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Oberkrämers Jugendkoordinatorin nimmt Abschied

Marlies Arian: Die vierfache Mutter ist seit zwei Jahrzehnten Ansprechpartnerin für Kinder und Jugendliche.
Marlies Arian: Die vierfache Mutter ist seit zwei Jahrzehnten Ansprechpartnerin für Kinder und Jugendliche. © Foto: MZV/Robby Kupfer
Robby Kupfer / 23.08.2016, 07:30 Uhr
Eichstädt (OGA) Die Mappe ist dick, sehr dick. Wenn Marlies Arian den Ordner aufschlägt, in dem sie Zeitungsberichte aus zwei Jahrzehnten Jugendarbeit in Oberkrämer gesammelt hat, staunt sie manchmal selbst über den Umfang des Materials. "Ich habe hier wirklich eine Menge erlebt", so die 62-jährige beim Blick in die Mappe.

Als sie sich 1996 auf den neu geschaffenen Job als Jugendkoordinatorin im damaligen Amt Oberkrämer bewirbt und angenommen wird, bringt die Mutter von vier Kindern bereits einiges an Lebenserfahrung mit. Geboren und aufgewachsen in Oranienburg, Lehre und Facharbeiter-Abschluss als Zootechnikerin; von der Landwirtschaft über eine Zwischenstation im Stahlwerk Hennigsdorf zur Fachverkäuferin und späteren Filialleiterin im Germendorfer Konsum; nach einem Studium an der Gewerkschaftsschule des FDGB Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Handel/Nahrung/Genuss in Oranienburg und nach der Wende Gewerkschaftssekretärin in Potsdam - Marlis Arian konnte schon damals auf einen bewegten Lebenslauf zurückschauen. "Doch der 60-Stunden-Job als Gewerkschafterin ließ sich mit Ehemann und vier Kinder irgendwann nicht mehr vereinbaren", so Arian.

Aber auch als frisch gebackene Jugendkoordinatorin war die Arbeit kein Zuckerschlecken. Neben der berufsbegleitenden Ausbildung zur Sozialpädagogin - "Meinen Abschluss habe ich mit 50 gemacht!" - galt es, die grundlegenden Strukturen der Jugendarbeit in den Ortsteilen Oberkrämers zu schaffen. "Am Anfang hatte ich weder ein festes Budget noch ein Büro", erinnert sich Arian. Nichtsdestotrotz seien die Forderungen an die Jugendarbeit hoch gewesen. Allerdings habe sich auch bei den Verantwortlichen schon bald die Erkenntnis durchgesetzt, dass es wenig bringe, "mit der Glocke durchs Dorf zu laufen und die Kinder und Jugendlichen einzusammeln".

Dass Oberkrämer heute mit sechs Jugendclubs in Eichstädt, Marwitz, Bötzow, Vehlefanz, Schwante und Bärenklau im Vergleich mit anderen Gemeinden sehr gut dasteht, ist auch ein Verdienst der Jugendkoordinatorin, die bei den Kindern und Jugendlichen in Oberkrämer den Ruf einer Frau genießt, der man unbedingt vertrauen kann, die aber auch ungeheuer konsequent auf ihrer Haltung besteht. Als vor Jahren fünf Jugendliche aus Vehlefanz wegen offen rechter Gesinnung Clubverbot bekamen und später doch wieder in den Club wollten, nahm sie diese zunächst in die Gedenkstätte Sachsenhausen und dann zu einem Treffen mit Spätaussiedlern mit. "Persönliche Erlebnisse gegen vorgefertigte Meinung setzen", nennt die 62-Jährige das. Die in ihrem Beruf ganz konsequent mit der Zeit geht. "Inzwischen läuft auch bei mir vieles über WhatsApp. Ich bin in mehrere Gruppen meiner Jugendlichen eingeladen, was natürlich ein Vertrauensbeweis ist. So bin ich nicht nur nah dran an ihren Problemen oder Wünschen, sondern kann zum Beispiel auch Termine schnell verbreiten oder sogar inhaltlich in Diskussionen einsteigen", betont Marlies Arian die positiven Seiten sozialer Medien. Doch sie sieht zugleich auch deren Nachteile: "Bei der Arbeit direkt in den Clubs muss man sich heute schon sehr viel einfallen lassen, um die Kinder von ihren Handy-Displays wegzubekommen".

Noch knapp ein Jahr wird ihr dies sicherlich gelingen. 2017, mit 63, will sich Marlies Arian dann in den verdienten Ruhestand verabschieden.

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