Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Die Männerwelt ist kein Problem für sie

Mit der Uniform ihres verstorbenen Opas: Das Kleidungsstück inspirierte Carolin Mettke dazu, sich bei der Freiwilligen Feuerwehr in Werder einzubringen. Seit zwei Jahren ist sie dort als Ortswehrführerin im Einsatz
Mit der Uniform ihres verstorbenen Opas: Das Kleidungsstück inspirierte Carolin Mettke dazu, sich bei der Freiwilligen Feuerwehr in Werder einzubringen. Seit zwei Jahren ist sie dort als Ortswehrführerin im Einsatz © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Annika Bischof / 08.08.2016, 06:06 Uhr
Werder (MOZ) Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Viele haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig und interessant. Und alle haben etwas zu erzählen. Die MOZ stellt in einer Serie Gesichter aus Oder-Spree vor. Heute: Carolin Mettke.

Dass in ihrem Wohnzimmer Kälber stehen und blökend ihre Portion Milch einfordern, kommt bei Carolin Mettke nicht selten vor. Was ungewöhnlich anmutet, ist für die 26-Jährige und ihre dreiköpfige Familie Alltag. Die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation freut sich nach Feierabend auf ihren kleinen Hof in Werder (Gemeinde Tauche) zurückzukehren. Dort warten Kälber, Pferde, Schafe, Hund und Katze auf sie. Das mit ihnen viel Arbeit verbunden ist, schreckt sie nicht ab. Carolin Mettke packt gern mit an und sieht und findet Lösungen, auch wenn es manchmal knifflig wird. Diese Eigenschaft kommt ihr als Ortswehrführerin in ihrem Dorf zugute. Sie ist die einzige Frau in der gesamten Gemeinde, die diese Position innehat und mit viel Leidenschaft ausfüllt. "Frauen scheuen sich meist noch, weil sie es doch eher als Männersache ansehen und es gibt durchaus Wehren, die es gut finden "unter sich' zu sein, dabei schadet ein wenig weiblicher Einfluss nicht", spricht die Werderin aus Erfahrung.

Ihr Großvater Otto Franzke gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Wehr 1931, bis zu seinem Tod blieb er ihr treu. "Seine Uniform hing Jahre lang bei meiner Oma im Schrank", erzählt Carolin Mettke. Heute hat sie die Uniform an sich genommen, nur passen tut sie nicht. "Ich habe meine eigene", sagt sie mit einem Lächeln. Ihr Einsatz für die Feuerwehr ist zwar kein Kindheitstraum, aber auch keine Überraschung für die Werderin. Auf einem Dorffest sprach sie der Ortsvorsteher an, ob sie mitmachen wolle. Carolin Mettke stimmte zu und fand sich kurzerhand in diversen Lehrgängen wieder. "Ich habe eine Truppmannausbildung absolviert und Kurse in Erster Hilfe, als Sprechfunker und Maschinist gemacht", zählt sie auf. Zudem ging sie für zwei Wochen an die Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt. "Während bei den anderen Kursen auch andere Frauen dabei waren, war ich bei diesem Kurs die einzige", erinnert sie sich. Als nächstes möchte sie noch an einem Ortswehrführer-Lehrgang teilnehmen.

Wie wichtig ihr die Ausbildung ist, zeigt sich auch an den monatlichen Versammlungen der Freiwilligen Feuerwehr in Werder. "So bleibt man im Stoff", betont sie. Ordner voll mit Dokumenten zur Weiterbildung der zwölf Männer und vier Frauen durchforstet sie dann, um für die Sitzung gut vorbereitet zu sein. "Die Büroarbeit bleibt letztlich an mir hängen", sagt sie. Das sei auch beim Schreiben der Einsatzberichte so, die sie anfangs noch per Hand schrieb, bis sie von der Gemeindeverwaltung erfuhr, dass es dafür auch Vordrucke gibt.

Im Rückblick fand sie die Anfangszeit als Ortswehrführerin sehr holprig. Unterdessen hat sie sich in vielen Bereichen eingefuchst, vor allem aus einem Grund: "Die Kameraden hielten zu mir und ich konnte mich auf sie verlassen, wenn es hart auf hart kam." Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Dennoch gibt es Dinge, die ihre ehrenamtliche Arbeit erleichtern würden. So wünscht sie sich seit ihrem Amtsantritt einen Stellvertreter, der ihr mit Erfahrung und Rat zur Seite steht. "Gern kann das auch jemand sein, der älter ist. Dann kann er oder sie mich korrigieren, wenn ich mal Quatsch erzähle", sagt sie. Auch ein Zuwachs an Mitgliedern würde sie begrüßen, denn dieser sei über die letzten Jahre verhalten gewesen. "Gerade Fraue n sind für die Wehren eine echte Bereicherung, da sie Bereiche abdecken, die den Männern eventuell schwerer fallen, zum Beispiel Erste Hilfe oder die Betreuung von verletzten Personen", wirbt Carolin Mettke. Sie sieht in Frauen Multitalente, die für die Freiwillige Feuerwehr wie geschaffen sind. Von der Männerdomäne ließ sie sich zumindest nicht abschrecken. "Ich bin in der Landwirtschaft groß geworden", nennt sie einen Grund für ihre Selbstsicherheit im Umgang mit dem anderen Geschlecht.

Rund vier Einsätze fährt die Wehr aus Werder jedes Jahr. Meist handelt es sich um technische Hilfeleistungen bei Sturmschäden oder Ölspuren. Hinzukommen Ausscheide und Übungen, bei denen der alte Robur aus den 1980er-Jahren zum Einsatz kommt. Ihr dreijähriger Sohn Jack bekommt davon schon eine Menge mit. Hat er anfangs noch das Geräusch der Sirene imitiert, fragt er jetzt schon gezielt nach, wenn seine Mama die Uniform anzieht: "Musst du wieder rennen?"

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG