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Friedensfahrt auf den Deichen

Einweihung in Nieschen: Am Abzweig des Neuen Deiches im Genschmarer Ortsteil erinnert eine Info-Tafel an den Deichbau und das Reichsarbeitsdienstlager. Bürgermeister Dirk Hundertmark bedankt sich bei allen Initiatoren für dieses vom Wissenschaftsministeri
Einweihung in Nieschen: Am Abzweig des Neuen Deiches im Genschmarer Ortsteil erinnert eine Info-Tafel an den Deichbau und das Reichsarbeitsdienstlager. Bürgermeister Dirk Hundertmark bedankt sich bei allen Initiatoren für dieses vom Wissenschaftsministeri © Foto: Matthias Lubisch
Ulf Grieger / 05.09.2016, 21:53 Uhr - Aktualisiert 06.09.2016, 13:38
Sydowswiese/Nieschen (MOZ) Rund 100 Teilnehmer haben bei der dritten Kleinen Friedensfahrt am Sonntag an den Kriegsbeginn 1939 und die Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen im Oderbruch erinnert. Dabei wurden auch der Von-Haerlem-Stein in Sydowswiese sowie Infotafeln eingeweiht.

Das Fahrerfeld fand sich am Sonntag zum Start am Parkplatz Sydowswiese ein. Ein guter Partner der Aktion war dort erneut die in Groß Neuendorf ansässige Fahrrad-Mietstation "Oderlandrad. Die Fahrer im Alter zwischen fünf und 65 befuhren zunächst den rund sieben Kilometer langen Alten Deich, der vor allem von Freiwilligen aus Genschmar bestens präpariert worden war. In Nieschen wurden die Teilnehmer von Bleyen-Genschmars Bürgermeister Dirk Hundertmark sowie von Marek Tatarewicz, Vorsitzender des Stadtparlamentes von Kostrzyn (Küstrin) und Marta Banasiewicz vom Küstriner Rathaus begrüßt. Auf Initiative der Gemeinden Letschin und Bleyen-Genschmar, der Märkischen Oderzeitung, des Gewässer- und Deichverbandes und der Arbeitsinitiative Letschin sowie Dank Förderung durch das Wissenschaftsministerium erinnern jetzt dort Infotafeln an das Reichsarbeitsdienstlager (RAD) und den Bau des Neuen Deiches in den Jahren 1938 bis 1945 durch RAD-Lagerinsassen und Kriegsgefangene, die meist aus dem Stammlager im nahen Alt Drewitz (heute als Drzewice ein Stadtteil Kostrzyns). Francesca Axmann verlas das Gedicht "Oh Genschmar - Mörder meiner Jugend". Darin beschreibt der ehemalige RAD-Insasse Johannes Diebe das Lagerleben. Wegen des Landesfestes in Hoppegarten konnten zwar keine Landtagsabgeordneten teilnehmen. Aber Simona Koß (SPD), sie hatte maßgeblich zur Förderung des Projektes beigetragen, übermittelte ein Grußwort: "Gerade heute ist es sehr wichtig, auf die Folgen von Krieg, Verfolgung und auf Schicksale hinzuweisen", hieß es darin.

Rund 100 Teilnehmer waren am Sonntag auf dem Alten und Neuen Deich unterswegs. Sie erinnerten an den Kriegsbeginn  1939 und die Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen aus dem Stalag IIIC Alt Drewitz (Küstrin) und RAD-Lager-Insassen.
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In Sydowswiese bedankten sich Ortsvorsteher Botmer Mischke, Letschins Bürgermeister Michael Böttcher und Golzows Amtsdirektor Lothar Ebert bei allen, die zum Gelingen des Projektes beigetragen haben. Mischke würdigte den Oberdeichinspektor Von Haerlem als einen der wichtigsten Mitgestalter der Trockenlegung von Oder- und Warthebruch. Ihn zu ehren bedeute auch die Verpflichtung, dieses Kulturerbe zu bewahren. Böttcher sieht die Erinnerung an Zwangsarbeit und dem mit dem RAD verbundenen Terror nach innen auch als Mahnung, dass sich so etwas nie wiederholen darf. Marek Tatarewicz würdigte die Tatsache, dass sich nun auch im deutschen Nachbarland eine Initiative entwickelt hat, um an das große Stammlager IIIC Alt Drzewice zu erinnern, in dem rund 70 000 Kriegsgefangene unterschiedlicher Nationalitäten eingesperrt und zur Zwangsarbeit auch im Oderbruch eingesetzt wurden. Rund 12 000 von ihnen verloren durch die unmenschlichen Bedingungen ihr Leben. Der Vorsitzende des Stadtparlamentes lud ein, den Friedhof des Stalag IIIC zu besuchen und sich in der Ausstellung zu informieren, die im Gymnasium II dazu gestaltet wurde. Auch deutschsprachige Führungen seien dort möglich.

Horst Müller von der Arbeitsinitiative Letschin schilderte die schwierige Recherche zum bisher kaum untersuchten Gebiet. Die Arbeit sei längst noch nicht abgeschlossen. Zur Erinnerung gab es für alle Friedensfahrer eine MOZ-Tasse und einen Button.

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