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Badeparadies hinterm Neuen Deich

Ganz in Familie: Madlen und Silvio Zachau aus Sophienthal kommen mit ihren beiden Kindern gern an die Naturbadestelle Sydowswiese. Seit der kleine Fabian am 21. Juli das Licht der Welt erblickte, ist er natürlich mit von der Partie.
Ganz in Familie: Madlen und Silvio Zachau aus Sophienthal kommen mit ihren beiden Kindern gern an die Naturbadestelle Sydowswiese. Seit der kleine Fabian am 21. Juli das Licht der Welt erblickte, ist er natürlich mit von der Partie. © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 21.08.2016, 07:47 Uhr
Sydowswiese (MOZ) Lauschige Plätze unter alten Bäumen, traumhafte Blickfänge zwischen Gartenblumen, Idyllen an Badeseen oder auf dem heimischen Balkon - die MOZ möchte in einer Serie Ihre Lieblingsorte vorstellen. Heute: Naturbadestelle Sydowswiese.

Mal auf der Radtour auf dem Oder-Neiße-Radweg von Frankfurt nach Schwedt kurz in der Alten Oder erfrischen? Selbst FKK ist an der Naturbadestelle Sydowswiese kein Problem. So huscht denn auch bei der MOZ-Stippvisite dort ein älteres Paar nach dem Baden in ihr Fahrraddress. Janine Rompel, sie macht Urlaub bei ihren Eltern in Letschin, hat ihren Freund gerade nach Sydowswiese entführt. Denn die Badestelle ist natürlich auch ein romantischer Ort.

Die MOZ hat sich mit Familie Zauchau dort verabredet. Madlen Zauchau ist mit dem Baden dort an der Alten Oder aufgewachsen. Die gelernte Bäckerin, die jetzt mit ihrem kleinen Fabian im Mutterjahr ist, kommt mit der ganzen Familie und Freundinnen gern an diesen Ort. Fabian wäre beinahe zum "Jubiläumsbaby" Sophienthals geworden. Denn sein Geburtstermin war der 16. Juli, der Tag der großen 250-Jahr-Feier. Das wäre natürlich eine tolle Ansage im Festumzug geworden, wenn der jüngste Sophienthaler genau an diesem Tag geboren worden wäre. So aber ließ er sich etwas Zeit und gönnte seiner Mama die Teilnahme am Fest. Erst am 21. Juli kam er mit 3440 Gramm in Frankfurt auf die Welt, war 50 Zentimeter groß. "In meiner Kindheit war hier immer viel los. Hier traf sich das ganze Dorf. Wir Kinder haben hier gespielt und viel Spaß gehabt", erzählt Madlen Zachau von ihrem Lieblingsort, während Fabian friedlich schläft.

Die Badestelle verdankt ihr Dasein dem Deichbau zwischen 1938 und 1945. Der Neue Deich, mit dem der Kalenziger (heute Sophienthaler) Polder trockengelegt wurde, teilt einen Altoderarm. Unterhalb des Neuen Deiches im Polder begannen bereits Anfang der 1960er Jahre Feierabendbrigaden mit der Gestaltung der Naturbadestelle. Im Juni 1973 wurde daraus sogar ein "Bade- und Freizeitzentrum" mit Sprungturm, Wasserrutsche und Kinderkarussell. Ein massiver Kiosk, Umkleidekabinen und Plumpsklos entstanden. Die Ortsgruppe des DAV, Rentner wie Erwin Bröhl, Werner Preuß und Willi Schulz sowie die LPG Zechin/Sophienthal, die Letschiner PGH "Oderbruch" und Betriebe wie das Gut Wollup oder das Zuckerkombinat unterstützten die Initiative. Inzwischen ist der Kiosk als "Schutzhütte" deklariert, die Toiletten sind eingewachsen. Den Trubel von einst gibt es längst nicht mehr. Dafür sind Naturschutzeulen-Schilder hinzugekommen. Ein Schild verbietet sogar das Baden von Tieren, wobei sich weder Biber noch Enten daran halten.

Für Silvio Zachau, den Feuerwehrchef von Sophienthal, der seit zehn Jahren im Dorf wohnt, hat die Badestelle kaum etwas von ihrem Reiz verloren. Auch seine Kindheit war von der Alten Oder geprägt, erzählt der gebürtige Manschnower, der in Wollup als Gärtner arbeitet. Allerdings badete er einst in der Padde bei Neu Manschnow, die jetzt wieder rekultiviert wird. Klar, dass er mit den Besonderheiten des Naturgewässers, wie dem zum Teil bewachsenen Flussbett, gut umgehen kann.

Für den siebenjährigen Tobias ist der Spiel- und Badestrand vor allem dann ein Lieblingsort, wenn er dort Freunde zum Spielen findet. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist groß. Allein der Letschiner Ortsteil Sophienthal hat schon viele Kinder. Und wenn die der "Berliner" oder die Enkel an Wochenenden und in den Ferien da sind, verdoppelt sich die Zahl. Auch aus den anderen Gemeinden kommen Badegäste. Pensionen wie der Erlenhof in Kienitz Nord geben ihren Gästen gern den Hinweis auf diese Naturbadestelle, die noch immer durch ehrenamtliche Kräfte, insbesondere die Angler, in Schuss gehalten wird.

Seit den 1990er-Jahren war der Zugang zur Badestelle über den Deichverteidigungsweg für private Kraftfahrzeuge gesperrt. Ein Zustand, den zahlreiche Bewohner kritisierten. Nach dem Hochwasser vor knapp 20 Jahren begann die Gemeinde, sich gegenüber dem Landesumweltamt (LUA) für eine Zufahrt stark zu machen. Ein erster Erfolg wurde 2004 erzielt: Letschin erkannte die Badestelle offiziell an: Das Wasser wird seitdem auch vom Kreis beprobt.

Im Herbst 2009 kam dann der Durchbruch: Private Autofahrer dürfen den Deichabschnitt bis zur Badestelle von April bis Oktober nutzen. Ein Gestattungsvertrag zwischen LUA und der Gemeinde macht es möglich. Darin verpflichtet sich die Gemeinde, eine ganze Liste von Auflagen zu erfüllen. So muss sie nicht nur für Sauberkeit und Ordnung sorgen, sondern auch wildes Campen an der Badestelle unterbinden. Geparkt werden darf ausschließlich an den gekennzeichneten Flächen. Dorffeste dürfen nicht an dem idyllischen Fleckchen gefeiert werden, Gastronomen keinen Imbissstand eröffnen. Das Ordnungsamt muss während der Saison kontrollieren, ob sich die Badegäste an die Regeln halten und mindestens einmal am Wochenende nach dem Rechten schauen.

Erzählen Sie uns von Ihrem Lieblingsort, Tel. 03346 472 oder per E-mail: seelow-red@moz.de

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