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Einzigartiges Bauwerk: Küche statt Wehranlage

Der Schwedenturm in Wagenitz mit seinem Storchennest auf der Spitze.
Der Schwedenturm in Wagenitz mit seinem Storchennest auf der Spitze. © Foto: Born
Regine Born / 02.10.2016, 06:07 Uhr
Wagenitz (MOZ) Nicht nur eines der interessantesten Bauwerke des Ländchens Friesack, sondern zugleich auch eines der ältesten und einzigartig in Deutschland, ist der sogenannte Schwedenturm von Wagenitz. Im Jahre 1571 von Hartwig von Bredow als eigenartig anmutender turmartiger Küchenbau errichtet, bildete er mit der Meierei den Grundstein für das Wagenitzer Schloss. Er war Bestandteil der 1587 fertig gestellten Gesamtanlage mit dem massiven Herrenhaus.

Die Bezeichnung Schwedenturm lässt sich wahrscheinlich aus den Geschehnissen des Dreißigjährigen Krieges ableiten, als marodierende Schweden die Gegend verunsicherten. Bereits im Mittelalter wurden freistehende Küchenbauten bei Burgen, Klöstern und Schlössern errichtet. Dies diente vor allem dem Brandschutz, da von den Küchenkaminen mit großen Herdstellen und offenem Feuer eine erhebliche Brandgefahr ausging. Der Wagenitzer Schwedenturm ist ein 10 mal 10 Meter großer, durch eine Scheidewand in zwei gleichgroße Hälften geteilter Küchenbau. In jedem Raum befand sich an der Scheidemauer eine offene Herdstelle mit je einem sich nach oben hin verjüngenden Rauchfang. Eine Überdachung des Baus war seinerzeit weder geplant noch ausgeführt worden. Die jetzigen Gewölbe sind später eingespannt worden, ebenso wie die äußeren Strebepfeiler zur Verstärkung der Wände.

Als Küche wurde der Schwedenturm schon seit langem nicht mehr genutzt, vielmehr diente er anderen wirtschaftlichen Zwecken. So wurde er lange Zeit, nämlich bis 1945, auch für die Kühlung der auf dem Gut produzierten Milch genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Wohnraum knapp war, nutzte man den Schwedenturm auch zu Wohnzwecken.

Trotz der genialen Sicherung dieser einzigartigen Architektur hat die Standfestigkeit des Bauwerks im Laufe der Jahrhunderte erheblich gelitten. So kam es in den Jahren 1979/80 zu erheblichen Schädigungen des östlichen Rauchfangs. In der Nacht vom 8. auf den 9. Januar 1984 stürzte dann dieser Gebäudeteil vollständig ein. Um den Bau vor weiterem Verfall zu bewahren, fanden von 1991 bis 1994 umfangreiche Sanierungsarbeiten an dem noch vorhandenen Teil des einstigen Küchenbaus statt.

Insgesamt wurden 710.000 DM investiert. Am 1. Juli 1994 war es dann soweit; es erfolgte die Bauabnahme, und der Wagenitzer Schwedenturm erhielt den Status eines denkmalgeschützten historischen Bauwerks. Auch die Außenanlagen um den Turm herum erhielten ein neues Aussehen. Es wurden Grünflächen und Wege angelegt; heute laden Bänke zum Verweilen ein. Im Jahr 1995 wurde dann damit begonnen in dem westlichen noch intakten Raum eine Heimatstube einzurichten.

Übrigens ist der Schwedenturm heute bewohnt. Wie vielerorts im Havelland haben sich im Laufe der Zeit auch in Wagenitz Störche niedergelassen. So hatten von 1962 bis 1971 die Wagenitzer Adebars ihren Nistplatz auf dem Dach einer nahe gelegenen Scheune. 1972 wurde von einigen mutigen Wagenitzern auf dem damals noch vollständig erhaltenen Schwedenturm ein neuer Nistplatz eingerichtet. Dieser wurde noch im selben Jahr von einem Storchenpaar angenommen und drei Jungstörche wurden dort ausgebrütet. Bis zum heutigen Tag kehren die Störche nach Wagenitz auf den Schwedenturm zurück.

Am 29. Oktober beteiligt sich der Heimatverein Wagenitz - Rund um den Schwedenturm e.V. am diesjährigen Aktionstag "Feuer und Flamme für unsere Museen". Die Autorin ist Mitglied in diesem Heimatverein.

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