetrieb: Benjamin Raschke (2.v.l.) ließ sich von Benjamin Meise (l.) dessen Hof und seine Arbeitsweise in Buchholz erläutern. Interessiert lauschten auch Inge Kurschat (M.) und Inge Pupke. © Foto: MOZ
Andreas Wetzel / 10.12.2015, 19:54 Uhr
Buchholz (MOZ) Bei wievielen Kühen im Stall beginnt Massentierhaltung? Geht es einer Milchkuh im Stall besser als auf der Weide - in der prallen Sonne? Solche Fragen standen am Donnerstag im Mittelpunkt einer ungewöhnlichen Begegnung auf dem Betriebsgelände der Agrarprodukte Buchholz.

Deren Geschäftsführer Benjamin Meise hatte den landwirtschaftspolitischen Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Grüne, Benjamin Raschke, zu einer Hofbesichtigung eingeladen. Anlass war eine Podiumsdebatte, bei der Meise, wie er erzählte, als Vertreter der Konventionellen Landwirtschaft eingeladen war, was ihn wohl noch nicht so sehr gestört habe. "Aber ich stand auch auf irgendeiner Liste von Betrieben, gegen die sich das Volksbegehren gegen die Massentierhaltung richtet."

Und das hat den umtriebigen Betriebschef, der weder Angst vor unkonventionellen Marketing-Ideen hat (wie der Rohmilchtankstelle auf seinem Hof) noch vor Debatten mit Umweltschützern im Internet, dann doch gewurmt. Benjamin Raschke wiederum freute sich über die Gelegenheit, mal einen Betrieb dieser Größenordnung näher kennenzulernen und kam schon deshalb gern nach Buchholz - standesgemäß für einen Grünen mit Regionalexpress und Bus.

Gastgeber Meise führte die kleine Gästegruppe - zu ihr gehörten auch noch weitere grüne Aktivisten wie Jens-Olaf Zänker und Inge Kurschat sowie Inge Pupke von den Naturfreunden Bad Saarow - durch die Stallanlagen, in denen die Fürstenwalder Agrarprodukte Buchholz GmbH mehr als 700 Kühe hält. Er hielt dabei nicht mit den wirtschaftlichen Nöten hinter dem Berg, unter denen die Firma wegen der aktuell niedrigen Milchpreise leide. Deshalb gebe es auch noch Ställe wie den alten, den er zuerst präsentierte: dunkel und mit nur wenigen Lüftungsmöglichkeiten. Der Bodenbelag sei auch nicht ideal, bekannte Meise, aber das zu ändern, könne der Betrieb sich zurzeit nicht leisten.

Der nächste Stall, deutlich jüngeren Datums, bot da schon ein anderes Bild: Offene Seitenwände, viel Frischluft, viel Helligkeit über große Lichtbänder. Startschuss für eine längere Debatte über Weidegang. Ist die Kuh auf der saftig grünen Weide ein von der Werbung geprägtes Bild, das Stadtmenschen vom Landleben haben, das es aber in Wirklichkeit gar nicht gibt?

Benjamin Weise zählte eine ganze Reihe von Nachteilen auf, die Weidehaltung für seine Milchkühe mit sich bringen würde: Sie müssten für jeden Melkgang immer wieder erst in den Stall geführt werden; im Sommer sei es in der Sonne für Kühe viel zu heiß; und das saftige Gras sei auch kein saftiges Gras mehr, wenn es erst einmal abgefressen worden sei. "Obendrein müssten wir viel mehr Leute haben, und die müssten wir ja auch erst mal bezahlen."

Spätestens, als sie gezeigt bekamen, was die Kühe in Buchholz zu fressen bekommen - pro Tier rund 40 Kilo am Tag -, wuchs der Respekt der Gäste vor den Anstrengungen, den Stallkühen möglichst "Naturkost" vorzusetzen. Genverändertes Soja beispielsweise ist tabu, dafür kommen Heu, Maissilage, Weizen, Luzerne und einiges mehr ins Futter, was die Kühe als Mix vorgesetzt bekommen. Inge Kurschat, viele Jahre Stadtverordnete in Fürstenwalde, lobte die Offenheit, mit der alles gezeigt wurde. Benjamin Meise wiederum freute sich, dass dieser offene Dialog überhaupt möglich ist. "Im Internet habe ich beim Umgang mit Veganern gelernt, dass es da nur noch die Alternativen gibt Tierhaltung oder nicht." Beim wärmenden Kaffee nach dem Rundgang über den Hof blieb noch viel Zeit, den Gedankenaustausch zu vertiefen.

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