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Ranger Lino sorgt für Ruhe

Seit drei Jahren in Linum: Die Biologin Kristina Hühn hat den Internetauftritt zusammen mit dem Fotografen Enrico Wolf entwickelt. Hühn schreibt gerade ihre Doktorarbeit zum Thema "Kraniche, Landwirtschaft und Tourismus"
Seit drei Jahren in Linum: Die Biologin Kristina Hühn hat den Internetauftritt zusammen mit dem Fotografen Enrico Wolf entwickelt. Hühn schreibt gerade ihre Doktorarbeit zum Thema "Kraniche, Landwirtschaft und Tourismus" © Foto: MZV
Judith Melzer-Voigt / 07.10.2016, 18:26 Uhr
Linum (MZV) Sie sorgen immer wieder für Ärger bei Naturschützern und Einwohnern: Touristen, die sich bei ihrer Reise zu den Kranichrastplätzen nicht an Absperrungen und offizielle Wege halten, zu laut sind oder die Tiere auf andere Art und Weise stören. Ein Internetauftritt will nun dafür sorgen, dass wirklich alle wissen, wie sie sich im Rastgebiet verhalten müssen.

Ranger Lino ist sympathisch, keine Spur besserwisserisch und wirbt für Verständnis: Der virtuelle Vogel führt Linum-Besucher seit Kurzem durchs Teichgebiet. Er erklärt, was sie während der Kranichrast dürfen und was sie besser vermeiden sollten. Entwickelt hat ihn die Biologin Kristina Hühn gemeinsam mit dem Fotografen Enrico Wolf. "Lino soll Leute informieren, die herkommen und nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen", erklärt Hühn. Etliche Touristen würden nicht erst jemanden ansprechen und nach Verhaltensregeln fragen wollen. Für sie ist Lino nun der richtige Ansprechpartner. "Er gibt einen ersten Einblick", sagt sie Biologin.

Die 32-Jährige ist Doktorandin an der Humboldt-Universität Berlin. Seit drei Jahren arbeitet sie immer im Herbst in der Naturschutzstation Rhinluch. 2014 befragte Hühn rund 900 Besucher, was sie sich wünschen. Einige antworteten, dass ihnen die Infos nicht ausreichen. "Viele meinten aber auch, sie seien gut informiert", so Hühn. "Aber keiner weiß eigentlich richtig, wie er sich während der Kranichrast verhalten sollte."

Der Zufall wollte es, dass sich der Kameramann Enrico Wolf in der Naturschutzstation meldete. Er startete vor knapp einem Jahr damit, 360-Grad-Aufnahmen aus dem Rastgebiet aufzunehmen. "Es war bloß blöd, dass man den Leuten diese Aufnahmen nicht zeigen konnte", so Hühn. "Da dachten wir uns: Wir machen einen virtuellen Kranichranger." Ein Leitsystem für Naturfans sollte es werden. "Die Aufnahmen von Enrico Wolf vermitteln dabei Einblicke, die Touristen sonst nicht haben." Wolf stellte seine Kameras vor der Ankunft der Vögel in den gesperrten Bereichen auf. "Das lief also vollkommen störungsfrei", so Hühn. Auf der Internetseite können Besucher nun sehen, wo die Vögel schlafen - in 360-Grad-Optik und ganz ohne die Tiere zu stören. "Das ist ein Stück Aufklärung", sagt Kristina Hühn. "Die Leute sollen gar nicht die Notwendigkeit sehen, in diese gesperrten Bereich zu gehen. Der Zauber ist verflogen."

Es gehe ihr und Wolf nicht darum, noch mehr Besucher nach Linum zu locken. "Wir wollen die, die da sind, leiten." Die Internetseite mit Ranger Lino kann auch nur in Linum abgerufen werden - mit Hilfe eines kleinen schwarzen Smarts. Der Wagen parkt an unterschiedlichen Stellen im Dorf, mal im Ort selbst, mal im Kranichbereich. Er ist mit einer W-Lan-Box ausgestattet. Interessierte nehmen nur ihr Smartphone zur Hand, schalten das W-Lan an und können direkt auf "W-Lan Lino" zugreifen. Dann müssen sie lediglich ins Internet gehen und werden direkt auf die Ranger-Seite geleitet. Lino stellt sich dort erst einmal vor. Anschließend können Touristen unter verschiedenen Punkten wählen. Bei der Frage, wo die Kraniche übernachten, sind die 360-Grad-Aufnahmen von Enrico Wolf zu finden.

"Lino ist noch im Entstehen", erklärt Kristina Hühn. Es kann passieren, dass nicht alles auf Anhieb funktioniert. Aber kleine Startprobleme werden in den nächsten Wochen ausgeräumt. "Das Projekt soll eine Erleichterung für alle sein", erklärt die Biologin. Daher finden sich beim Ranger Erklärungen verschiedenster Sichtweisen - auch die der Landwirte wird aufgegriffen und erläutert.

Wenn Kristina Hühn nicht an Ranger Lino tüftelt, ist sie vor allem damit beschäftigt, Führungen zu den Kranichen anzubieten. Immer zur vollen Stunde starten diese vor der Naturschutzstation. Wenn Leute sie dabei auf den Smart und das Ranger-Programm ansprechen, gibt die Doktorandin Auskunft. "Für Einheimische sind diese Führungen kostenlos", sagt Hühn. Viele wüssten das nicht. Doch für Menschen aus Linum, Linumhorst, Dechtow, Hakenberg und den anderen Dörfern, die direkt im Rastgebiet liegen, gebe es so die Möglichkeit, Tourist im eigenen Ort zu sein.

Ein Problem am Ranger-Programm existiert aber noch: der Radius der W-Lan-Box im Smart. Er ist sehr gering. "Man muss schon am Auto stehen", erklärt Hühn. "Wir haben ganz viele Ideen, das Projekt auszubauen." Bisher wurden Technik und Inhalte ehrenamtlich finanziert. "Die Reichweite zu erhöhen, wäre auch eine Geldfrage. Daher freuen wir uns über Unterstützer." Diese könnten auch mit Material helfen - beispielsweise mit einer Batterie für den kleinen schwarzen Smart.

Spenden für das Projekt sind an den Verein Agena möglich: Sparkasse Barnim, IBAN DE28 1705 2000 3150 0079 32. Als Verwendungszweck sollte "Ranger Lino" angegeben werden.

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