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Geschäftsführer der Agrar GmbH Sonnenberg zufrieden mit erster Saison / Genaue Zahlen nennt er nicht / Kritiker leiser geworden

500 Saisonkräfte auf den Spargelfeldern bei Rauschendorf

500 Saisonkräfte waren während der Saison in Bussen zu den Spargelfeldern gebracht worden. Sie sind zurück in der Heimat. Für Hufmanns eigene Leute beginnt jetzt die nächste Ernteperiode. Die Agrar GmbH baut auch Getreide an.
500 Saisonkräfte waren während der Saison in Bussen zu den Spargelfeldern gebracht worden. Sie sind zurück in der Heimat. Für Hufmanns eigene Leute beginnt jetzt die nächste Ernteperiode. Die Agrar GmbH baut auch Getreide an. © Foto: MZV
Mandy Oys / 29.06.2016, 07:23 Uhr
Rauschendorf (GZ) Von mindestens 2 600 Tonnen Spargel ging Gregor Hufmann vor einem Jahr aus. Wie viel des Gemüses auf den Flächen der Agrar GmbH Sonnenberg gestochen werden konnte, behält er nach Ende dieser ersten Saison nun für sich. Hufmann spricht von "etlichen Tonnen" und zeigt sich durchaus "zufrieden" mit dem Ergebnis.

Der Umbau der Ställe der Agrar GmbH sei "nicht einfach" gewesen und "musste gründlich überlegt werden", sagt Hufmann rückblickend. Die Abläufe hätten schließlich funktioniert, die Sortier- und Kühlanlagen hätten sich als richtig dimensioniert erwiesen. Es sei spannend gewesen, solche Mengen das erste Mal am neuen Standort in Rauschendorf zu verarbeiten.

Hauptgeschäftsführer Hufmann ist der Neffe des Spargelriesen Josef Lohner. Im Süden der Republik sind Anbauflächen rar geworden. 600 Kilometer entfernt vom Familienbetrieb nahe Augsburg hat der gebürtige Bayer, der 2014 mit Onkel und Cousin nach Brandenburg gekommen war, das Gemüse in diesem Jahr auf 350 Hektar stechen können. In der kommenden Saison kommen noch einmal 90 Hektar dazu, bestätigt Gregor Hufmann.

Zwölf Tonnen Spargel waren Hufmann zufolge Mitte April, ganz zu Beginn der Saison, geerntet worden - von 150 Saisonkräften. Im Hochbetrieb waren im Mai und Juni 500 Arbeiter auf den Feldern der Agrar GmbH im Einsatz, sagt der Geschäftsführer am Dienstag. Die Zahl der Arbeiter hat sich mehr als verdreifacht. Das passt zur Prognose, die Hufmann mit der Übernahme der Agrar GmbH abgegeben hatte. Von täglich 40 Tonnen Spargel war er auch vergangenes Jahr ausgegangen, als weitere Pflanzen in die Erde gebracht worden waren. 1,5 Millionen Setzlinge ließ Hufmann 2015 zusätzlich pflanzen, 20 000 Pflanzen pro Hektar. Sie sollen kommendes Jahr den ersten Ertrag bringen.

Die Spargelsaison beginnt je nach Wetterlage Anfang April und endet traditionell mit dem Johannistag am 24. Juni. "Wir haben die Ernte etwas früher beendet", so Hufmann. Am 15. Juni war um Rauschendorf der letzte Spargel für dieses Jahr gestochen worden. Die Anlagen seien noch relativ jung, sie sollten geschont werden.

Sein Spargel wurde in Restaurants, Groß- und Supermärkte im Norden geliefert, bis auf Usedom und Rügen. Daneben sei der Hofladen sehr gut gelaufen, erklärt Hufmann. Auch nach Margaretenhof wurde geliefert.

Hufmanns Direktkunden wunderten sich in den vergangenen Monaten über die Spargelberge, die ihnen auf der Fahrt zum Rauschendorfer Hofladen am Straßenrand auffielen. Hier würden große Mengen verkippt und mit Gülle überschüttet, hieß es immer wieder. Das leugnet Hufmann keineswegs. Er kann das Unverständnis darüber nachvollziehen, müsse aber wirtschaftlich denken. "Es gibt gewisse Vorgaben wie Sortierungen auszusehen haben, zu Krümmung, Farbe oder auch Öffnung des Kopfes." Parameter, die eingehalten werden müssten, um den Spargel vermarkten zu können. "Danach wird sortiert." Stangen, die nicht den Ansprüchen genügten, wiederum zu sortieren und weiterzugeben, wäre mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden, sagt Hufmann. Denn der größte Posten in seinem Betrieb seien Lohnkosten. Den Saisonarbeitern aus Osteuropa - vorrangig aus Rumänien - wird Mindestlohn gezahlt, 8,50 Euro pro Stunde.

Die Kritik am großflächigen Anbau unter Folie ist während dieser ersten Saison indes leiser geworden. Die Bürgerinitiative (BI) Lebenswerte Dörfer - Gransee hatte auf die Zerstörung des Lebensraumes von Vögeln hingewiesen. Neben den Spargelfeldern bei Brandenburg an der Havel liegen auch Teile der Rauschendorfer Anbauflächen am Rand eines Vogelschutzgebietes.

BI-Mitinitiator Martin Sauer benannte zuletzt während eines Runden Tisches mit Vertretern von Umweltverbänden und Landwirtschaft Anfang April den Spargelanbau unter Folie als Grund für verlassene Brutplätze. Sauer kritisiert, die fehlende Fruchtfolge, die hohe Bewirtschaftungsintensität während der Brutzeit, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und das Folieren würden dazu führen, dass Tiere keine Lebensräume mehr vorfänden.

Gregor Hufmann setzt dem Fotos von Kranichen und dem Storchenpaar entgegen, die zwischen seinen Spargeldämmen regelmäßig auf Nahrungssuche seien. "Ich freue mich für Herrn Hufmann - er hat eine sicher sehr seltene Beobachtung gemacht", lautete Sauers Kommentar dazu.

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