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Herbstcamp lockt Jugendliche in die Natur

Heiko Flörke (links) zeigt, was ein alter Mäher ist.
Heiko Flörke (links) zeigt, was ein alter Mäher ist. © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schönberg / 19.10.2016, 19:01 Uhr
Schweinrich (MZV) Überraschend golden ist er dann doch noch geworden - der Oktobertag, an dem die 13 Jugendlichen des Feriencamps in Schweinrich mit dem Rad aufbrechen. Organisiert hat dieses Camp der Förderverein für Öffentlichkeit im Naturschutz (FÖN). Dem Vereinsziel nach erkunden die Heranwachsenden die Umwelt rund um den Dranser See im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land.

Die Nacht über hat es viel geregnet. Und so wird am Mittwoch die Strecke um das Ostufer ausgelassen. "Ich bin gestern noch mit dem Jeep lang", sagt Schullandheim-Leiter Heiko Flörke. "Aber die Pfützen sind jetzt bestimmt einen halben Meter tief." Mit dem Fahrrad sei das nicht zu machen.

Und so geht es über das Westufer nach Griebsee. Zwischendurch gibt es Stopps, die den Jugendlichen aus Berlin und Brandenburg den Charakter der Landschaft näher bringen. Eine Kiefer? Schnell erkannt. Warum so häufig anzutreffen? Weil sie genügsam ist: "Der Boden in Brandenburg ist sehr sandig und nährstoffarm", sagt Emma Kiehm.

Halt gemacht wird später auch auf einem Bahnübergang. Gefährlich ist das nicht - nicht mehr. "Früher war die Strecke noch wichtig", sagt Flörke den Kindern. "Da wurden Panzer von Mecklenburg aus über diese Gleise nach Dranse gebracht." Sie gelangten dann auf den Truppenübungsplatz, den die Kinder bereits vom dienstäglichen Ausflug kennen. Jetzt sind die Schienen - bis auf die des Straßen-Übergangs - bereits entfernt worden. Vielleicht, so Flörke, werde jetzt ein Radweg hier gebaut: "Es ist ja alles frei, er muss nur noch überzogen werden", sagt er.

Der nächste Stopp am Nordufer des Dranser Sees: "ein oft unterschätztes Gewässer", sagt Flörke. Denn so flink und umfassend wie das Auge die Wasserfläche auch überblicken mag - der See ist mit 500Hektar durchaus beachtlich groß. Einen Zufluss hat er dabei nicht. Dafür fließt er über einen Graben nach Norden ab - und verbindet sich so mit den Gewässern der Mecklenburger Seenplatte. "Da kann zwar keiner langfahren - nicht mal mit dem Faltboot", sagt Flörke mit Blick auf den Abfluss. Aber für die Fische reicht es allemal, um von hier aus weit in andere nasse Lebensgefilde vorzustoßen.

Für die Zweibeiner geht es weiter geht es nach Griebsee. Mit ausgestreckten Armen locken die Kinder die Tiere des dortigen Parks an den Zaun - beziehungsweise: Sie versuchen es. Denn "Füttern verboten" heißt es auf den vielen Schildern. Und so muss die tierische Neugier allein die Ziege, das Rind oder das Kaninchen zu den Händen der Besucher locken. Das klappt nicht immer, aber lohnenswert ist schon der Blick. Zum Beispiel auf das Kaninchen, das für die Jugendlichen ein bisschen aussieht wie Chewbacca, der Wookie aus den "StarWars"-Filmen.

Bedrohlich ziehen dann die Regenwolken heran: Die Sonne, die mit ihren wärmenden Strahlen an diesem frischen Herbsttag den Tross begleitet hat, verschwindet nun doch. Bevor es auf die Rückfahrt geht, zeigen die Jugendlichen, dass sie auch als Städter etwas über Egge, Drei-Schar-Pflug und Heuwender verstehen. Denn diese schon längst von den Höfen verschwundenen landwirtschaftlichen Geräte sind in Griebsee ausgestellt. Flörke erklärt den Kindern, wie es damals war - und wie einfach heute alles ist: "Was der Bauer an einem Arbeitstag mit der Sense mähte, schafft der Mähdrescher heute innerhalb von fünf Minuten - und dabei ist das Korn schon ausgedroschen."

Der Vergleich zeigt die Mühen, die die Menschen einst auf sich nehmen mussten. Aber auch die 13 Jugendlichen sind nicht faul. Die Naturerkundungen werden genutzt, um mithilfe der Anleitung von Jan Rooschüz Filme zu drehen. Das war schon bei den anderen zwei Auflagen des FÖN-Herbstcamps so: 2014 in Kunsterspring und voriges Jahr ebenfalls in Schweinrich.

Robin Offel hat mit seinen Freunden 2015 noch eine animierte Science-Fiction-Parodie mit Lego-Männchen und Obst gedreht. Jetzt wollen sie den Wölfen filmisch auf den Leib rücken: wie sie einst ausstarben, dann wieder ins Land kamen und sich gegen Wilderer wehren müssen. Dazu hat es am Dienstag auch einen Ausflug in die Natur gegeben: in die Heide. Dort leben ja mindestens neun Wölfe. Und Wolfsbetreuer Robert Franck ließ die Jugendlichen echte Spuren entdecken, verfolgen - und filmen. "Wir wollen alles am Ende den Eltern zeigen", sagt Ute Greschner vom FÖN. Sie betont: "Die Kinder wollen das." Zeigen, dass sie nicht nur etwas erlebt haben. Sondern auch wissen, wie sie daraus etwas Produktives, Handfestes schaffen.

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