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Auf der Börnicker Streuobstwiese entsteht ein Schulgarten, in dem Anbautechniken der Inkas und Indianer erprobt werden

Das Beet der drei Schwestern

Olav Schröder / 13.08.2016, 05:15 Uhr
Börnicke (MOZ) Ein Milpa-Beet - auch "Beet der drei Schwestern" genannt - ist die neue Attraktion auf der Börnicker Streuobstweise. In der Mitte des Ortes entwickelt die Lokale Agenda 21 seit mehreren Jahren einen Schulgarten. Traditionelle Anbauweisen von Inkas und Indianern gehören zu seinen Besonderheiten.

Nicht ohne Stolz verweisen Wolfgang Lösche und Peter Schubert aus Börnicke auf die vor wenigen Jahren angelegte Streuobstwiese direkt an der Ortsdurchfahrt. Dort stehen Apfel- und Birnen-, Kirschen- und Pflaumenbäume. "Sie fangen jetzt an zu tragen", sagt Wolfgang Lösche. Nicht weit entfernt steht eine ausgewachsene Birne voller Früchte, die einem Herrn von Ribbeck zur Ehre gereichen würde.

Etwa vier bis acht Börnicker, jüngere und ältere treffen sich immer mittwochs von 14 bis 17 Uhr auf der von der Stadt Bernau zur Verfügung gestellten Streuobstwiese und entwickeln sie zu einem Schau-, Lehr- und Experimentier-Garten. Als jüngstes Beispiel haben sie das "Beet der drei Schwestern" angelegt. Es geht auf eine indianische Anbauweise zurück. Auf engem Raum werden Mais, Kürbis und Stangenbohnen angebaut. "Am stabilen Mais ranken die Stangenbohnen empor, die Kürbisblätter spenden Schatten und alle drei entwickeln sich gesund", beschreibt Wolfgang Lösche das Wechselspiel der Pflanzen.

Doch was oberirdisch zu sehen ist, stellt nur die halbe Sicht der Dinge dar. Bei der Herstellung eines fruchtbaren Bodens haben die Gärtner der Lokalen Agenda Anleihen bei den Inkas und Indianern gemacht - inspiriert von dem Schönower Autor Haiko Pieplow. "Sie beherrschten die Praxis, einen Wertstoffkreislauf aufzubauen", berichtet Peter Schubert. Auf wenig Platz würden so nicht nur hohe Erträge erzielt. Die Pflanzen seien auch widerstandsfähiger.

Selbst hergestellte Holzkohle steht dabei im Mittelpunkt. Schon drei Jahre bevor das Milpabeet entstand, wurde sie in den Boden eingebracht. Geäst und Zweige aus Börnicke vom Vorjahr werden in eigens zusammengefügten alten Zubern zu Pflanzenkohlebröseln verbrannt - rauchlos, wie Peter Schubert sagt. Lediglich beim Anzünden entstehe etwas Qualm. Zusätzlich wird Zeolith beigemischt, ein Lavagestein, dass die Schwermetalle im Boden dauerhaft bindet, so dass es von Pflanzen nicht mehr aufgenommen werden kann. Die Brocken werden schließlich mit einer angesetzten Jauche aus Brennnessel, Beinwell und Ackerschachtelhalm "aufgeladen", also übergossen. Außerdem binde die Holzkohle Kohlendioxid dauerhaft im Boden, und zwar über mehrere tausend Jahre, sagt Peter Schubert. Unterm Strich verwandelt die "Kohle" die Erde in einen nährstoffreichen, wasserspeichernden Boden. "Ein Gramm Holzkohle kann sieben Gramm Wasser im Erdreich halten", sagt er. Der Boden wird locker und leicht. Das wirkt sich auch bei den immer häufigeren starken Regengüssen positiv aus. Vier Pflanzkästen, die mit Lehm-erde, mit einem Erde-Sand-Gemisch, mit Pflanzenerde beziehungsweise mit Holzkohle-Erde gefüllt sind, veranschaulichen dies. Wird reichlich bewässert, entsteht lediglich bei dem Kohle-Boden keine Überschwemmung. Das Wasser dringt sofort ein.

Solche Experimente führt die Lokale Agenda regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen durch. 2015 waren es insgesamt 280 junge Leute, die unter anderem Sauerkraut selbst herstellten - und Geschmack daran fanden. Der "Kräuter-Michel" stellt einen übergroßen liegenden Menschen dar. Die 35 Kräuter wachsen auf dieser Figur, wo sie später wirken. Salbei und Minze am Hals, Wermut am Magen und Johanneskraut für ein gutes Gedächtnis und gegen schlechte Stimmungen am Kopf.

Darüber hinaus gibt es viele Pflanzen zu bewundern: Amaranth, der Weizen der Inkas, die Ostfriesische Grünkohl-Palme, die Yaconpflanze aus Südamerika, deren Knollen Diabetikern als Ersatz für Kartoffeln dienen, die Schottische Esel-Distel, die rote Indianernessel Monarda oder die Kanadische Goldrute.

Am 1. Sonntag im Oktober wird das Apfelfest gefeiert. Anwohner in Börnicke können dann kleinere Mengen Obst pressen lassen. Darüber hinaus sind sie jeweils mittwochs von 14 bis 17 Uhr willkommen. Geerntet wird dabei auch.

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