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Fürs Leben lernen in Kamerun

Knapp 7700 Kilometer: So weit weg wird Helena Gold demnächst von ihrem Heimatort Zäckericker Loose entfernt sein. Die 17-Jährige geht für ein Jahr nach Kamerun, Afrika. Sie wird dort blinde und sehbehinderte Kinder unterstützen. Vorher braucht sie aber se
Knapp 7700 Kilometer: So weit weg wird Helena Gold demnächst von ihrem Heimatort Zäckericker Loose entfernt sein. Die 17-Jährige geht für ein Jahr nach Kamerun, Afrika. Sie wird dort blinde und sehbehinderte Kinder unterstützen. Vorher braucht sie aber se © Foto: MOZ
Mandy Timm / 03.07.2016, 07:09 Uhr - Aktualisiert 04.07.2016, 13:09
Zäckericker Loose (MOZ) Gerade noch Abiturientin, demnächst freiwillig zur Entwicklungshilfe in Afrika: Helena Golds neuer Lebensabschnitt beginnt 7680 Kilometer von ihrer Heimat entfernt in Kamerun. Sie wird dort ein Jahr lang leben und Blinden und Sehbehinderten zur Seite stehen.

Hätten Helenas Eltern einen anderen Lebensplan ausgerufen, wer weiß wohin es die junge Frau getrieben hätte. So aber praktiziert sie eben das Motto, was ihre Eltern vorleben: "Angst ist kein Lebenskonzept". Helena Gold, 17 Jahre, gerade das Abitur am Evangelischen Johanniter-Gymnasium absolviert, geht, um zu helfen. 7680 Kilometer weit weg. Nach Bamenda, der viertgrößten Stadt im afrikanischen Kamerun. Ihr Flugzeug startet am 30. August. Ihren Eltern wäre wohl ein Aupair-Platz in Großbritannien lieber gewesen. "Sie waren erst nicht so glücklich über meinen Plan", sagt Helena. Inzwischen hätten sie sich an den Gedanken gewöhnt und unterstützen ihre älteste Tochter.

Weltwärts heißt das Programm, das sich Helena für ihr Vorhaben ausgesucht hat. Sie wollte nach dem Abi nicht gleich die Schulbank durch den Hörsaal tauschen. "Ich wollte schon immer erst etwas ganz anderes machen, Erfahrungen fürs Leben sammeln", sagt sie. Es sollte ein französisch-sprachiges Land sein, in dem sie anderen hilft. Das Kriterium engte die Auswahl deutlich ein. Afrika rückte näher. 80 Prozent der Einheimischen sprechen in Kamerun Französisch, 20 Prozent Englisch. Das liegt an dem französisch-britischen Mandant, in das das Land 1919 durch den Versailler Vertrag überging. Die Verwaltung übernahmen Großbritannien und Frankreich.

Helena wird sich in Kamerun um blinde und sehbehinderte Kinder kümmern, die eine Spezialschule besuchen. "Ich werde gewissermaßen als Übersetzerin arbeiten", erklärt sie. Das heißt, sie wird Blindenschrift in Schwarzschrift übersetzen. Braille heißt die Punktschrift, die durch Papier gedrückt und mit den Fingern ertastet wird. Entwickelt hat sie ein Franzose, 1825, Louis Braille war sein Name. Helena wird an der Schule wohl auch assistieren und Nachhilfe geben. Zwei Seminare in Essen hat sie inzwischen besucht, die von ihrer Organisation vorbereitet waren. Verschiedenste Themen, die den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst betrafen, spielten dort eine Rolle. Es ging aber auch um Hygiene und Tropenkrankheiten. Vor ihrer Abreise stehen für Helena noch etliche Impfungen an.

Interessant ist für sie, dass sie plötzlich für ein Thema sensibilisiert ist, das vorher gar nicht präsent war. Die Belange gehörloser Menschen sind bei "weltwärts" ebenfalls ein Thema. "Mir ist das vorher nie aufgefallen", sagt Helena, "jetzt begegnen mir immer einmal wieder Gehörlose." Gebärden zu lernen, ist ein weiteres Ziel, das sie sich während ihrer Zeit in Afrika vorgenommen hat. Ansonsten ist sie gespannt, was jetzt kommt. "Ich freue mich sehr auf die andere Kultur, die mich erwartet", sagt die 17-Jährige. "Wenn man Urlaub anderswo macht, lernt man in der Regel nur die Oberfläche des Landes kennen. Ein Freiwilligenjahr ist schon etwas anderes."

Weltwärts ist ein Gemeinschaftswerk des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Zivilgesellschaft. 75 Prozent der Kosten, die Helena im kommenden Jahr entstehen werden, übernimmt die Organisation. Die restlichen 25 Prozent sollten aus Spenden eingeworben werden, heiß es. Dafür sucht Helena aus Zäckericker Loose noch - Freiwillige. Wer ihr Vorhaben unterstützen möchte, kann sich an sie wenden.

Ein Jahr lang wird die junge Frau demnächst nun unterwegs sein. Sie wird in einer ortsüblichen Unterkunft untergebracht sein, sich das Zimmer mit einer weiteren Freiwilligen teilen. Wenn sie wieder zurück ist, will sie ein Studium beginnen. "Momentan Medizin", sagt Helena. "Was anderes kann ich mir gerade nicht vorstellen."

"weltwärts-Kontoverbindung" Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit; Bank für Sozialwirtschaft; IBAN DE89370205000008040703; BIC BFSWDE33XXX (Köln); Stichwort: Spende; 2. Stichwort: bezev_2016CISPAM

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