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Scherben aus der Bronzezeit und spätmittelalterliche Straße in ein Meter Tiefe bei Bauarbeiten entdeckt

Herzberg uralter Siedlungsplatz

Jörg Kühl / 28.09.2016, 19:57 Uhr
Herzberg (MOZ) Herzberg war schon zur vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Dies belegen Scherben aus der Bronzezeit, die ein archäologischer Grabungstechniker beim Straßenbau entdeckt hat. Zudem wurde in ein Meter Tiefe eine Straße entdeckt, die bis zu 600 Jahre alt ist.

Der grundhafte Ausbau der Herzberger Ortsdurchfahrt wird, wie es bei vielen Bodeneingriffen vorgeschrieben ist, von Archäologen begleitet. Dabei sind interessante Entdeckungen gemacht worden. Wie Grabungstechniker René Irrgang von der Cottbuser Archäologie-Firma ABBU mitteilt, kam in ein Meter Tiefe eine Straße zum Vorschein, die aus dem 15. bis 16. Jahrhundert (Übergang Spätmittelalter-Frühe Neuzeit) stammt. Sie wurde aus aneinandergelegten Feldsteinen gebaut und lässt noch die Fahrspuren erkennen, die eisenbeschlagene Holzräder hinterlassen haben.

Im Grabungshorizont der alten Straße kam noch ein Detail zum Vorschein: Das Fragment eines Tongefäßes. Boden und Teile der Seitenwand sind intakt geblieben, ein Henkelansatz ist sichtbar. "Die Fundsituation lässt darauf schließen, dass das Gefäß so alt wie die Straße ist, oder älter." In Herzberg könne man gut beobachten, dass Gebiete, die jahrhundertelang kontinuierlich besiedelt sind, in die Höhe wachsen, so der Grabungstechniker, der über 25 Jahre Berufserfahrung verfügt.

Ein weiterer Grabungsplatz am Ortsausgang Richtung Lindenberg hat noch ältere Funde zutage gefördert: Scherben aus der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.). Um welche Art von Gefäßen es sich gehandelt habe, sei bisher nicht zu klären: "An den Fragmenten gibt es weder Anhaftungen von Hüttenlehm noch von Leichenbrand." Während die jüngere Scherbe seitlich mit regelmäßig angeordneten Rillen dekoriert ist, weisen die bronzezeitlichen Gefäßreste keinerlei Verzierungen auf. "Die Funde deuten auf einen Einzelfundplatz in der Nähe hin", so der Experte. Herzberg sei prädestiniert für ein Siedlungsgebiet. So sei der Ort auf einer Lehmkuppe errichtet. In den tieferen Lagen seien wasserführende Gräben nachweisbar.

Die Scherben werden nun im Cottbuser Büro der Grabungsfirma gesäubert, aufgearbeitet und katalogisiert. Anschließend gelangen die Funde ins Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege ins Wünsdorf. Die alte Straße wurde fotografisch und zeichnerisch dokumentiert. Inzwischen haben die Bauleute die Grube und somit die spätmittelalterliche Straße wieder zugeschüttet: Die beste Konservierungsform für historische Bodendenkmäler.

Die archäologischen Entdeckungen sowie einige vorher unbekannte moderne Leitungen haben den Zeitplan der Bauarbeiten ein wenig durcheinandergebracht, berichtet der zuständige Bauüberwacher Alexander Lender vom Planungsbüro Möller Nuthetal. Ursprünglich sollte die Straße vom Ortseingang aus Richtung Lindenberg bis zur ersten Einmündung in der Ortsmitte Ende September fertig werden, nun müsse man sich auf Mitte Oktober einstellen. Ein genauer Fertigstellungstermin werde noch öffentlich bekanntgegeben. Baustart war der 22. August.

Im Zuge der Baumaßnahme wird das neuzeitliche Pflaster der Landesstraße 231, das über die Jahrzehnte uneben geworden war und die Ortsdurchfahrt zu einer holprigen Angelegenheit machte, herausgenommen. Anschließend wird ein Regenwasserkanal eingebaut. Am Schluss erhält die Straße eine neue Asphaltdecke. Derzeit sind die Bauleute dabei, Leitungen umzulegen und Trinkwasser- und Gasversorgung einzubauen. Der Regenwasserkanal wird in diesen Tagen fertig. Hauptauftragnehmerin ist die Firma Matthäi aus Freienhufen.

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