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Meister der Verwandlung

© Foto: Johann Mueller
Doris Steinkraus / 01.06.2016, 06:27 Uhr
Sydowswiese (MOZ) Der Letschiner Ortsteil Sophienthal feiert in diesem Jahr Jubiläum. Vor 250 Jahren wurde das Dorf hinter dem Deich gegründet. Dazu gibt es zahlreiche Veranstaltungen. Am Sonnabend erzählt ein prominenter Bewohner aus seinem Leben, der Maskenbildner Wolfgang Utzt.

Er ist einer, der gerne mit anderen kommuniziert. Über Literatur, Kunst, Geschichte, aber auch über Gott und die Welt. Doch Wolfgang Utzt mag es lieber im kleinen Rahmen - Auge in Auge gegenüber sitzend. Dabei war das große Publikum jahrelang sein Metier oder besser jene, denen er das passende Gesicht zur jeweiligen Rolle verpasste. 43 Jahre lang wirkte Utzt am Deutschen Theater als Maskenbilder, davon 23 Jahre als Chef. Er kennt sie alle, die großen Regisseure und Schauspieler, weiß Geschichten und Schnurren um deren Launen und Macken zu erzählen. Er könnte viele Abende füllen. Über eine Zeit, als vor allem Improvisation, Kreativität und viel Selbstvertrauen nötig waren, um die Unikate anzufertigen. Über die Findigkeit, um nicht zur Verfügung stehende Materialien irgendwie zu ersetzen und die Masken dennoch perfekt werden zu lassen. Einzigartige Kunstwerke sind dabei entstanden.

Nun soll er im größeren Rahmen über all das erzählen, am Sonnabend in der Fachwerkkirche von Sophienthal. "Eigentlich sind Vorträge nicht mein Ding", gesteht er. "Aber der rührige Ortsvorsteher hat da gestanden und mich gefragt." Seit 1980 lebt Wolfgang Utzt mit seiner Frau Hella in dem kleinen Straßenort Sydowswiese, das zu Sophienthal gehört. Blickt er aus dem Fenster, schaut er auf den Deich. "Wir wurden hier so freundlich aufgenommen, fühlen uns sehr wohl", sagt er. "Als Kulturmensch muss ich mich doch irgendwie auch einbringen, wenn mein Dorf feiert, also habe ich ja gesagt." Etwas anderes als seine Kunst könne er schließlich nicht bieten, fügt er lachend an. Er möchte damit auch dem Ort Danke sagen, in dem er während seiner Berufszeit den perfekten Rückzugsort fand, wo neue Ideen reifen und besonders knifflige Masken im Atelier gleich hinterm Haus entstehen konnten.

Er hat eine Weile gegrübelt, wie solch eine Veranstaltung aussehen könnte. Schließlich wolle er die Leute nicht mit schwerer Theaterkost langweilen. Masken gibt es zudem kaum noch im Hause Utzt. Fast alle künstlerisch besonders wertvollen stehen in Museen in Berlin, Hamburg und München. 2010 waren sie alle in einer Ausstellung vereint. Noch heute ist Utzt dem damaligen Chef der Stiftung Schloss Neuhardenberg, Bernd Kauffmann, dankbar dafür, dass er die ungewöhnliche Schau "In Masken geht die Zeit" ermöglichte. Von Neuhardenberg zog sie nach Hamburg und München. Zuvor hatte Utzt schon in den USA, Finnland, der Schweiz und Japan ausgestellt. Einer Messe in Düsseldorf verdankt er eine ungewöhnliche Dokumentation. Dort sollten ebenfalls seine Masken gezeigt werden, doch die waren in München. Die Organisatoren fanden eine geniale Lösung, zeigten mit mehr als 250 Bildern im A-3-Format in einem ungewöhnlichen Arrangement die Masken des Oderbrüchers. Und überließen ihm nach Ausstellungsende das gesamte Material. "Ein wahrer Schatz", strahlt Utzt und zeigt auf die vielen grauen Kartons, die besagte Bilder enthalten.

Davon wird er einige Serien mit in die Kirche nehmen. Zum Beispiel die mit dem Schauspieler Daniel Morgenstern, den sehr viele auch vom Fernsehen kennen. Immer wieder hat Wolfgang Utzt den Mann für verschiedene Theater-Rollen "präpariert", ihm Gesichter gegeben, die aus einer anderen Welt zu kommen scheinen. Er wird erzählen, wie er Europäer zu Schwarzen oder Junge zu Greisen machen kann. Und auch darüber, wie sich die Arbeit verändert hat. Schaut er heute in eine Maskenwerkstatt, sei das schon überwältigend.

Der Sydowswieser wird vielleicht auch über seine neue Leidenschaft, dem Gestalten von Büchern, erzählen. Enkeltochter Hanna hatte den Anstoß gegeben. Für sie hat er ein Buch gestaltet, jede Seite ein Fest fürs Auge und für die Sinne. Malt er doch nicht nur einfach Tiere, sondern stellt ihre Charaktere originell dar, verbunden mit hintersinnigen witzigen Reimen. Der Titel steht schon fest: "Das Gürteltier kommt nachts um vier". Gedankenspielereien über Frösche, die Trompete spielen, und Wölfe, die Schäfchen zählen. Über Krokodile auf Stelzen und Bären beim Ball. Eine Auswahl aus den Zeichnungen wird demnächst zu einem kunterbunten Buch voller Wortwitz zum Schmunzeln und Lachen, zum Staunen - und selber Reimen.

Langweilig dürfte dieser Nachmittag auf keinen Fall werden. Ortsbürgermeister Botmer Mischke freut sich jedenfalls, dass Wolfgang Utzt sein Kommen zugesagt hat.

Sonnabend, 14.30 Uhr, Kirche Sophienthal, Maskenbilder Wolfgang Utzt erzählt

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