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Hausmannskost geht immer

Stehen für kompetentes Fleischerhandwerk: Mathias, Edeltraud und Klaus Kulicke (v.l.) vor ihrem Hofladen in Wuschewier.
Stehen für kompetentes Fleischerhandwerk: Mathias, Edeltraud und Klaus Kulicke (v.l.) vor ihrem Hofladen in Wuschewier. © Foto: Fred Winte
Fred Winter / 30.12.2015, 05:25 Uhr
Wuschewier (MOZ) Klaus Kulicke, den Hausfleischer aus Wuschewier, können die neuen Hiobsbotschaften aus dem Lager der Fleischanalysten nicht beeindrucken. Seine Kunden werden weiterhin seine Wurst und sein Fleisch essen, das er traditionell jede Woche frisch herstellt, davon ist er überzeugt. "Das ist typische Hausmannskost mit Meersalz und natürlichen Gewürzen. Und alles ist ohne Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker hergestellt. Daher sollte es im Gegensatz zu mit Chemie behandelten Industrieprodukten auch bald verzehrt werden", sagt der 64-jährige, der vor 25 Jahren sein Geschäft zusammen mit seiner Frau Edeltraud auf seinem eigenen Grundstück eröffnet hat.

Sein Handwerk hat Klaus Kulicke in der Fleischerei Göldner im nahen Letschin erlernt. Die letzten Jahre vor der Wende arbeitete er in der LPG als Maurer. Aber als Hausschlachter war er schon lange Zeit neben seiner Arbeit unterwegs. Suchte er bis dahin die Leute mit seinem Handwerkzeug auf, inzwischen kommen sie schon lange mit ihren Schweinen zu ihm.

Dass die Wurst von Fleischer Kulicke schmeckt, hat sich bis nach Berlin, Bernau und Strausberg herumgesprochen. Jeden Donnerstag beliefert er in Frankfurt und Umgebung 15 Bäckergeschäfte mit seiner frischen, aber auch mit konservierter Wurst, wo sie von den Kunden dankbar zu Brot und Brötchen gekauft wird. Klaus Kulicke folgt diszipliniert einem festen Programm. Von Montag bis Mittwoch stellt er die Wurst her, wobei ihm sein Sohn Mathias, der wie der Vater Maurer und Fleischer gelernt hat, zur Seite steht. Oft verarbeitet er auch Wildfleisch aus den heimischen Wäldern. Er lässt sein Geschäft nur einmal im Jahr für einen dreitägigen Urlaub allein. "Dann werde ich kribbelig und muss zurück", sagt er.

Von Donnerstag bis Freitag und sonnabends steht Edeltraud Kulicke im Hofladen und bedient die zahlreichen Kunden. "Es gibt nicht mehr viele Fleischereien, die alles selbst machen", sagt sie. Entsprechend groß sei der Andrang.

Wer meint, nach der anstrengenden Arbeitswoche käme für die Fleischerfamilie ein geruhsames Wochenende, der hat sich getäuscht. Jedes Wochenende steht der Partyservice auf dem Programm. "Über einen Mangel an Arbeit können wir uns nicht beklagen", resümiert die 59-jährige Edeltraud Kulicke, die in ihrer Rolle aufgeht. Zweimal im Jahr lädt die Hausfleischerei zum Schlachtefest ein. Dann wird auf dem großen Parkplatz ein Festzelt aufgestellt, für die Kinder gibt es Ponyreiten und eine Hüpfburg. Beim letzten Fest Anfang Oktober wurden mehr als 1000 Besucher gezählt. Das nächste Fest ist für den 17. April geplant. "Die Organisation der Schlachtefeste wäre ohne die Hilfe unserer Kinder, Geschwister und unserer Bekannten nicht denkbar", sagt Edeltraud Kulicke. Ihr 37-jähriger Sohn Mathias hat sich indessen einen eigenen Veranstaltungsservice aufgebaut und sich vor Jahren ebenfalls selbstständig gemacht. Er organisiert Hochzeiten, Dorf- und Stadtfeste. In wenigen Jahren wird er sich entscheiden müssen: Für die Fleischerei seines Vaters oder für den eigenen Veranstaltungsservice.

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