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Abflauende Nachfrage

Die Blüte kommt: Bereits jetzt deutet sich an, dass die Heidefläche mehr Farbenpracht zeigen dürfte als 2015. In Neuglienicke soll bald die touristische Erschließung mit Parkplatz und öffentlichen Toiletten vorangetrieben werden. Darauf setzt Klaus Keil.
Die Blüte kommt: Bereits jetzt deutet sich an, dass die Heidefläche mehr Farbenpracht zeigen dürfte als 2015. In Neuglienicke soll bald die touristische Erschließung mit Parkplatz und öffentlichen Toiletten vorangetrieben werden. Darauf setzt Klaus Keil. © Foto: MZV
Christian Schönberg / 10.08.2016, 18:37 Uhr
Neuglienicke/Pfalzheim (MZV) Das leuchtende Pupurviolett der Heidekräuter - das macht einen großen Reiz der Landschaft aus, die sich auf dem Gelände des einstigen Luft-Boden-Schießplatzes mitten in Ostprignitz-Ruppin erstreckt. Derzeit ist die Blüte schon früh dran - und scheint deutlich üppiger zu werden als im enttäuschenden vorigen Jahr.

Klaus Keil, der die Gastwirtschaft "Kleines Waldhaus" im Neuruppiner Ortsteil Neuglienicke betreibt, macht sich dennoch Sorgen. "Im vorigen Jahr war die Nachfrage zu diesem Zeitpunkt schon größer", sagt er und mutmaßt: Dadurch, dass jetzt ein Weg für jeglichen Fußgänger-, Radfahr- und Reiterverkehr offen und niemand mehr auf geführte Kremser-Touren angewiesen ist, flaut das Interesse an Angeboten der Touristikunternehmer ab.

"Es muss sich unbedingt etwas entwickeln", findet er. Ein ausgebauter Parkplatz in unmittelbarer Nähe des geöffneten Wegs im Sperrgebiet gehöre dazu. "Es gibt auch schon Gespräche mit der Stadt Neuruppin darüber", so Keil. Doch die Eigentumsverhältnisse auf dem ausgeguckten Gelände sind zu bedenken. Überdies sieht Keil die Notwendigkeit einer öffentlichen Toilette an der Wanderroute und ihren Anlaufpunkten. Seine sanitären Einrichtungen allein reichen nicht, wenn Leute nach langer Tour bei ihm rasten und ihr nötiges Geschäft erledigen müssen. "Bei 30bis 40Leuten geht es noch, aber wenn zwei, drei Gruppen kommen, wird es schon schwierig", so Keil.

Zudem sind bei der Tour an sich die Kremserfahrt-Teilnehmer bei dringenden Bedürfnissen darauf angewiesen, in den Wald zu gehen oder bis Neuglienicke zu warten. Der Storbecker KutschUnternehmer Torsten Stelly selbst findet, dass Abhilfe dringend geboten ist. "Ich habe auch schon einen Vorschlag gemacht", sagt er mit Blick auf in Skandinavien erprobte Kompost-Toiletten: "Sie sind so konzipiert, dass keine Gerüche entstehen", sagt Stelly. Erst nach drei Jahren müssen sie entleert beziehungsweise entsorgt werden. "Das wäre eigentlich eine elegante Lösung."

Die Frage ist aber, wer das finanziert. Die Anlagen müssen ja gebaut werden. Die Heinz-Sielmann-Stiftung, die für die Säuberung des jetzt freien Wanderweges und damit für seine Freigabe sorgte sowie Infostände, Pavillons und ein Leitsystem baute, hat bisher noch keine errichten lassen. Die touristische Erschließung sei nun aber Aufgabe der Kommunen und der Akteure, die davon profitieren: die Touristik-Unternehmen. "Unsere Aufgabe ist der Naturschutz", sagt Projektleiter Lothar Lankow. Fachveranstaltungen wie fledermauskundliche Wanderungen - darum gehe es der Stiftung nach den vergangenen Anstrengungen jetzt.

Die Stadt Neuruppin sieht sich nun durchaus in der Pflicht: Zwar stehen die nötigen Investitionen für Parkplatz und Toiletten nicht auf der Prioritätenliste des Haushalts ganz oben, sagte am Mittwoch Bürgermeister Jens-Peter Golde(Pro Ruppin): "Aber deshalb holen wir die Stadtwerke mit ins Boot." Mit Vertretern dieses kommunalen Unternehmens war der Rathaus-Chef auch schon vor Ort in Neuglienicke. Womöglich könnten schon im nächsten Jahr Nägel mit Köpfen gemacht werden. "Wir sind selbst daran interessiert, dass sich etwas entwickelt und wollen damit niemanden allein lassen", sagte Golde.

Ob die Nachfrage nach Touren sinkt, wird von Kremserunternehmern durchaus unterschiedlich gesehen. "Man kann sich nicht nur auf die Heide konzentrieren", macht der Wallitzer Karsten Fechtner deutlich, dass dieses - wenn auch große - Stück Natur allein nicht zieht. Jürgen Strache aus Zermützel setzt vor allem darauf, dass gerade die "Wiederholungstäter" aus Berlin weiter auf die Kremser setzen. "Ob sie wirklich selbstständig reingehen, weiß ich nicht", sagte er. "Viele Kunden sind aber gar nicht mehr so gut zu Fuß, und der Weg ist lang." Sie zählen deshalb auf Kutschfahr-Angebote.

Stelly verweist zudem darauf, dass sich insbesondere in und um Pfalzheim schon einiges getan hat. Dort steht bereits ein großer Parkplatz, der als Anlaufpunkt für viele Freunde des sanften Tourismus dient . Für alle, die aufbrechen wollen, sei das "wirklich top und empfehlenswert", so Stelly. Nicht zuletzt das dort wieder für den 27.August geplante Heidefest zeugt davon, dass der Temnitzqueller Ortsteil schon einen gewissen Vorsprung hat.

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