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Abheben für 65 Millionen Euro

Kai-Uwe Krakau / 12.10.2016, 21:50 Uhr
Werneuchen (MOZ) Auf dem heutigen Sonderlandeplatz Werneuchen sollen künftig Geschäftsflugzeuge abheben. Bereits für das Jahr 2018 sind rund 11 000 Flugbewegungen prognostiziert. Die Gesamtinvestitionen des Vorhabens liegen bei etwa 65 Millionen Euro.

"Die beiden Länder Berlin und Brandenburg benötigen für die wirtschaftliche Entwicklung der Region einen Geschäftsverkehrslandeplatz", sagte Jürgen Gärtner am Dienstagabend im städtischen Bauausschuss. Als Gründe nannte der Geschäftsführer der Air Immobilien GmbH mit Sitz in Schorfheide die Schließung des Flughafens Berlin-Tegel sowie Kapazitätsengpässe im Bereich "Business und General Aviation" am zukünftigen Hauptstadtflughafen. "Für die russische und internationale Investorengruppe sind die besten Voraussetzungen für das Projekt am Standort Werneuchen gegeben", erklärte Gärtner.

Auf dem früheren sowjetischen Militärgelände wurde 1997 ein Sonderlandeplatz genehmigt. Er verfügt über eine 1499 Meter lange und 28 Meter breite Start- und Landeplan (08/26). Die höchstzulässige Startmasse beträgt derzeit 5,7 Tonnen. Abheben können Flugzeuge, Hubschrauber, selbststartende Motorsegler und Ultraleichtflugzeuge. An der Betreibergesellschaft hält die Firma Berger Bau 98 Prozent, die Stadt Werneuchen zwei Prozent.

"Es wird einen reinen Geschäftsflugbetrieb nach Bedarf geben", betonte Gärtner. Linienflüge seien nicht vorgesehen. Den Angaben zufolge soll sich das maximale Startgewicht auf 50 Tonnen erhöhen. Damit könnten eine "Gulfstream 650" und eine "Global 6000" den Platz problemlos nutzen. Die Start- und Landebahn wird auf 1799 Meter verlängert, sie soll ebenfalls vier Meter breiter werden. "Es wäre der einzige Flugplatz in Berlin und Brandenburg für den Geschäfts-Flugzeugverkehr mit einem maximalen Startgewicht bis 50 Tonnen", erklärte der Geschäftsführer. Nach seinen Worten wurden auch die Standorte Schönhagen bei Berlin und Neuhardenberg (Märkisch Oderland) geprüft. Dort seien aber die notwendigen Bedingungen für einen Ausbau nicht gegeben. Gärtner verwies auf die positiven Erfahrungen mit Geschäftsverkehrslandeplätzen in der Nähe von Großstädten. Beispiele seien Bonn-Hangelar, München-Oberpfaffenhofen oder Frankfurt (Main)-Egelsbach.

Angestrebt wird von den Investoren ein 24-stündiger Allwetterbetrieb mit genau abgestimmten Betriebszeiten. Der Landeplatz soll demnach im Sommer von 8 bis 20 Uhr und im Winter von 9 bis 19 Uhr geöffnet sein. Zunächst werden 30 bis 40 Flugbewegungen (Starts und Landungen) pro Tag angestrebt. In einem zeitlichen Horizont von zehn Jahren werden es "in der Spitze" 40 bis 70 sein.

Das gesamte Projekt soll in zwei Etappen realisiert werden. Bis Anfang 2019 sind die Rekonstruktion und Erweiterung der Start und Landebahn, die Abwicklung des Genehmigungsverfahrens und der Bau eines Business-Terminals geplant. Anschließend (bis 2027) sollen eine neue Anflugbefeuerungsanlage und ein ILS-Instrumenten-Anflugverfahren installiert werden. Darüber hinaus könnten vier neue Hangars entstehen und flugplatzaffines Gewerbe angesiedelt werden. Insgesamt will man 65 Millionen Euro investieren und im ersten Entwicklungsschritt insgesamt 60 Arbeitsplätze schaffen. Den jährlich angestrebten Umsatz bezifferte Gärtner auf rund 18 Millionen Euro, den Gewinn vor Steuern auf sechs Millionen Euro.

Die Lärmbelästigung für die Stadt gab der Projektentwickler beim Start einer "Global 6000" in Richtung Westen mit 65 Dezibel an. Direkt auf der Landebahn wären es 105 Dezibel. Beim Abheben einer sowjetischen MIG-25 seien es 75 Dezibel beziehungsweise 130 Dezibel gewesen, so Gärtner.

Der Geschäftsführer der Air Immobilien GmbH betonte ausdrücklich, dass man "nichts realisieren wird, was gegen den Willen der Bevölkerung ist". Dies mache keinen Sinn.

Bürgermeister Burkhard Horn hat die Einwohner zu einer Informationsveranstaltung am 4. November um 19 Uhr in den Hangar 3 eingeladen.

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Pierre Eichhorn 16.10.2016 - 23:18:31

Online Petition

es gibt auch schon eine Online Petition gegen dieses Vorhaben. https://www.openpetition.de/petition/online/nein-zum-projekt-geschaeftsflugplatz-werneuchen

Matthias Jitschin 13.10.2016 - 11:16:36

Wenn schon kein BER dann wenigstens Werneuchen?

Das kann sich ja wohl nur um einen sehr verspäteten Aprilscherz handeln! Ich denke alle umliegenden Gemeinden werden sich zu wehren wissen! Dieser Widerstand dürfte bedeutend höher ausfallen, als der gegen die Altanschließerbeiträge! Der Ortsteil Börnicke kündigt hiermit schon seinen Widerstand an.

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